23.08.2017, Montenegro

Mit Montenegro erreichen wir beide ein neues Land. Und das bietet ein wahres Feuerwerk an Eindrücken: viel Weltkulturerbe in diversen Städtchen, beeindruckende Natur mit Bergen und Buchten und Naturgewalten in Form von Waldbränden und dem gerade noch rechtzeitig einsetzenden Regen mit Hagel. Neben Reifenproblemen gab es große Aufregung, ob unsere Reise unerwartet zu Ende gehen könnte, als sich GeU nicht mehr lenken ließ. Es war eine kompakte Woche in Montenegro.

Mehr oder weniger mit dem Grenzübergang erreichen wir die Bucht von Kotor, ein einzigartiger Fjord mit verschiedenen kleineren Buchten, die auf der Welt ihresgleichen sucht und auch ein Weltkulturerbe ist. Sie führt rund 30 Kilometer ins Landesinnere, teilt sich in zwei hintereinander liegende gleich große Bereiche und ist umringt von hohen Bergen, bis 1.600 Meter hoch. An der engsten Stelle zwischen den zwei Buchten fahren Fähren, insgesamt gibt es vier Schiffe. Das pittoreske Bild wird abgerundet durch die beiden Inseln in der zweiten Bucht vor Perast: Sveti Dorde und Gospa od Skrpjela, jeweils mit Kirche bzw. Kloster. Die Verbindung zur Adria erfolgt an der Verige-Enge. Geologen vermuten, dass die Bucht nicht durch Eisgletscher, sondern durch Flüsse so ausgehöhlt wurde. Das muss vor sehr, sehr langer Zeit gewesen sein! Wir umfahren den westlichen und nördlichen Teil der Kotor-Bucht bis zur Stadt Kotor, in der letzten Ecke der Bucht gelegen. Die Straße führt mehr oder weniger direkt an der Bucht entlang. Wir haben traumhafte Blicke auf das Ensemble von Wasser und Bergen.

Gebadet wird überall. Das Wasser lädt auch zum Abkühlen ein, sieht sehr klar aus, allerdings gibt es auch hier keinen klassischen Strand. Es gibt fast überall kleine Betonterrassen. Aber wir können uns gut vorstellen, hier noch einmal auch ohne GeU zum Baden, Tauchen und Wandern wieder zu kommen. Es gefällt uns gut.

Arthur hatte im Lonely Planet einen Tipp für „Montenegros most atmospheric eatery“, eins der besten Restaurants des Landes entdeckt: das Konoba Catovica Mlini. Wir kommen passend mit Hunger zur Mittagszeit im Ort Morinj an. Das müssen wir Essensliebhaber mitnehmen, auch wenn wir erst am Vortag in Dubrovnik gut essen waren. Es ist auch erst das zweite Auswärtsessen, obwohl wir in der fünften Woche on Tour sind. Das Restaurant liegt wenige hundert Meter von der Bucht entfernt und war mal eine Mühle. Ein kleiner Bach läuft quer über das Gelände. Man sitzt idyllisch unter Dächern und schaut auf das Wasser mit Enten und Gänsen sowie einigen Brücken. Wir entscheiden uns für viel Fisch auf dem Teller: Fischsuppe und einen kalten Auflauf von Fisch mit Kartoffeln als Vorspeise, dann gibt es gegrillten Fisch, den wir zuvor auf einer großen Platte am Tisch aussuchen durften. Zum Abschluss gibt es noch Strudel (die Österreicher waren hier auch mal aktiv) und leckeren landestypischen Kuchen.

Gut gefüllt fahren wir weiter an der Kotor-Bucht entlang. Perast, auch ein Weltkulturerbe, lassen wir noch „rechts liegen“, die Straße führt links am Ort vorbei, dafür stoppen wir im Weltkulturerbe Kotor und machen einen kurzen Bummel durch die Altstadt mit vielen Kirchen und Palästen reicher Adelsfamilien. Alles sieht wie geleckt aus. Allerdings haben hier mal nicht die Balkan-Kriege für die Zerstörungen gesorgt (Montenegro selbst ist verschont geblieben, die Montenegriner haben sich aber an der Dubrovnik-Zerstörung beteiligt), sondern Erdbeben, das letzte im Jahr 1979. Wir nutzen den kurzen Besuch dieser kleinen Stadt, um unserer Registrierungspflicht nachzukommen. Ich hatte den Hinweis im Reiseführer gelesen und dachte eher, es ist überholt. Aber die Tourist-Information schickt uns zu einem Büro, das genau weiß, was zu tun ist. Wir zahlen für eine Woche 6,60 Euro pro Person und bekommen diverse Zettel ausgehändigt. Es wird zwar nach der Adresse unserer Unterkunft gefragt, aber der Hinweis auf noch unbekannte Campingplätze reicht aus, um den Vorgang abzuschließen.

