31.08.2017, Mazedonien

27.08.2017 bis 31.08.2017, Mazedonien, Blace bis Sveti Naum

In Mazedonien beschränken wir uns auf drei der fünf im Lonely Planet für Eastern Europe aufgeführten Highlights für das kleine Land: die Hauptstadt Skopje, den Nationalpark Mavrovo sowie die Stadt Ohrid und den gleichnamigen See. Für mehr reicht leider unsere Zeit nicht. Aber wir waren auch wegen der günstigen Spritpreise über Mazedonien gefahren: 80 Cent pro Liter sind doch eine Aussage! Aber die drei Highlights waren durchaus sehr sehenswert.

Mit Skopje haben wir an dem Sonntag die zweite europäische Hauptstadt an einem Tag erreicht. Diese gefällt uns deutlich besser als Pristina. Wir interessieren uns vor allem für „Skopje 2014“, ein Projekt der Regierung zur „Verschönerung“ der Innenstadt, das zugleich den Nationalstolz beflügeln soll – durch platte Gigantonomie. Die Fassaden von Neubauten und Bauten, die zu sozialistischen Zeiten entstanden sind, wurden und werden „aufgemotzt“ mit Stuck und viel Pomp. Der Regierungspalast und das Außenministerium sehen wie kleine Schlösser aus. Es gibt einen Triumphbogen, an dem englische Busse verkehren. Dazu gibt es an jeder Ecke Statuen, vermutlich alles die vielen Söhne des Landes. Einer davon ist Alexander der Große, der auf einer gigantischen Säule in Kriegsszene zu sehen ist. Am Abend gibt es hier Musik von Wagner und Tschaikowski. Den ganzen Tag läuft die große Fontäne. Alexander der Große wird sowohl von den Griechen als auch von den Mazedoniern als Nationalheld beansprucht, was bis heute zu Diskussionen zwischen den beiden Ländern führt. Kann „Skopje 2014“ (2014 steht für das geplante Jahr der Fertigstellung, das Projekt läuft aber offensichtlich noch) einem gefallen? Nicht wirklich, aber es ist interessant zu sehen, auf was Regierungen kommen und für was sehr viel Geld in einem eher sehr armen Land (angeblich 600 Mio.) ausgegeben wird. Die Innenstadt ist durchaus belebt, auch am Ufer der Vardar, wo es inzwischen Bar- und Restaurantschiffe zwischen den neuen, mit vielen Skulpturen versehenen Brücken (wieder die Söhne des Landes!?!? – Töchter scheint es nicht zu geben) gibt. Auch die Altstadt mit dem Bazar gefällt uns hier gut. Es ist eine nette Mischung aus Restaurants, Bars und Cafés sowie den klassischen Juwelieren und anderen kleinen Läden, insgesamt aber nicht so „überdreht“ wie in Prizren, Mostar oder Sarajevo. Die sozialistische Vergangenheit ist im Stadtbild auch noch zu sehen, nicht alle Bauten wurden „aufgemotzt“. Es gibt aber auch moderne Architektur mit viel Glas. Überall in der Stadt hängen Gedenktafeln für Mutter Theresa, die in Skopje geboren wurde. Ein Zitat finden wir sehr schräg: „Die größte Bedrohung für den Weltfrieden ist Abtreibung“. Wenn das unser einziges Problem wäre!

Nach einem kalten alkoholfreien Bier aus dem Kühlregal des Supermarktes wollen wir zügig aus der heißen Stadt raus und Abkühlung am Matka-See finden. Aber auf diese Idee sind an diesem Sonntag auch sehr viele Mazedonier gekommen. Wegen Überfüllung hat die Polizei die Schlucht bzw. die Straße gesperrt, die eh im Nichts geendet hätte. Wir fahren daher Richtung Nationalpark, weitgehend auf der Landstraße neben der Autobahn, um die Maut zu sparen. Diese ist kaum befahren und hat laut Reiseführer noch keinen Stau gesehen. In den Bergen unweit der Autobahn/Straße finden wir eine schöne Wiese zum Campen und sitzen zum Essen vor dem Wohnmobil. Der Hirte nimmt uns wie üblich kaum wahr. Nur die Kühe schauen am Morgen mit großem Interesse das gelbe Wohnmobil an. Stand hier ja noch nie!

Am nächsten Tag kaufen wir in Gostivar ein, um im Nationalpark Mavrovo gut versorgt zu sein. Während ich im Supermarkt und beim Gemüsehändler bin, wird Arthur von einem alten Mazedonier angesprochen. Er hat von 1965 bis 1970 bei Bosch in München gearbeitet und heute hier Einspritzpumpen repariert und einstellt. Dann ist er zurück nach Mazedonien gegangen, da er als Unternehmer hier mehr verdienen konnte (!!). Heute führt sein Sohn die Werkstatt für Einspritzpumpen. Er klagt über die schlechte wirtschaftliche Situation in Mazedonien nach der Auflösung Jugoslawiens, heute ziehen alle gut ausgebildeten jungen Leute nach Nord- und Westeuropa. Er lädt uns spontan zum Kaffee ein (soll man laut Reiseführer auf keinen Fall ablehnen) und Arthur und er (er spricht immer noch sehr gut Deutsch) plaudern über Autos und Einspritzpumpen. Ob er GeU II etwas „spritziger“ hätte machen können?

