13.08.2017, Bosnien und Herzegowina II

05.08.2017 bis 13.08.2017, Bosnien und Herzegowina, Koz. Dubiza bis Visici

Mit dem zweiten Grenzübertritt nach Bosnien und Herzegowina steht nun dieses uns komplett unbekannte Land im Mittelpunkt. Viel wissen wir nicht über Land und Leute, wollen auf jeden Fall in die Städte Sarajewo und Mostar und lassen uns dann wie immer kurzfristig vom Reiseführer leiten, der uns aber zu sehr auf Kirchen und Moscheen konzentriert ist. Wir sind insgesamt von der Natur mit den vielen tiefen Tälern begeistert und haben am Ende großartige Tage im Nationalpark Sutjeska im Süden des Landes. Die Städte Sarajewo und Mostar sind eine Reise wert, auch wenn sie extrem überfüllt sind – mit Menschen und Souvenirshops. Dortige Ausstellungen geben uns Einblicke in die kürzliche Kriegsgeschichte der Länder des Balkans.

Direkt hinter der Grenze liegt der Nationalpark Kozara. Die Beschreibung im Reiseführer führt von Prijedor bzw. Banja Luka aus in den Park. Aber es gibt vom Norden aus einen „Hintereingang“ – für Allradfahrzeuge. Wir schaukeln uns auf gute 800 Meter hoch. Zwischendrin gibt es die ersten matschigen Wege. Anschließend sieht GeU II wie ein echter Offroader aus. Und Arthur ist zufrieden mit dem neuen Vehikel. Der Weg führt uns durch dichten Wald entlang von kleinen Bächen. Ein Reh bekommen wir kurz zu sehen. Oben auf der Hochebene gibt es diverse Hotels und Buden sowie ein Denkmal für eine Schlacht von Partisanen im Zweiten Weltkrieg. In das Denkmal hinein kommen nur Kinder und dünne Menschen – wie mein Mann einer ist. Er kommt auch wieder raus …

Da wir schon wieder Mittagszeit haben, lassen wir das mit dem Wandern, zumal wir die Schilder nicht finden, und machen nur Picknick unter Bäumen. Als wir auf der asphaltierten Straße wieder aus dem Nationalpark herausfahren, schaut der dort stehende Mann uns etwas fragend an („So etwas Gelbes kann man doch nicht so schnell vergessen?“), lässt uns aber passieren. Hätten wir Eintritt zahlen müssen?

Die Hauptstraße nach Banja Luka ist uns zu hektisch und hat zu viele Spurrillen, die GeU aufschaukeln. Wir nehmen kleinere Nebenstraßen. In einem Dorf findet eine große Hochzeit statt. Auch zahlreiche deutsche Autos stehen herum! Ist die Verwandtschaft aus ganz Europa eingeladen worden? Auf jeden Fall trinken sie alle rund um die Kirche Bier. Etwas weiter weg sehen wir das große geschmückte Zelt für die große Feier.

In Banja Luka finden wir durch Zufall die große Markthalle, allerdings wird hier gerade abgebaut. Wir können trotzdem noch sehr günstig Obst und Gemüse kaufen. Bier, Käse, Milch und Yoghurt gibt es im Supermarkt, der auch in der Markthalle zu finden ist. Dann geht es weiter südlich, letztlich Richtung Sarajevo. Die Straße ist in der Karte als landschaftlich schön gekennzeichnet. Das ist sie. Die Straße führt durch das sehr enge Tal der Vrbas, die hin und wieder aufgestaut ist. Es geht steil nach oben und steil nach unten. An manchen Stellen ist es gut, dass uns gerade kein 40er-Tonner entgegen kommt. Sonst könnte es unangenehme „Kratzspuren“ an der rechten Autoseite geben, da es diverse Überhänge gibt.