Direkt hinter Kotor geht es in die Höhe. Unser nächstes Ziel, der Lovcen-Nationalpark mit dem Njegos-Mausoleum, liegt nur gute 6 Kilometer Luftlinie von Kotor entfernt. Auf der Straße sind es über 30 Kilometer. Diese ist ziemlich spektakulär mit zahllosen Serpentinen, fast senkrecht abfallenden Wänden und schmal. Das ist alles gut zu machen, wäre da nicht der „amateurhafte Gegenverkehr“, wie Arthur schimpft. Defensives Fahren ist hier überhaupt nicht bekannt. Erst mal voll auf uns zu steuern und dann schauen, wer wie ausweicht. Arthur hat einen anstrengenden Job, der sich zieht. Daher müssen wir auch die Besichtigung des Njegos-Mausoleums auf den nächsten Tag verschieben und fangen an, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Wir haben u.a. eine Koordinate aus der IOverlander-App. Doch der Abzweig ist ziemlich genau dort, wo die Feuerwehr steht. Weiter nordöstlich gibt es Waldbrände. Wir bleiben erst einmal in Ivanova Korita stehen und beobachten die Feuerwehr. Dabei leisten wir „internationale Hilfe“. Das Samsung-Smartphone des Feuerwehrmannes ist leer, ein Ladekabel hat er auch nicht dabei. Für uns alles kein Problem und die Berechtigung, erst mal dort stehen zu bleiben. Da wir nicht wissen, wie sich das Feuer weiterentwickelt, wollen wir so richtig nirgends rechts oder links rein. Zudem sind wir im Nationalpark und campen dort doch ungern wild. Als der Feuerwehrmann sein knapp geladenes Handy wieder einsammelt, lassen wir uns von ihm die Genehmigung geben, hier einfach an der Straße stehen bleiben zu dürfen. Er hatte sichtlich andere Probleme ….

So sind wir zunächst mit dem Beobachten der Feuerwehr gut beschäftigt, Arthur macht einige beeindruckende Fotos vom Feuer und dem Agrarflieger, der Wasser abwirft. Wir erfahren, dass es über 10 Kilometer in der Breite brennt, die Armee im Einsatz ist und die Lage wohl eher schwierig ist. Im Einsatz sind verschiedene Jahrgänge an Feuerwehrfahrzeugen: Es fängt in den 50er Jahren an, es gibt aber auch einen hoch modernen Unimog.

Auch die örtliche Bevölkerung beobachtet das Feuer und trinkt dabei Bier, was sonst auf dem Balkan. Und dann steht Muttchen auf und bringt die leere Flasche weg: ab an den Rand des Grundstücks, mit dem Arm ausholen und schon fliegt die Flasche in den Graben zum Nachbargrundstück. Müllentsorgung auf montenegrische Art und Weise. Es liegt schon sehr viel Müll überall herum, dabei ist es laut Verfassung ein „ökologisches Land“. Bei der Müllentsorgung haben sie noch viel zu tun. Später sehe ich in Zabljak eine Müllfahrzeug, „provided by European Union“.

Doch zurück zum Waldbrand: Auch nach Einbruch der Dunkelheit brennt es munter weiter. Wir vermuten, dass unsere geplante Wanderung am nächsten Tag nichts werden wird (geht genau durch das brennende Gebiet), und haben eine etwas unruhige Nacht aufgrund der vielen Feuerwehrfahrzeuge und der leicht rauchigen Luft auch im Wohnmobil. Ansonsten sind in der Tat alle mit anderen Problemen als unserem Campen am Wegesrand beschäftigt.

