Reisetagebuch

02.10. – 05.10.2005: Äthiopien, von Moyale bis Addis Abeba

Wir reisen in das 26. afrikanische Land auf unser Tour ein und sind sehr gespannt auf Land und Leute. Äthiopien wird vor allem mit Hungerkatastrophen, Wüsten und Krieg in Verbindung gebracht. Aber schon die ersten Bemerkungen im Lonely Planet machen große Lust auf dieses unbekannte Land. Es wird über berühmte historische und religiöse Stätten geschrieben und großartige Landschaften versprochen. Doch ein Satz gefällt uns besonders gut: „Forget the image, experience the reality“. Auf ins Land! Schon der erste Blick gefällt uns: ab der Grenze gibt es eine Teerstraße, die auch noch sehr passabel aussieht.

Auch die Einreise hinterlässt einen guten Eindruck. So professionell agieren wahrlich nicht alle Länder in Afrika. Der Einreisestempel ist schnell im Pass und wir bekommen einen Evaluierungsfragebogen in die Hand gedrückt. Die Bewertung von uns: bestens. Auch gegenüber beim Zoll läuft alles reibungslos ab. Das Carnet ist nicht erforderlich, wir bekommen ein Zollpapier mit allen wesentlichen Angaben zum Fahrzeug. Da Sonntag ist, ist nur eine Notbesetzung anwesend, die nicht stempeln darf. Am nächsten Morgen können wir das bereits gestempelte Papier abholen. Nach den von der Botschaft abgestempelten Kopien von Carnet und Führerschein hat natürlich keiner gefragt.
Und dann düsen wir auf guter Teerstraße Richtung Norden. Zunächst geht es durch trockene Dornen- und später Baumsavanne mit riesigen Ziegen- und Rinderherden – mitunter auch mitten auf der Straße. Immer wieder stehen auch Kamele in der Landschaft herum. Außerdem wirkt die Landschaft ein wenig wie eine riesige Kunstausstellung: haufenweise sind spitze, fünf bis sieben Meter hohe Termitenbauten in rot oder weiß zu sehen. Schließlich erreichen wir die Kante des ostafrikanischen Grabens und kommen auf eine Höhe von bis zu 2.500 Meter. Hier ist es schlagartig üppigst tropisch grün. Nicht gerade das Bild, was man mit Äthiopien in Verbindung bringt. Aber Reisen bildet bekanntlich und das Lesen von Reiseberichten auch!
Waren die ersten Kilometer im Land weitgehend von Termiten, Rindern und Kamelen geprägt, sehen wir jetzt Menschen ohne Ende. Am Wegesrand steht Haus an Haus und in den Dörfern tobt das Leben auf der Straße. Es wird Tischtennis, Tischfußball und Volleyball gespielt. Viele Menschen bewegen sich für Afrika erstaunlich schnell vorwärts. Kein Wunder: wir sind im Land der Marathon-Läufer. Die Äthiopier wechseln sich mit den Kenianer an der Spitze dieser Sportdisziplin ab. Die Menschen wirken stolz und selbstbewusst. Die Frauen sind meist in bunten Gewändern gehüllt, Männer tragen zum Teil „Röcke“.
Zum Nachmittag werden wir daran erinnert, dass hier gerade noch Regenzeit ist. Der Himmel ist teilweise schwarz, die Straße ist nass, einige Häuser stehen unter Wasser und überall (nicht nur in den Bächen und Gräben) rauscht das von Lehm rötliche gefärbte Wasser bergab. Wir bekommen einen Regenbogen zu sehen, der nett mit dem Grün im Kontrast steht und GeU wird mal wieder richtig nass.
Was unsere Übernachtung angeht, sind wir ausnahmsweise mal sehr schwankend. Erst wollten wir im Busch campen, aber bei dichten Besiedlung nehmen wir schnell Abstand davon. So beschließen wir, bis Dila zu fahren und ein Hotel zu suchen. Es gibt kein geeignetes Hotel mit Stellplatz. So geht es in der Dämmerung weiter nach Awasa und wir wundern uns über die belebten Straßen. Laut dem Därr-Reiseführer soll man auf keinen Fall nach 17.00 Uhr fahren (warum gerade 17.00 Uhr und nicht nach Sonnenuntergang?) und auch der gesamte Schwerlastverkehr verlässt dann die Straßen. Völliger Quatsch! Der Verkehr, auch mit Lastern, hat leider zugenommen, was die Unfallwahrscheinlichkeit erhöht. Nach wie vor sind die Straßen voll mit Menschen.
Auch in Awassa finden wir keinen Stellplatz und die beleuchtete Tankstelle mit viel Wachpersonal sagt uns nicht zu. So entscheidet der Cheffahrer, noch bis zum Langano-See zu fahren, wo wir einen Tag Pause machen wollen. Die 75 Kilometer schaffen wir schneller als gedacht. Ab Awassa hat die Straße europäischen Standard, ist hervorragend und breit ausgebaut. Nur das eine oder Hindernis ist zu umfahren. Dazu gehören unbeleuchtete Lkw, Kolonnen von Eselskarren und Polizeisperren, die aber nicht mehr besetzt sind. Das ist schon afrikanisch ohne Ende, aber dann bewegt sich etwas mitten auf der Straße. Beim Näherkommen flieht ein geschecktes, gedrungenes Tier und schleppt etwas mit Gedärmen raushängend mit sich. Mitten auf der Fernverkehrsstraße in einem durchaus noch bewohnten Gebiet haben wir eine Tüpfelhyäne mit ihrer Beute oder Aas aufgeschreckt. Das ist Afrika!
So erreichen wir fast unser Ziel und ändern ein letztes Mal für diesen Tag unseren Plan. Die Schirmakazien am Abzweig zum See laden gerade zum Campen ein. Leider übersehen wir ein Haus, aber die Bewohner sind nur neugierig und etwas ungläubig, dass wir hier im Busch übernachten wollen.
Am nächsten Tag sind es noch zwei Kilometer und wir haben den Langano-See erreicht. Auf dem Gelände des „Bekele Molla Hotel Langano“ finden wir ein idyllische Plätzchen unter Akazien direkt am Seeufer und entspannen uns nach dem Tag mit 562 Kilometern. Wir können uns nur schwer von der Ruhe am See trennen, aber so lange wie das Sudan-Visum nicht im Pass haben, wollen wir keine Zeit vergeuden. Auf weiterhin guter Straße geht es ab Mittag nach Addis Abeba. Wiederum sind wir erstaunt, was wir am Wegesrand sehen: riesige Gewächshäuser, eine Pharmaziefabrik und andere Industrieanlagen. Wenig sehen wir dagegen Müll in der Landschaft. Wir kommen höher und höher. Der Verkehr nimmt stark zu. Wir fahren bereits auf einer sehr belebten Straße Richtung Zentrum, als GeU mal wieder bockt. Die Kupplung ist nicht mehr „da“. Trotz Warnblinker hupt es hinter uns gewaltig. Durch Starten des Motors bei eingelegtem Gang schafft es Arthur, GeU wieder in Gang zu kriegen, damit wir am Seitenstreifen schauen können, was los ist. Der Kupplungsdruckschlauch hat ein Loch. Der Austausch und die Kupplungsentlüftung erfolgt unter den Augen vieler Zuschauer. Dann geht es weiter zum Hotel „Bel Air“, wo wir wohl für einige Tage stehen werden, um Reifen und unser letztes Visum auf dieser Reise zu beschaffen.

05.10.2005

Addis Abeba
Äthiopien

[ zurück ]