07.09.2017, Albanien

31.08.2017 bis 07.09.2017, Albanien, Sveti Naum bis Konispol

Endlich erreichen wir Albanien, das Land, das ein wahres Offroad-Paradies sein soll. Viel haben wir gelesen, haben zwei Reiseführer und zahlreiche Reiseberichte dabei. Alles macht Lust aufs Land. Und was ist? Wir haben eigentlich mal wieder keine Zeit. Die Kurzfassung des einwöchigen Aufenthalts: eine kräftige Schlammschlacht und dann Erholung erst am Ohrid-See, dann an der albanischen Riviera. Aber ganz so kurz wollen wir den Text dann doch nicht halten.

Fast direkt hinter dem Grenzübergang beginnt Pogradec, eine Kleinstadt mit belebter Promenade am Ohrid-See und Innenstadt. Wir kümmern uns hier um albanisches Geld. Gar nicht so einfach, denn erst der vierte Geldautomat gibt mir mit der Mastercard-Kreditkarte Geld. Wir hatten schon die Visa-Karten herausgeholt und nach den Pins gesucht, als ich doch noch einen Automaten mit Mastercard fand, der gnädig war und mich nicht nur an meine Bank verwies.

So es ist fast dunkel, als wir nördlich von Pogradec auf eine abgemähte Wiese direkt am Ohrid-See rollen. Ein toller Standplatz direkt am Wasser! Es ist inzwischen extrem windig. GeU wackelt so vor sich hin. Am nächsten Morgen kommt jemand mit seiner Kuh, pflückt für die Maisblätter ab und nimmt uns nicht weiter wahr. Ich muss alle paar Minuten ein weiteres Fotos aus dem Wohnmobil machen – mit Blick über den See auf die mazedonischen Berge. Aber wir können uns nach einem gemütlichen Start loseisen …

Es geht wieder nach Pogradec zurück, erst zum Einkaufen, dann um etwas weiter südlich auf eine Offroad-Tour aus dem Pistenkuh-Albanien-Buch zu gehen. GeU dehnt den Versorgungsstopp mitten in der Stadt etwas aus. Arthur hatte während meiner Einkäufe das Licht an, den Motor aus und hörte Musik. Daher ist die Batterie jetzt leer. Alles kein Problem. Wir können über die Solaranlage, den Konverter und das Batterieladegerät nachladen. In der Zeit füllen wir noch den Wassertank. Passend standen wir vor dem Blumenladen, der einen Wasserhahn vor der Tür hat. Bevor ich dort nach dem Wasser fragen konnte, konnte ich beobachten, wie Blumen in Albanien verpackt werden: drei Folien und drei Schleifen, also viel Plastik, das dann irgendwo herum fliegt.

Außerdem entdecke ich bei der Warterei eine super gute Patisserie. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer nur in die Patisseries hineingeschaut und allen Versuchungen widerstanden. Aber ich beschränke den Einkauf auf zwei Sachen: ein Stück Baklava und einen leckeren Schichtpudding, der sofort aufgegessen wird. Unsere gesunde Ernährung muss mal kurz Pause machen. Und dann ist auch die Zwangspause beendet, wir rollen zum Ausgangspunkt der Offroad-Tour S02. Erst ist die Straße noch geteert, dann gelangen wir auf Schotterpiste zu tollen Felsformation und träumen davon, hier auf 1400 Meter Höhe, wie es Burkhard empfiehlt, für die Nacht stehen zu bleiben. Aber es ist noch nicht mal Mittag durch bzw. wir haben keinen Hunger nach dem fetten Pudding. Also weiter!

Burkhard schreibt bei seiner Routenvorstellung, dass es danach nur noch Sackgassen gibt, die alle im Schlamm enden. Sie hätten dann drei Stunden gebuddelt. Also nicht weiterfahren, sondern den gleichen Weg zurück. Unser Navi (Maps.Me!!!) sagt das Gegenteil und schlägt eine Tour von 124 Kilometern bis Berat vor. Der Schäfer erklärt ähnliches.

Wir wagen es! Zunächst geht es auch sehr gut. Der Weg hat eine ähnliche Qualität wie der zuvor beschriebene. Irgendwann wird es aber heftig und es gibt zwei Alternativen, die beide nicht toll aussehen … Die bessere endet in einem Loch, aus dem wir im ersten Anlauf nicht wieder herauskommen, da eine Seite von GeU II in einem Matschloch versinkt. Also wie immer in so einer Situation: rückwärts wieder raus, geht noch problemlos. Wir füllen das Loch mit Steinen und Holz auf. Der zweite Versuch glückt, was Arthur zwischenzeitlich wohl nicht geglaubt hat. Nur ist zwischenzeitlich ein Vorderrad einen halben Meter über dem Boden. Vor allem die Kamerafrau, also ich, erschreckt extrem und verreißt die Kamera. So gibt es kein Filmmaterial von der Landung! Aber GeU fährt kurzfristig auch nur noch mit Hinterradantrieb brav weiter.