Am nächsten Morgen hat sich die Lage kaum verändert. Die Armee war zwar noch am Abend abgezogen worden, aber die Anzahl der Feuerwehrfahrzeuge hat zugenommen. Unsere „Inspektion“ ergibt, dass ein Stoppelfeld nur ca. 200 entfernt gebrannt hat, aber von der Feuerwehr gelöscht werden konnte, da ein Haus gefährdet war. Es brennt weiterhin an der Flanke des Lovcen, so dass unsere Wanderung in die Richtung wie schon erwartet ausfallen muss. Wir fahren zum nahen Infocenter des Nationalparks und erfahren, dass heute aufgrund der besonderen Situation kein Eintritt erhoben wird. Die Nationalpark-Mitarbeiter sind recht aufgewühlt. Auch der Kauf einer Wanderkarte ist schwierig, weil die Kasse aufgrund des abgestellten Stroms nicht funktioniert. Ich drücke der Dame kurzer Hand vier Euro in die Hand, eine Quittung brauche ich nicht.

Wir wandern nun in die andere Richtung, weg vom Feuer zu den „schönsten Aussichtspunkten des Lovcen-Gebirges“, wie es im Wanderführer heißt. Überwiegend laufen wir auf bequemen Militärstraßen, eine Hinterlassenschaft der österreichisch-ungarischen Herrschaft. Vom ersten Aussichtspunkt, Trestenicki Vrh, haben wir einen guten Überblick über das betroffene Gebiet des Waldbrandes, sehen an diversen Stellen Feuerwehrfahrzeuge und können sehen, wo das Feuer schon war. Vom zweiten Aussichtspunkt Babina Glava sehen wir die Küste und die Bucht von Kotor, vor allem die äußere Bucht. Leider ist es recht diesig, was schade für die Fotos ist, fürs Auge ist es schön. Auch hier ist es ziemlich trocken, etliche Bäume haben notreife Blätter.

Zurück von der Wanderung brennt es noch immer. Wir wollen immer noch zum Njegos-Mausoleum, doch die Straße ist gesperrt. Dort steht nun ein Mann vom Katastrophenschutz des Innenministeriums. Er berichtet Arthur, dass Montenegro inzwischen internationale Hilfe angefordert hat, was immer das bedeuten mag.

Wir bleiben daher erst einmal an der Kreuzung stehen und beobachten, wie Mitarbeiter der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes und des Nationalparks versuchen, mit der Situation umzugehen. Es sieht durchaus nach Kompetenzgerangel aus. Ein Hubschrauber macht Beobachtungsflüge, der Agrarflieger wirft weiterhin viel zu wenig Wasser ab. Es sieht aber beeindruckend aus.

Schon bald fängt es an, am Himmel dunkler zu werden. Auf der anderen Seite des Lovcen gewittert es bereits. Ob die Wolken mit Regen auch auf diese Seite kommen? Und dann kommt die „internationale Hilfe“ ziemlich schlagartig vom Himmel. Wir erleben einen viertelstündigen Wolkenbruch mit Regen und Hagel, sitzen nun wieder im Auto und können die Erleichterung bei allen Beteiligten erleben. Martinshörner erklingen, es wird geklatscht und ein Feuerwehrmann macht einen wahren Freudentanz auf der Straße mit Zeichen von Dank gen Himmel. Die Menschen haben wahnsinnig viel Glück gehabt. Das Feuer ist wohl weitgehend gelöscht. Nach vier Monaten kam gerade rechtzeitig wieder Niederschlag in der richtigen Menge von oben.

Somit ist die Straße auf den Lovcen wieder frei. Wir sind mit die ersten, die hochfahren. Es riecht kräftig nach kaltem Feuer. Die Brandherde dampfen, nur ganz vereinzelt brennen kleine Reste, die aber nun vermutlich keinen Schaden mehr anrichten können. Überall hängt Nebel, es sieht beeindruckend aus. Dazu liegt teilweise bis zu fünf Zentimeter Hagel am Straßenrand, dazu ist viel Laub von den Bäumen heruntergekommen und liegt ebenfalls auf der Straße. Oben werden diese imposanten Anblicke durch einen vollständigen Rundumblick komplementiert.

