Reisetagebuch

30.09. – 02.10.2005: Kenia, von Nairobi bis Moyale

Da wir vier Nationalparks in Kenia kennen und auch schon am Mount Kenia trekken waren, wollen wir zügig zur äthiopischen Grenze kommen. Drei lange Fahrtage liegen vor uns, die landschaftlich abwechslungsreich und schön sind. Nur für das Stück ab Isiolo machen wir uns wegen der angeblich nicht gegebenen Sicherheit etwas Sorgen.

Schnell hinter Nairobi wird es hügelig und sehr grün. Hier wird intensiver Obst-, Gemüse und Kaffeeanbau betrieben. Rund um den Mount Kenia folgt großflächige Feldwirtschaft mit amerikanischen Großmaschinen. Da wir wegen des Unfalls etwas später aus Nairobi wegkamen, wird das geplante Mittagessen auf der Strecke zum Nachmittagssnack. Nach der Besteigung des Mount Kenia hatte uns Annette zum Essen ins Restaurant „Trout-Tree“ geführt. Von den superfrischen Forellen waren wir damals begeistert gewesen. Auch diesmal mundet Forelle in verschiedensten Variationen (geräuchert, gegrillt, als Pate und in einer Pasta-Sauce) hervorragend. Mit Blick auf die Forellenteiche „sitzt“ man in einem riesigen Baum, der dem Restaurant den Namen gegeben hat.
Kurz danach verlassen wir die Südhalbkugel. Wir parken GeU am Äquator-Schild und machen schnell ein Foto davon. Sekt für eine Äquatortaufe haben wir nicht mehr.
In Isiolo suchen wir nach einer Unterkunft für die Nacht und fragen im Hotel „Gaddisa“. Zunächst weiß man nicht so recht, was man uns für das Parken und die Bewachung abnehmen soll, aber als wir uns auf 500 Schillinge geeinigt haben, ist man sehr nett. Wir können am nächsten Morgen noch unsere Wassertanks auffüllen.
Für die Strecke Isiolo-Moyale schreibt der Därr-Reiseführer wenig erbauliches. „Angesichts der Gefahr von Überfällen (fast immer mit Todesfolge) muss im Konvoi gefahren werden.“ So hatten wir schon vor Wochen die Deutsche Botschaft in Nairobi um genauere Informationen gebeten. Dort hielt man es nicht für nötig, uns zu antworten. Das Auswärtige Amt rät auf seinen Internetseiten vor Reisen in dieses Gebiet eher ab und empfiehlt, den Schutz eines bewachten Konvois zu suchen. Diese Informationen finden wir auch auf den Seiten des britischen wie schweizerischen Außenministeriums und selbst die Polizei in Nairobi, wo wir wegen des Unfalls waren, spricht von Konvoi-Zwang.
Doch dann kennt man in Isiolo am letzten Polizeiposten keinen Konvoi. Wir checken diese Information im Hotel „Gaddisa“. Übereinstimmend heißt es, dass die Strecke „safe“ sei. Na dann, mit verriegelten Türen fahren wir los.
Die Straße ist wahrlich nicht die beste. Harte Piste, viele Steine und immer wieder Wellblech. Es schüttelt uns kräftig durch und unsere Reifen leiden. Dass das nicht ohne weitere Reifenpannen abgehen würde, war uns angesichts unseres Reifenzustandes schon vorher klar. Schon in Isiolo hatte es uns mal wieder vorne links erwischt. Aber da wir nun einen neuen Schlauch haben, können wir jenen mit den Mehrfach-Flicken ersetzen und haben – toi toi toi – Ruhe. Aber der eine der grunderneuten Reifen aus Südafrika macht uns Sorgen. Er wirft an einigen Stellen der Seitenwand „Blasen“. So lassen wir in Marsabit eine Notreparatur vornehmen, damit er uns nicht direkt um die Ohren fliegt. Wie gut, denn sein Kollege löst sich am nächsten Tag fast auf. Plötzlich sehen wir Teile unsere Reifen im Rückspiegel davon fliegen. Das neuaufgezogene Profil löst sich Stück für Stück ab. Also Reifen wechseln. Nun haben wir keinen Ersatzreifen mehr und es ist klar, wir müssen in Addis Abeba neue Reifen kaufen.
Trotz Reifenprobleme und Schüttelei sind wir von der Strecke angetan. Dornbuschsavanne und fast vegetationslose Wüste wechseln sich ab. Zwischendurch gibt es einige sehr runde und einige sehr spitze Berge. Es ist wieder einmal fantastisch afrikanisch. Auch die hier lebenden Samburu wirken traditionell afrikanisch in ihren bunten Tüchern. Zudem zeigen sich einige Tiere: Strauße, Perlhühner, Gazellen und Paviane. Etwas weniger wild wirken die Kamele, die wir erst weiter nördlich erwartet hätten. Einige grasen vor sich her, andere gehören zu Karawanen, die Wasser und Brennholz transportieren. Auf der gesamten Strecke haben wir Höhenunterschiede zu bewältigen. Der tiefste Punkt liegt bei 475 Meter. Es ist entsprechend warm. Marsabit selbst liegt auf einem weitläufigen Berg in einer Höhe von 1.350 Metern, so dass wir eine angenehme Nacht auf dem Gelände der italienischen katholischen Mission verbringen und mit deren Glockengeläut geweckt werden.
Die tolle, einsame Gegend hätte uns sehr gereizt, einige Tage im Busch zu stehen. Aber da wir dafür keine Zeit haben, müssen wir uns auch nicht fragen, ob es die Sicherheitslage hergegeben hätte. Wir erreichen am Nachmittag wohlbehalten Moyale und da die Grenze auch nach 16.00 Uhr noch auf hat, verlassen wir Kenia. Alles ist schnell gestempelt. Bei der Immigration ist man vor allem mit Computerspielen beschäftigt: „Spider Solitär“ aus dem Windows-Paket, auch unser derzeitiges Lieblingsspiel.

02.10.2005

Moyale
Kenia

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