Und dann wird es richtig grottig. Hier hätten wir spätestens umkehren sollen und wollen es künftig auch tun. Das große Schlammabenteuer für die nächsten vier Stunden (mehr als bei der Pistenkuh!!!) beginnt …

Die Piste besteht aus tiefen Auswaschungen durch Regen, teilweise noch voll mit Schlamm, (wo kommt das Wasser dafür her?) und so tief, dass GeU regelmäßig aufsetzt. Aber wir kommen leicht bergabfahrend weiter, hin und wieder muss Arthur zurücksetzen und mit mehr Schwung wieder vorwärts fahren. Es gibt nun auch keine Möglichkeit mehr zu wenden!

Schließlich kommen wir an eine Stelle, die uns zu lang, zu tief und zu steil zum Durchfahren erscheint. Wir holen die Schaufeln raus und versuchen, die Piste etwas einzuebnen. Schon bald haben wir Helfer aus dem nahen Dorf. Die gehen hin und wieder mit zur Hand, aber alleine ihre Anwesenheit sorgt dafür, dass wir uns nicht alleine fühlen. Wir versuchen herauszubekommen, ob die Piste bald besser wird. So richtig wissen wir es nicht, was sie uns sagen.

Arthur hatte erst vor einigen Tagen gesagt, wir müssten ja noch die Bergeausrüstung ausprobieren. Jetzt ist die Gelegenheit da. Wir setzen auch die Seilwinde ein, bis die Batterie wieder leer ist. Leider ist der erste Baum schnell abgebrochen und wir immer noch im Schlamm. So vergeht die Zeit kurzweilig. Inzwischen sind wir unterzuckert. Auch ein stark gesüßter Pudding ist irgendwann verdaut. Wir versuchen uns während der Zwangspause zur Batterieladung mit Weintrauben und Traubenzucker zu dopen und fragen immer mal wieder nach einem „Trekker/Traktor“. Das Wort wird leider nicht verstanden. Aber als dann ein weiterer Mann auftaucht, werden wir hellhörig. Ein „IFA“ wird uns zur Rettung angeboten. Wir sagen sofort zu und hören mit großer Freude, wie der „beste Truck der Welt“ langsam näher kommt, während wir Fotos von unserem IFA zeigen. So wird unser GeU II von einem IFA L60 „gerettet“. Das finden wir sehr passend. Das ist noch mal sehr brutal für GeU II. Aber nach rund 100 Metern stehen wir wieder auf einer akzeptablen Piste und sind sehr erleichtert. Wir werden noch zu einem Weg begleitet, auf dem wir eine halbe Stunde später auf halbwegs guter Piste wieder die Felsformationen erreichen. Hier übernachten wir nun. Hatten wir ja gleich machen wollen.

Aber erst einmal sind wir weiterhin nur erleichtert. Die erste Sichtung ergibt, dass GeU zwar unendlich dreckig ist, aber heil. Nur die hintere Stoßstange hat was abgekommen. Daher ist der erste Beschluss nach dem großen Schlamm-Abenteuer: künftig wird die Stoßstange immer an oberster Position gefahren, bis irgendwer (TÜV, Polizei) was anderes sagt. Zweiter Beschluss: wir brauchen solche Erlebnisse nicht. Vor allem ich hatte zwischendrin arg große Angst, bin danach dann auch mehr oder weniger gelaufen, sofern es überhaupt was zu laufen gab! Ich konnte mich zum Glück mit dem Fotografieren und Filmen ablenken.

Wir wollen unseren Offroader vor allem nutzen, um tolle Übernachtungsplätze zu erreichen – so wie diesen, der wirklich traumhaft ist (obwohl wir am Ende erstaunt sind, wie häufig doch noch Autos vorbei kommen). Wir sehen uns am Abend bei Bier und Gemüsecurry die Fotos und Filme an und uns wird wieder ganz anders. Es war extrem brutal für GeU, aber er hat auch gezeigt, was er kann. Nochmals sind wir erleichtert, dass wir alle drei so gut wie keine Schäden haben (hier und da gibt es Blasen und Schnitte, aber alles harmlos). Wir brauchen es nicht und werden bei weiteren Offroadtouren hoffentlich klar unsere Grenzen kennen und auch dann umkehren, was Arthur bekanntlich nicht mag.