Das Mausoleum selbst ist gigantomanisch. Es beginnt mit einem 80 Meter langen Tunnel, der am Ende der Straße auf 1.578 Meter Höhe beginnt und durch einen Fels zum Gipfel führt und somit zum Mausoleum. Insgesamt sind vom Parkplatz 461 Stufen zu gehen, also aktive Erholung nach der fast fünfstündigen Wanderung. Ob hier noch einer ist und Eintritt verlangt? Ja, es ist noch einer da und kassiert 3 Euro pro Person. Hier ist alles vor allem groß und schwer. Die beiden weiblichen Gestalten im Vorhof sind über vier Meter hoch und sind aus einem 7,5 Tonnen schweren Marmorblock gehauen. Die Kapelle ist auch edel gemacht, mit roten Steinen aus der Bucht von Kotor und hellgrauen Steinen von der Insel Brac. Die Njegos-Skulptur ist aus Granit und nicht klein: 3,74 m hoch, 3,10 m lang und 1,4 m breit und 28 Tonnen schwer. Da stellt sich die Frage, wer Njegos war. Ein großer Sohn Montenegro, warum auch immer, wie kriegen es nicht so richtig raus. Er starb 1851 im Alter von nur 38 Jahren, war Bischof und Gelehrter und hatte noch zu Lebzeiten selbst über den Ort der Grabstätte entschieden: der Jezrski Vrh, wo heute das Mausoleum steht. Doch bis er dort in der heutigen Gruft seine letzte Ruhe fand, zog er mehrfach zwischen Berg und Cetinje hin und her. Seit 1974, der Einweihung des Mausoleums, liegt er dort. Aber bereits 1921 begannen die Pläne für die Errichtung eines Monuments für Njegos. Der erste Bau einer Kapelle war dem damaligen montenegrinischen Republikpräsidenten Blazo Jovanovic nicht prächtig genug. Auch die erste Ausschreibung brachte nicht genug Pracht. Es wurde wohl viel Aufwand und sehr viel Geld aufgebracht, bis man da war, wo man heute steht, auch wenn es vielfach kritisiert wurde. Wirklich nachvollziehbar ist es nicht, auch nicht warum für Njegos so viel Aufwand betrieben wurde. Aber es ist auf jeden Fall ein „must see“ für Montenegro.

Wir verlassen damit den Nationalpark und fahren Richtung Norden weiter. Die Straßen bleiben klein und eng, die Übernachtungsmöglichkeiten gering. Ab Ende stehen wir an einer großen Ausbuchtung an der kleinen Straße und haben eine ruhige Nacht. Es liegt viel Feuchtigkeit in der Luft.

Arthur hatte schon mehrfach gesagt, dass es in diesem Land mindestens alle 100 Meter eine Kurve gibt. Am nächsten Morgen wird diese Zahl noch deutlich reduziert. Alle 25 Meter geht es in die Kurve. Wir fahren wirklich über Land, Betonung auf Land, denn es gibt kaum Dörfer, auch kaum Häuser und wenn sind sie häufig verlassen. In der hiesigen Karstlandschaft gibt es kaum Flächen, die zu bewirtschaften ist. Montenegro führt folglich einen großen Teil der Lebensmittel ein. Nur rund um die Ebene von Podgorica, die Hauptstadt Montenegros, kann Landwirtschaft betrieben werden. Aber hier ist es im Gegensatz zum Nationalpark Lovcen wieder recht grün und feuchter, aber auch hier sehen wir hin und wieder Flächen, wo es Brände gab.

Als wir nördlich von Podgorica bei Danilovgrad auf die große Straße kommen, sind wir über diese überrascht. Vier Spuren, zwei je Richtung mit Mittelstreifen und Leitplanken. Wie verhält man sich auf so einer Straße? Das hatten wir zuletzt in Österreich auf der Autobahn. Aber die Freude hält kurz an, es ist nur die Ortsumgehung. Aber auch die Hauptstraße Richtung Norden ist im guten Zustand. Tut auch mal gut, so sehr wir die kleinen Straßen mögen, auf denen das Reisen doch deutlich langsamer vorwärts geht.

