16.08.2017, Kroatien IV

13.08.2017 bis 16.08.2017, Kroatien IV, Grenze ohne Namen (hinter Neum) bis Gruda

Im Mittelpunkt des vierten und vermutlich letzten Aufenthalts in Kroatien auf dieser Tour steht Dubrovnik, ein Highlight in unseren beiden Reiseführern. Doch bevor wir uns dieser wirklich schönen Stadt widmen, steht ein Orga-Tag an. Den wollten wir „im Nichts“ mit Blick auf die Küste verbringen, doch am Ende landen wir doch auf einem riesigen Campingplatz in Dubrovnik.

Zunächst erfreuen wir uns direkt nach der Einreise am späten Nachmittag an der tollen kroatischen Adriaküste im Abendlicht. Aber uns wird auch schnell klar, dass es einen Platz direkt an der Küste fürs wilde Campen kaum geben wird. Entweder ist die Küste nicht zugängig oder bebaut. Daher biegen wir auf die höher liegende Straße ab und verirren uns in einem kleinen Dorf. Hier geht plötzlich wegen einem geparkten Auto gar nichts mehr vorwärts. Arthur muss einige hundert Meter zurücksetzen. Fündig werden wir schließlich auf einer Schutthalde eines Steinbruchs. Das hört sich schlechter an als es ist. Wir haben Blick über die Küste und jede Menge Wind. GeU schaukelt leicht bei den Böen. Am Abend und zunächst auch am Morgen stört sich keiner an uns. Daher wollen wir eigentlich hier unseren Orga-Tag für die Internetseite verbringen, haben dank der UMTS-Karten eine Onlineverbindung. Doch wir sind noch beim Spülen, als irgendwer mit der Polizei droht. Wir geben uns direkt geschlagen und fahren ab.

Schon bald erreichen wir über die weiterhin tolle Küstenstraße Dubrovnik. Der Reiseführer schreibt, dass man immer, ob beim ersten Mal oder als Wiederholungstäter, begeistert ist, wenn Dubrovnik hinter einer Kurve auftaucht, die sogenannte „Perle der Adria“. Ja, das stimmt. Von einem Aussichtspunkt sehen wir die 2001 erbaute Franjo-Tudman-Brücke, über die die Küstenstraße weiter gen Süden verläuft und die über nördliche Bucht von Dubrovnik verläuft. Richtung Westen sehen wir bereits die Halbinsel Babin Kuk und können auch den Campingplatz sehen: man sieht die vielen weißen Wohnmobile. Das ist dann auch unser Ziel, wissend, dass es nicht unsere Welt sein wird. Camping Solitudo ist wirklich riesig, geschätzte 500 Stellplätze stehen bereit. An der Rezeption geht alles so professionell wie in einem großen Hotel zu. Arthur sieht sofort die SGS-Zertifizierungsurkunde nach der ISO 14001. Billig ist der Spaß nicht. 55 Euro abzüglich ADAC-Rabatt zuzüglich Steuer müssen wir zahlen – für eine Nacht, allerdings haben wir einen Deluxe-Platz, mit Strom (den wir nicht brauchen).

Zum Glück ist der Platz morgens gegen 11 Uhr recht leer. Wir finden noch einen Platz sozusagen in der ersten Reihe und können, wenn wir stehen, über den Zaun auf die Franjo-Tudman-Brücke und die Bucht von Dubrovnik schauen. Aber dafür sind wir nicht hier. Es ist Orga-Tag mit Waschen und der Pflege der Internetseite angesagt. Ich entschwinde direkt mit der Bettwäsche und anderen dreckigen Klamotten zur Waschmaschine, die auch noch stolze acht Euro kostet. Das Waschpulver muss man selbst dabei haben! Aber den Trockner kann man sich hier sparen. Wir hängen alles an unserer mitgeführten Wäscheleine auf und selbst das Bettlaken ist nach gut einer Stunde trocken. Das ist effektiv. Nur in Khartoum ging es auf der Afrikatour noch schneller mit dem Trocknen.

Sonst schreiben wir Texte (ich) und lesen sie gegen (Arthur), entladen die Kameras, benennen die Fotos um in eine einheitliche Beschriftung (durchgängig nach Erstellungsdatum) und sortieren „Schrott raus“ (Arthur) und sichten dann gemeinsam und wählen die Best-Of-Auswahl aus. Arthur beschriftet dann noch die Best-Of-Fotos. Das würden wir so oder so tun. Schließlich wollen wir eine Erinnerung an die Reise haben. Dann folgt noch das Einstellen auf der Internetseite, was angesichts des wirklich schnellen WLANs auf dem Campingplatz schnell geht. Der Tag ist aber doch um. Es gab nur eine kurze Badepause an einem Strand, der unserer Meinung nach diese Bezeichnung nicht verdient hat. Auch hier gibt es nur Betonplatten und groben Kies, was wir allerdings wussten. Wir geben ja zu, wir sind etwas arg verwöhnt, was Strände betrifft!!! Am Abend genießen wir kalten kroatischen Weißwein (den bei Kroatien II gekauften Skrlet) sitzend vor dem Wohnmobil.

Natürlich gibt es Nachbarn auf dem Campingplatz. Am Nachmittag kommen drei italienische Wohnmobile (die Italiener reisen immer mit mehreren Mobilen) und haben jede Menge Kinder und Hunde an Bord. Als alle baden sind, bellt und piepst ein Hund vor sich hin und entkommt nur knapp dem Halsumdrehen durch Arthur. Die Kinder drehen gegen 21.30 Uhr noch mal kräftig auf … Sonst ist die Nacht aber ruhig.