Erst sehr langsam weicht bei uns die Anspannung des Tages. Wir sind von den vielen Adrenalin-Schüben schon extrem k.o. Daher dann der dritte Beschluss: jetzt kein Offroad mehr in Albanien. Wir wollen nur noch an den Strand und dort letzte, ruhige Tage verbringen.

Die Nacht ist sehr ruhig, nur mäßig kalt. Hier hätten wir auch gerne noch einen Tag gestanden und die Ruhe und die Aussicht auf die Felsformation und die Berge genossen. Lebensmittel hatten wir genug gehabt, aber wir wollen an den Strand. Der Plan wird jedoch schnell geändert. In Pogradec waschen wir GeU (hat Arthur lieber selbst gemacht und es sind immer noch keine Schäden aufgetaucht), richten die Stoßstange und lassen sie danach wieder sauber schweißen. Dann wollen wir Richtung Küste und entdecken nach 29 Kilometern auf dem Campingplatz nördlich von Pogradec direkt am Ohrid-See ein Offroad-Wohnmobil. Spontan haben wir Lust auf den Austausch mit Gleichgesinnten. Wir werden begrüßt mit den Worten „Das ist ja GeU, wir kennen Euer Buch!“. Also nix mehr mit Weiterfahren nach der Mittagspause. Wir verleben mit Anselm und Johanna, ihren Kindern Jim und Marja sowie Hund und Katze einen kurzweiligen Nachmittag, Abend und Vormittag mit viel Quatschen. Auch die waren schon ein Jahr in Afrika an der Ostküste unterwegs und sind jetzt gerade aus dem Senegal zurückgekommen. Zwischendrin wird noch die Internetseite aktualisiert, im See gebadet und Forelle aus dem See gegessen.

Am nächsten Morgen geht es wirklich Richtung Strand und Küste. Wir kommen zügig durch das Land, verlassen die Berge und erreichen die Tiefebene. In Lushnje sind wir überrascht, wie proper die Stadt ist. Wir holen hier ohne Probleme noch mal Geld und kaufen ein wenig ein. Der Supermarkt ist gut bestückt, nur bei Obst und Gemüse muss er passen. Dafür gibt es überall Stände mit großem Angebot. In Vlore erreichen wir die Adria. Vlore ist Hafenstadt mit Strand und vielen Hotels, aber noch nichts für unseren Geschmack. Anselm und Johanna hatten uns den Strand in Borsh empfohlen. Hier stehen die Offroader.

Doch erst müssen wir über den Llogora-Pass mit einer Höhe von 1.027 Metern. Auf der nördlichen Passseite ist alles sehr grün und bewachsen, die Wolken befeuchten die Vegetation. Auf der anderen Seite ist es trocken. Wir übernachten direkt auf der Passhöhe, pflücken mal wieder ganz viele Brombeeren und wandern am nächsten Morgen in zwei Stunden noch zu den Funkmasten und zurück und genießen den Ausblick auf die südlichere Küste.

Und dann erreichen wir wirklich den Strand in Borsh. Anselm und Johanna hatten uns empfohlen, nicht direkt durch das Flussbett an den Strand zu fahren, sondern die Piste zu nehmen. Es hätte aber auch eine geteerte Straße an den Strand gegeben. Entsprechend viele „normale Straßen-Wohnmobile“ stehen hier rum. Aber um in die letzte Ecke des Strandes zu kommen, ist Allrad doch gut, bzw. um wieder weg zu kommen. Wir leisten direkt nach unserer Ankunft „internationale Hilfe“ und ziehen einen polnischen VW-Bus aus dem Sand-Kieselstein-Gemisch heraus.

Wir genießen drei Tage Strand und Sonne pur. Arthur muss zwischendrin ein wenig arbeiten, daher laufen wir zweimal zu den Cafes, um ins Internet zu kommen. Sonst sind es ruhige Tage mit joggen, schwimmen und viel lesen. Ich backe noch Brot, um den Backofen zu testen. Er ist nicht zu heiß, man braucht etwas Geduld, aber es funktioniert.

Es sind noch genau 100 Kilometer bis zum Fährhafen Igoumenitsa, als wir den Strand in Borsh verlassen. GeU rollt munter vor sich hin. In Saranda wird noch groß eingekauft. Wir mussten noch gute 50 Euro ausgeben, nicht ganz einfach, da die Lebensmittel hier sehr günstig sind. Aber zuhause und bis dahin müssen wir ja auch noch was essen. Des restliche Geld wird in albanischen Wein investiert. Mal schauen, wie der ist. Und dann haben wir Albanien schnell verlassen und können uns vorstellen, schon im nächsten Jahr wieder zurückzukommen. Um dann wirklich Zeit für Albanien zu haben, wollen wir dann hier unten mit der Tour starten…