In Ostrog wollen wir das dortige, gleichnamige Kloster besichtigen und eigentlich nicht hochfahren, sondern hochwandern. Nur muss man, um zum Ausgangspunkt der Wanderung zu gelangen, erst weitgehend hochfahren, dann wieder herunterfahren und dann hochlaufen – in der Mittagssonne und bei weit über 30 Grad. Wir ändern den Plan ab und lassen GeU am unteren Kloster stehen. Wir besichtigen kurz das untere Kloster mit seiner sehr bunten Bemalung und beobachten eine Taufe, die vor dem Kloster stattfindet. Vier Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zu sechs bis sieben Jahren bekommen den kirchlichen Segen. Dann haben wir nur noch die 200 Höhenmeter vor uns, reicht bei der Wärme aber durchaus. Trotzdem laufen reichlich Menschen hier herum. Das Kloster ist für die russisch-orthodoxe Gemeinschaft ein wichtiges Heiligtum. Es wurde 1665 direkt in die Felsen gebaut bzw. die Felsen bekamen eine Außenmauer vorgebaut. Um rein zu kommen, müssen wir knapp eine Stunde anstehen und stehen dabei weitgehend in der Sonne. Aber es ist durchaus spannend, alles um uns herum zu beobachten (etliche campen wohl hier wie am Golden Rock in Myanmar) und zu sehen, was die gläubigen Besucher so alles küssen und kaufen. Nach der Besichtigung werfen wir noch einen Blick in die „Sauna“, einen Raum, wo die Gläubigen Kerzen anzünden, die in einem Wasserbad stehen. Die Luftfeuchtigkeit und die Wärme sind extrem. Es ist aber eine schöne Stimmung. Ziemlich erledigt von der Wärme kommen wir wieder bei GeU an, trinken reichlich kalten Tee und dann noch kaltes alkoholfreies Bier, bevor es weiter Richtung Norden ist.

Unser nächstes Ziel ist der Durmitor-Nationalpark, der 22 Bergspitzen über 2.000 Meter Höhe hat. Aufgrund dieser Höhe gibt es relativ wenig Wald, es ist überwiegend alles begrasst. Wir suchen uns zum Hochwandern den Prutas auch, der 2.392 Meter hoch ist. Es sind zwar 770 Höhenmeter pro Strecke zu bewältigen, aber es ist weitgehend eine gemütliche Wanderung, die wir schneller als im Reiseführer angegeben absolvieren: zwei Stunden rauf, zwei Stunden runter, Picknick am Gipfelkreuz mit Gipfelbuch und Gipfelstempel und Rundumblick, u.a. auf den Maglic in Bosnien-Herzegowina, wo wir vor eineinhalb Wochen waren. Der Weg ist super markiert, die Markierung ist „super frisch“, der „Maler“ kommt uns mit einem Körbchen mit zwei Pötten mit roter und weißer Farbe entgegen. Leider müssen wir etwas das Wetter im Auge behalten. Es gibt Wolken und eine Warnung, keinesfalls bei Gewitter auf dem Berg zu sein. Aber nach den Erfahrungen des Vortages sind wir über den zeitweiligen Schatten eher froh und am Ende kommt auch nichts von oben. Den Weg runter machen wir eine halbe Stunde auf getrenntem Weg. Arthur will noch einen Blick auf den See Skrcko und einen Torbogen werfen, ich nehme den Hinweg als Rückweg. Wir können uns über einige hundert Meter „unterhalten“. Die Vegetation ist auf den ersten Blick von Gras bestimmt, bei näherem Hinschauen sieht man eine Menge an Pflanzen, u.a. viele Steinbrechgewächse, wieder die blauen Disteln, die wir erstmals in Kroatien gesehen hatten, und bunte Blümchen. Beim Heruntergehen entdecken wir riesige Schwärme von schwarzen Vögeln, vermutlich Dohlen. Ob sie sich schon sammeln?

Wieder unten genießen wir einen Übernachtungsplatz (mit Kaffee trinken am Nachmittag vor dem Wohnmobil) auf dieser Tour, der in die Kategorie „traumhaft“ fällt. Pure Berglandschaft zu allen Seiten. Die Straße war für das Parken zu eng, der Parkplatz schon mit zehn Autos voll. Aber genau dort führte ein kleiner Weg auf ein „Kamp“. Und Kamp heißt für uns, man darf dort stehen und übernachten. Jedenfalls erklärt uns keiner was Gegenteiliges. Mit uns tun das ein österreichisches Paar und eine holländische Familie. Wir sind natürlich die einzigen, die zwischendrin eine Runde am Auto basteln. Wir müssen die Lampen wieder festziehen und neujustieren. Dazu mussten wir leider den Dachgepäckträger losmachen und hochheben. Arthur macht sozusagen etwas Gymnastik auf dem Dach von GeU liegend.