Auch der nächste Morgen ist mit Orga-Dingen belegt. Wir sind damit beschäftigt, eine Fähre von Griechenland nach Norditalien zu buchen. Mit sämtlichen Fährportalen kommen wir nicht weiter, weil die Schiffe weitgehend ausgebucht sind. Das erfahren wir am Ende von der netten Frau im ADAC-Reisebüro, die noch einen Platz zwar etwas später als gewünscht für uns buchen kann. Aber so können wir die restliche Zeit in den noch ausstehenden Ländern Montenegro, Kosovo, Mazedonien und Albanien verbringen und werden dann in 25 Stunden von Nordgriechenland nach Venedig gebracht.

Und dann steht endlich der Bummel durch Dubrovnik an. GeU lassen wir nach dem Auschecken am Campingplatz stehen und fahren mit dem Bus in die Altstadt direkt zum Pile-Tor. Alles andere hätte aufgrund der Parkplatznot in Dubrovnik nur Stress bedeutet …

Eins der Highlights in Dubrovnik ist das Sparzierengehen auf der Stadtmauer, die laut Lonely Planet „the finest in the world“ ist. Sie führt wirklich komplett um die Altstadt. Das müssen wir machen – für 20 Euro Eintritt pro Person. Kreditkarten werden genommen. Aber es lohnt sich wirklich. Wir bekommen einen guten Eindruck und Überblick über die Altstadt, die trotz der Zerstörungen aus den Jahren 1991 und 1992 wie geleckt aussieht. Es gibt kaum eine andere Altstadt, die einen so geschlossenen und architektonisch schönen Eindruck macht. Auch hier beschäftigen wir uns kurz mit dem Krieg und den Zerstörungen von vor 25 Jahren und sind dann vom Treppauf- und Treppablaufen auf der Mauer in der Mittagshitze „reif für das Mittagessen“. Restaurants gibt es genügend, wir sitzen am Ende am kleinen Hafen und genießen u.a. Thunfisch-Gazpacco und leckere Pasta-Gerichte. Es ist eine sehr klassische mediterrane Küche, leider aufgrund der Mittagszeit ohne Wein, dafür mit alkoholfreiem Bier. Das ist auch ok.

Anschließend bummeln wir noch ein wenig durch die Altstadt und besuchen noch das Franziskaner-Kloster, da wir den hübschen Kreuzgang von der Stadtmauer gesehen hatten. Überall wimmelt es nur so von Touristen-Apartments; nur wenige Wohnungen scheinen noch „normal“ bewohnt zu sein. Ich schaue später beim Buchungsportal Agoda. Die Altstadt ist teuer pro Nacht, ab 200 Euro aufwärts und aufwärts heißt einmal bis zu 4.000 Euro. Man fragt sich, ob die wirklich bezahlt werden. Es gibt wie geschrieben viele Restaurants, Souvenir- und sonstige Shops ohne Ende, aber es wirkt dezenter als in Mostar oder Sarajewo. Es laufen aber insgesamt deutlich mehr Menschen herum. Auch wieder viele Asiaten.

Wir holen GeU ab und suchen dann unseren Übernachtungsplatz, empfohlen in der IOverlander-App. Wir haben eine Koordinate, die Maps.Me-App führt uns hin. Ein kostenloser Platz kurz hinter Dubrovnik? In Kupari stehen drei verlassene, zum Teil im Krieg zerstörte Hotelbauten. Der Strand ist zunächst noch belebt, aber so langsam gehen die Menschen nach Hause, die Autos werden weniger. Der erste Standplatz ist noch suboptimal, hat keinen Blick auf das Wasser, riecht leicht muffig und irgendwo röhrt regelmäßig eine Pumpe. Ich mache mich auf Erkundungstour, einmal ums nächste verlassene Haus. Dort finden wir den perfekten Platz, stehen direkt am Meer auf der obersten Betonplatte. Später tauchen zwei weitere Wildcamper auf, u.a. ein deutsch-italienisches Paar, die hier schon mehrere Nächte unter dem zeitweiligen Schutz der Polizei verbracht hat. Wir haben eine ruhige Nacht mit lauem Wind quer durch das Wohnmobil. So lässt es sich stehen und am nächsten Morgen auch gut joggen, Die nächste Bucht ist belegt mit kleinen Hotels und Stränden mit Pinienbewuchs. Beim Joggen beobachten wir beide, wie das Leben hier so langsam erwacht. Abkühlung nach dem Joggen gibt es in der Adria, die hier doch recht frisch ist. Angenehm frisch.

Und dann geht der vierte Kroatien-Aufenthalt dem Ende zu. Wir müssen noch das Bargeld, die Kunas, loswerden. Wir hatten am Vortag zu viel Geld geholt oder am Ende zu viel mit der Kreditkarte gezahlt. Daher gab es bereits am Vortag einen ausgiebigen Lidl-Einkauf. Hier gab es übrigens eine reiche Auswahl an Salaten, die wir sonst nicht finden. Salat wird hier nicht gegessen und wenn nur als Deko auf den Fleischplatten – so steht es in den Reiseführern! Das restliche Geld wird in Diesel investiert. GeUs Tanks sind immer eine Möglichkeit zum Geldausgeben. Und weil die Frau von der Tankstelle noch mit einem 10-Kuno-Schein zum Auto kommt, gibt es morgens um 10 Uhr ein Eis.

Mit etwas Anstehen an der Grenzstation verlassen wir Kroatien Richtung Montenegro.