Im Dorf Mavrovi Anovi erkundigen wir uns im Infocenter des Nationalparks Mavrovo, was hier alles möglich ist: Radtour um den See, diverse Wanderungen, Dorfbesichtigungen – es klingt vielversprechend. Einen Campingplatz gibt es nicht, aber es wird toleriert, wenn man irgendwo steht, u.a. direkt am See unterhalb des Nationalparkbüros. Gesagt, getan, unsere Basis für die nächsten zwei Tage, leider auch stark vermüllt. In Mazedonien ist es nicht besser als im Kosovo. In Gostivar haben wir beim Kaffeetrinken drei Müllwagen gesehen. Hier stehen zwar überall an der Straße Tonnen herum, aber ob die jemals geleert werden?

Die Radtour fällt aus. Wir machen uns zwar zu Fuß auf dem Weg, um Räder ein Stück weiter südlich am See zu mieten. Aber es ist nicht einfach, sie zu finden. Von drei Vermietstationen finden wir eine, ein Café, und das auch nur aufgrund des Tipps eines Hoteliers drei Häuser weiter, der keine Räder mehr vermietet. Es gibt Räder, aber diese sind in einem eher nicht fahrbaren Zustand. Eins bremst nicht ordentlich, beim anderen hakt die Schaltung. Dazu will man 13 Euro pro Tag haben, weil die Räder in Ohrid am See 25 Euro kosten (kosten dort nur fünf Euro, wie wir zwei Tage später feststellen, und waren im besseren Wartungszustand). Daher belassen wir es beim Spaziergang und haken die Radtour ab. Wir schauen uns noch die Kirche Sveti Nikola an, die seit dem Bau des Staudamms im Jahr 1953 überschwemmt ist – wenn der See voll ist. Dann schaut nur die Kirchspitze aus dem Wasser, jetzt hätte man drumherum laufen können.

Es fängt eh gerade an zu regnen, nachdem es den ganzen Tag schon bedeckt war. Wir trinken einen sehr günstigen türkischen Kaffee und trampen zurück zu GeU. Wir wundern uns ein wenig über den gewissen phlegmatischen Ansatz, den man hier im Nationalpark spürt. Uns gefällt es hier sehr gut und wir fragen uns, warum man zu dieser Jahreszeit kaum Touristen sieht. Kommen die nur im Winter zum Skilaufen? Schade. Aber man bemüht sich angeblich, um mehr Touristen. Der Weg ist wohl noch lang …

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne, wir können quer über den See, über den leichter Nebel aufsteigt, unser Wanderziel in Augenschein nehmen: den Berg Sandaktas, auf 1.985 Meter Höhe mit besten Panoramablick auf den See und die umliegenden Berge. Ausgangspunkt ist das Dorf Nikiforovo, 700 Meter tiefer, auf der anderen Seeseite, womit wir dann im Laufe des Tages doch eine Seeumrundung mit GeU II haben.

Wir laufen erst durch den Wald, dann über die Wiesen. Die Ausschilderung ist „naja“. Nach der allgemeinen Übersichtskarte folgen erst nach einiger Zeit Zeichen und Schilder. Wir laufen auch einmal zehn Minuten in die falsche Richtung, hatten das Schild nicht gesehen, weil man es eigentlich auch nicht sehen konnte. Weiter oben laufen wir dann nach Sicht und haben das Ziel, die Bergspitze, klar vor Augen. Um uns herum sind viele Waldolderbeeren-Sträucher, die gut behangen sind und auch abgeerntet werden. Auf dem Weg runter gehen wir auch auf Sicht und laufen letztlich querfeldein durch den Buchenwald. Mehrfach sehen wir bei der Wanderung „sichere“ Spuren von Bären, die es hier gibt. Wir sehen „Tapsen“ im Matsch und Bären-Gacke, der man sicher entnehmen kann, dass der Bär Fliederbeeren gegessen hat. Schöne fliederfarbene Sch… Wir sehen aber auch normale brauen Sch… Ein weiterer Hinweis: Auch durch einige Brombeer-Sträucher ist irgendetwas „Dickeres“ marschiert. Daher versuchen wir, möglichst mit etwas Krach durch die Gegend zu gehen.