Allerdings wird es früh frisch, wir stehen auf 1.700 Meter Höhe. Daher nutzen wir die Kühle, um unsere Heizung zu testen. Es kommt schnell warme Luft, nur in der Nacht springt sie dann doch nicht mehr an. Wir hatten alle Fenster zugemacht, so dass die Temperatur nicht unter 21 Grad im Wohnmobil fiel. Umzingelt werden wir übrigens mehrfach am Abend und am Morgen von Schafen. Schafe gibt es hier mehr als reichlich, die abends alle reingeholt werden – vermutlich aufgrund der hier lebenden Wölfe. Wir wissen es nicht wirklich.

In Zabljak, dem Hauptort im Nationalpark Durmitor, buchen wir uns eine Rafting-Tour auf der Tara für den nächsten Tag und wollen erst um den Schwarzen See herumlaufen und an den Rand der Tara-Schlucht hochfahren. Das erste fällt aufgrund der Menschenmassen aus, die hier am Sonntag unterwegs sind. Das Hochfahren machen wir, aber für die Blicke hat es sich nicht gelohnt. Es ist einfach zu diesig und bewölkt. Trotzdem gefällt es uns kurz unterhalb des Veleki Stuoc gut. Nur können wir nicht stehen bleiben, da wir kaum noch Wasser haben. Wir pflücken noch zwei Schälchen Himbeeren (so lecker) und es geht wieder runter. Es beginnt eine etwas mühselige Suche. An der Tankstelle gab es keinen Wasserhahn, am Supermarkt wollte ich nicht fragen und einfach den Schlauch zum Füllen zu nehmen, wollten wir auch nicht. Nach etwas Kurverei durch die Gegend finden wir eine im Wanderführer aufgeführte Quelle, nur kommen wir so richtig mit GeU nicht hin bzw. fürchten, dass es am Ende unsere Pumpe nicht schafft und wir damit nur unnötigen Aufwand gehabt hätten. Wir fahren dann noch zwei Wasserquellen aus der digitalen POI-Karte für Trinkwasser an, beide sind versiegt. Wir sind leicht genervt, bis ich schließlich bei einer Firma frage, die Strommasten aufbaut. Dort ist nur das Bewachungsteam da, einer spricht ein bisschen Englisch und schon sind die Tanks gefüllt. Während das Wasser läuft, können wir noch mit einem Hundebaby spielen. Hier in der Nähe übernachten wir dann auch, in den Wolken stehend und erwachen bei leichtem Regen.

Am nächsten Tag läuft nichts wie geplant. An sich war die Raftingtour angesagt. Wir starten sehr frühzeitig Richtung Zabljak, auch aufgrund von Problemen mit zwei Reifen. Schon zwei Tage zuvor mussten wir hinten links aufpumpen, auf der Straße. Da der Kompressor seit Slowenien kaputt ist, machen wir das nun mit einer Fahrradpumpe. Das geht, ist aber anstrengend. Jeder muss 30 Züge machen, dann wird gewechselt. Am Vortag hatten wir daher einen „Vulkaniser“ gesucht, doch die Werkstatt zeigte wenig Interesse am Job. So hatten wir selbst den Ersatzreifen einmal demontiert und wieder zusammengebaut, allerdings hielt er immer noch nicht dauerhaft den Druck. Aber da hinten links nun unerwartet den Druck wieder hielt, hatten wir nichts mit dem Reifen gemacht. Doch die Ruhe hielt nicht ewig. Am Abend beim Parken für die Nacht hörte ich es dann hinten links zischen. Daher stehen wir die zweite Nacht vorsorglich auf dem Wagenheber. Wir kommen aber mit ein bisschen Aufpumpen rollend wieder weg. Der Ersatzreifen hätte uns vermutlich auch nicht geholfen!

Am nächsten Morgen fahren wir zu einem anderen Vulkanizer, der einen deutlich besseren Eindruck macht. Aber wir wollen ihm nicht einfach unsere Reifen da lassen. Also bleibt Arthur mit GeU dort, ich laufe 20 Minuten zum Tourbüro der Rafter, um diese zunächst auf den nächsten Tag zu verschieben. Später sagen wir sie ganz ab, da Arthur am nächsten Morgen eine Telefonkonferenz hat. Wir hatten zunächst aufgrund des Regens und der Kälte gehofft, dass die Tour abgesagt wird. „Es wird immer gefahren, alles kein Problem, wir haben eine professionelle Ausrüstung!“, so die Antwort. Ich fand es aber zum Raften zu kalt, keine 15 Grad, bedeckter Himmel. Wir haben mal wieder lange Klamotten an und auch den dicken Fleece herausgeholt. Als ich wieder bei GeU in der Werkstatt auftauche, hat Arthur mit professioneller Hilfe zwei Reifen geflickt. Sie fanden auch Löcher, auch ein kaputter Schlauch wurde noch schnell geflickt. Ob wir damit nun für diese Tour mit dem Reifen-Drama durch sind?

Wir verlassen Zabljak. Zabljak ist schon recht touristisch und hat ohne Ende Unterkünfte jeglicher Art, Hotels mehr in der Stadt, aber auch viele nette kleine Ferienhäuser eher am Stadtrand und in den umliegenden Dörfern. Es ist ein Paradies für Outdoor-Liebhaber und wohl weitgehend ganzjährig, im Winter mit Schnee.

Über eine eher kleinere Straße fahren wir wieder Richtung Süden. Es ist hügelig, es gibt durchaus Landwirtschaft und relativ viel Obstanbau und Wein. Unser Ziel ist Medurijecje, Ausgangspunkt der Wandertour 23. Sie führt in die aufregendste Schlucht Montenegros, zu beiden Seiten ragen mehrere hundert Meter hohe Felsen und am Ende gibt es einen Pfad, der direkt aus dem Felsen gesprengt worden ist, noch von Titos Armee in den 70er Jahren. Warum auch immer, also Beschäftigungsmaßnahme fürs Militär. Die Tour ist von der Schwierigkeit als schwarz gekennzeichnet, was uns leicht verunsichert. Absolute Trittsicherheit ist erforderlich und teilweise gibt es ausgesetzte Wege. Ob wir das schaffen? Am Ende ist es überhaupt kein Problem, es geht moderat aufwärts und der gesamte Weg ist einfach zu gehen und einfach super schön mit den Blicken auf Felsen pur. Die Sonne kommt an einigen Stellen gar nicht hin, entsprechend mit Moos behangen ist die Vegetation hier. Am „Tor der Wünsche“, ein Blick durch zwei Felsen auf ein aufgestautes Becken der sehr klaren und vermutlich kalten Mrtvica, wünschen wir uns keine weiteren Reifenprobleme mehr und dazu noch mehr Gelassenheit für das allgemeine Leben, auch auf der Tour!

GeU hatten wir am Ausgangspunkt genau dort abgestellt, wo man ihn laut Wanderführer nicht abstellen soll: auf der Wiese. Der Besitzer soll Wegelagermethoden anwenden, um Parkgebühren zu ergattern. Wir sind gespannt. Es kommt ein netter älterer, Deutsch sprechender Mann auf uns zu. Er bekommt fünf Euro für diesen schönen Platz und fragt ein wenig nach dem woher und wohin. Es gibt noch drei weitere Camper, zwei im Zelt, ein weiterer Wagen. Am nächsten Morgen nutze ich noch das frische Wasser aus der Schlucht zum Wäschewaschen, während Arthur kommerziell arbeitet und sich in seine Telefonkonferenz einwählt.

Von diesem Wanderplatz geht es direkt zum nächsten Wanderplatz, dazwischen liegen nur 40 Kilometer. Wir wollen noch einen Eindruck von der Bjelasica bekommen. Bis in den Nationalpark Biogradska Gera mit dem letzten Urwald Europas wollen wir nicht fahren, sondern suchen uns eine Tour aus, die vom Skigebiet in Jezerine aus startet. Wir wandern erst durch den Wald, dann über Wiesen und stopfen die ganze Zeit „super Food“ ohne Ende in uns, also Himbeeren, Brombeeren und Blaubeeren. Blaubeeren werden auch professionell gepflückt, wir sehen mehrfach Menschen mit großen Schüsseln und „Kämmen“ zum Abfegen der Blaubeerbüsche. Außerdem gibt es Walholderbeeren. Vom 1.973 m hohen Kljuc haben wir einen Rundumpanoramablick auf die bergige Landschaft und laufen auf der Skipiste wieder zum Parkplatz zurück. Von oben hatten wir schon überlegt, wo wir die Nacht verbringen wollen. Noch ein Stück die Straße hoch, etwas höher als wo die Straßenbauarbeiten laufen.