Und „das Beste“ an der Wanderung war die Tatsache, dass wir zum Hund gekommen waren, zur Hündin, um es genau zu sagen. Als wir in Nikiforovo aus dem Auto gestiegen waren, kam eine gut halbjährige Hündin mit ihrem Vater (?), einem Golden Retriever, auf uns zu. Der Golden Retriever verschwand nach einer kurzen Kuschelrunde schnell wieder, das Hundemädchen (hatte noch etwas andere als nur Retriever in den Genen) schloss sich uns an und blieb – bis zum Gipfel – immer an Arthurs Seite. Es war ein herrlicher Anblick, als Arthur, wie immer etwas schneller als ich, den Gipfel erreicht hatte und über die kleine Felskante schaute. Erst erschien Arthur, dann die Hündin. Die ist dann komplett geschafft, fällt neben dem Gipfelkreuz zur Seite in einen Tiefschlaf und verpennt regelrecht unser Picknick. Als wir wieder aufbrechen, müssen wir sie wecken. Sie kommt nur langsam wieder in die Pötte und sitzt immer schnell wieder. Aber dann kommt der sprichwörtlich junge Hund wieder zum Vorschein. Sie springt um Arthur herum, schaut aber auch immer wieder, wo ich bleibe. Ihre Liebe kann ich mir dann mit den Keksen erkaufen. Sie bekommt was ab, ergänzt durch die Worte „nicht schmatzen und nicht Arthur erzählen“. Als wir dann Brombeeren pflücken, macht sie mit. Allerdings musste ich erst eine pflücken und essen, ihr dann eine in die Schnauze schieben. Dann frisst sie vom Busch. Ja, wir haben uns schnell an die Hündin gewöhnt. Ich adoptiere ja mit Leidenschaft und regelmäßig Hunde auf der Tour, aber Arthur gibt auch zu, dass er sie nach kurzer Zeit lieb gewonnen hat. Sie bleibt aber trotzdem in Nikiforovo! Es war aber so schön!

Um die müden Muskeln wieder zu lockern, fahren wir vom Nationalpark Mavrovo in gut einer Stunde über die gute Straße im Tal nach Debar zur heißen Quelle. Es gibt einen medizinischen Bereich mit Ärzten, der aber schon Feierabend hat. Dann gibt es den Freizeitbereich, getrennt nach Männern und Frauen. Aber es gibt auch die Option einer Kabine, die wir wählen. So liegen wir eine gute halbe Stunde im sehr warmen Wasser. Dann sind wir „gar“ und der Kreislauf platt.

Entlang des Flusses Drim und der Talsperre geht es weiter südlich. Es ist nicht einfach, hier einen Übernachtungsplatz zu finden. Es gibt so gut wie keine Straßen runter an den See. Es ist schon fast dunkel, als wir ein Fahrzeug direkt am Wasser sehen. Der erste Weg wäre eine kleine Zumutung für GeU gewesen. Daher schaut Arthur zu Fuß, was sich hinter den Büschen verbirgt, u.a. eine bessere Zufahrt. So stehen wir direkt am See, um uns herum zunächst noch ein Angler und einige Kühe, dann nichts mehr. Die Kühe tauchen am nächsten Morgen wieder auf und beobachten mit großem Interessen keine zwei Meter von mir entfernt, wie ich meine Haare im kleinen Eimer wasche. Etwas unheimlich fand ich es schon, hockte ich doch auf der Erde und konnte zu den Kühen hochschauen, die immer näher kamen.

Ohrid ist eine nette Stadt direkt am See. Wir bummeln durch die Stadt, die zwar touristisch ist, aber trotzdem charmant „rüberkommt“. Es ist auch entgegen unserer Erwartung deutlich leerer. Wir bummeln durch die kleinen, engen Gassen durch den Ort bis zur Landzunge, wo die Kirche Sveti Johann steht, das Postkartenmotiv von Mazedonien und auch auf dem Titel unseres Reiseführers. Auf dem Weg kommen wir noch an der Kirche Sveti Sofija vorbei. Im Stadtteil Kaneo essen wir direkt am See Forelle aus dem Ohrid-See, einmal klassisch mit Zwiebeln und Walnüssen. Zurück geht es an der „Uferpromenade“: Stege am Ufer vor den Felsen.

Damit nehmen wir Kurs auf Albanien und wollen das Tanken des billigen Sprits möglichst lange herauszögern. Wir setzen auf eine Tankstelle direkt an der Grenze und schießen uns ins Knie. Nach Ohrid gibt es keine Tankstelle mehr. Wir fahren also 27 Kilometer zurück nach Ohrid und verdienen uns somit 90 Euro abzüglich des Sprits für 54 Kilometer. Zwischendrin nehmen wir ein Bad im Ohrid-See, sehr angenehmes klares Wasser, nicht zu kalt, nicht zu warm.

Zwei Stunden später als zunächst erwartet sind wir in wenigen Minuten aus Mazedonien ausgereist.