Doch nach gut vier Kilometern ist die Tour abrupt zu Ende. Als Arthur lenkt, knackt und kracht es plötzlich gewaltig in der Lenkung, das Lenkrad ist zwei Zentimeter höher und wackelt vor sich hin. Wir retten uns gerade noch an den Straßenrand. Die ersten Blicke an die Lenkung verheißen nichts Gutes. Arthur befürchtet, dass die Lenkung hin ist und die Tour an Ort und Stelle zu Ende ist. Doch so schnell geben wir bekanntlich nicht auf. Und den ADAC rufen wir auch nicht an, hätte vermutlich mangels Funkverbindung von dieser Stelle aus nicht geklappt. Es folgen zweieinhalb Stunden harte Arbeit mit viel Flucherei. Arthur ist fassungslos, warum sich die beiden Schrauben der Lenkung lösen konnten und ärgert sich, dass er die ersten Anzeichen, die es seit zwei Tagen gab, nicht beachtet hat. Warum am Ende die Lenkstange wieder an Ort und Stelle rutscht, bleibt uns ein Rätsel. Wir nehmen diese gute Tatsache hin. Es ist bereits dunkel, als wir alles wieder fest und verstaut haben. Wir hatten zwischendrin beide Vorderräder auf Wagenhebern stehen, hatten die hinteren mit den Klötzen gesichert und hatten zwei Gurte und die Brechstange im Einsatz. Arthur ist staubig ohne Ende vom Liegen auf der Straße, aber wir fahren wieder und sind recht zuversichtlich, dass die Tour weitergehen kann. Wir suchen uns einen Übernachtungsplatz und es gibt zur allgemeinen Nervenberuhigung Rotwein und Pasta, für Arthur mit einer Spezial-Apfel-Butter-Honig-Sahne-Sauce made bei GeUs-Vorräten, für mich mit Pesto aus dem Glas. Das selbstgemachte Apfelmuss mit brandenburgischen Äpfeln von Zuhause hatte es leider hinter sich, aber der Chefingenieur brauchte ein „echtes Glücklich-Mach-Essen“. Auch am nächsten Morgen sieht es nicht nach weiteren Schäden aus. Wir können die Tour fortsetzen. Es ist halt wirklich eine GeU II-Iveco Daily-Kennenlerntour auf dem Balkan.

Die Nacht war übrigens richtig kalt. Wir standen auf ca. 1.350 Meter Höhe. Schon beim Basteln an GeU war es ziemlich kalt. In der Nacht sind es, als Arthur die Heizung anmacht, fünf Grad. Momentan ist nichts mehr mit Durchglühen!

Richtung Berane gibt es zwei Straßen, eine mit einem großen Umweg und in gelber Farbe, eine direkt und auf der Landkarte weiß gekennzeichnet. Auch maps.me schlägt uns die letztere vor, gibt aber etwas falsche Zeitangabe zur Zielerreichung vor. Angeblich eine Stunde Fahrzeit. Für die ersten zehn der 33 Kilometer bis Berane brauchen wir eine Stunde. Jetzt wo alle Reifen gerade heile sind und die Lenkung wieder fest ist, können wir GeU etwas auf diesem engen Fahrweg quälen. Er macht es brav mit. Es ist aber nur der mittlere Bereich zwischen Berane und Kolasin extrem eng und schlecht. Auf beiden Seiten laufen große Straßenbauarbeiten und moderne Maschinen, Bagger und Laster sind im Einsatz, um größere Erdmassen zu bewegen. 40er-Tonner mit Holz kommen uns zum Glück nicht entgegen, aber kleinere Fahrzeuge, deren Besatzungen Holz sammeln. Der Winter naht. Überall im Land sieht man Holzlieferungen vor den Türen liegen bzw. Menschen Holz hacken.

Damit sind wir auf der Zielgeraden zum Grenzübergang zum Kosova, natürlich auf einer wie immer in diesem hügeligen Montenegro kurvigen Straße. Auf 1.600 Meter Höhe ist die montenegrische Grenzstation. Die Ausreise ist schnell erledigt. Nach der Meldebestätigung fragt uns keiner, wir zeigen sie auch nicht, auch wenn wir fristgerecht gemäß der Zahlung für eine Woche ausreisen.

Auf dieser Tour kommen wir nicht wieder nach Montenegro, aber bestimmt noch mal – mit oder ohne GeU. Das Land, das nur aus Hügeln und Bergen besteht, hat viel Charme und es gibt noch viel zu wandern in traumhafter Landschaft.