Hier einen Übernachtungsplatz zu finden, wo es kaum Straßen nach links oder rechts hinein geht, könnte eine Herausforderung sein. Aber wir haben Glück. Wir finden auf Anhieb eine waagerechte, frisch gemähte Wiese, die so gut wie nicht einsehbar von der kleinen Nebenstraße ist. Von hier haben wir Blick auf die hohen Berge. Wie genießen das Sitzen und Essen neben dem Wohnmobil. Wir sind mit dem Duschen unter der Außendusche beschäftigt, als wir gegen 21.30 Uhr in unserer Ruhe „gestört“ werden. Eine freundliche Frauenstimme weist uns auf Englisch auf die Bären hin, die hier auf dieser Wiese in letzter Zeit mehrfach gesehen worden sind. Gut, wir haben einen großen Truck. Das beruhigt die Frau, aber nicht unbedingt uns. Auch wenn wir über 30 Grad im Wohnmobil haben, riegeln wir alle Fenster in der Zwangslüftungsposition zu, auch die Dachluke bleibt geschlossen – bis ich um 1 Uhr in der Nacht schweißgebadet die Fenster wieder öffne. Der Bär wird sicher nicht mit einem Satz ins Wohnmobil springen, sondern uns hoffentlich mit etwas Lärm, Rascheln, Schnüffeln usw. wecken. Wir haben eine ruhige Nacht!

Am nächsten Morgen sind es nur wenige Kilometer bis Jajce. Hier lebten bis Ende des 15. Jahrhunderts die bosnischen Könige. Am Zusammenfluss von Vrbas und Pliva gibt es einen 28 Meter hohen Wasserfall, heute das Wahrzeichen der Stadt, deren Altstadt auf der Liste für das Weltkulturerbe steht. Allerdings musste die Stadt bis 2007 wieder aufgebaut werden, die vielen kriegsbedingten Schäden wurden sehr gut beseitigt. Wir bummeln durch die Stadt, sehen mehrere Stadttore, die Festung, die unterirdische Gruftkirche und natürlich diverse Moscheen. Und dann folgt das „notwendige Kaffeetrinken“, um eine WLAN-Verbindung zu bekommen.

Bosnien und Herzegowina bleiben hügelig, es geht rauf und runter. Die Landschaft, meist mit engen Tälern und hin wieder weiter Ausblicken, gefällt uns. Gefallen tut uns auch der Jablanicko See, ebenfalls aufgestaut, der sich über bald 25 Kilometer von Ravnica bis Konjic zieht. Wir nehmen mal wieder eine kleine Nebenstraße, ums an Ufer zu kommen. Ja, der Weg ist sehr eng, führt aber zu unserem Ziel. Dort: parken, rein ins Badezeug und abkühlen im klaren, nicht zu warmen Wasser. Dann überlegt sich Arthur, wie er wieder weg kommt. Es ist weiterhin gut warm, aber recht schwül. Die ersten Regentropfen hatten wir bereits an diesem Tag. Wir hoffen noch auf ein Gewitter mit etwas Abkühlung, auch um die inzwischen nachgebesserte Wasserdichtigkeit unserer Dachluke zu testen. Vergeblich!

Das eine oder andere Lebensmittel kann man hier direkt an einem der vielen Straßenstände erwerben. Wir sehen viele Himbeer-Sträucher, die große Himbeeren-Schale ist daher mit 3 Mark (also 1,50 Euro) sehr günstig. Beim Honig, riesige Gläser und in verschiedenen Farben erhältlich, müssen wir erst ein Preisgefühl entwickeln. Zuerst werden uns 10 Euro angeboten, später bekommen wir das Glas für 5 Euro – ohne Verhandlung.

Auch an diesem Abend haben wir wieder viel Glück bei der Suche nach dem Übernachtungsplatz. Wir stehen an einem verlassenen, aber weiterhin ummähten (daher kann es hier keine Minen geben!) Container der UN-Mission IFOR samt Klohaus und haben einen super Blick auf das Tal, die Straße und die gegenüberliegende Seite. Es sieht uns wieder kein Mensch und vermutlich auch kein Bär. Allerdings bezeichnen wir unsere Bio-Abfälle inzwischen als Bären-Abendessen bzw. –Frühstück, wenn wir sie in die Büsche werfen. Arthur ist am Abend „schwer beschäftigt“, macht erst um die 500 Fotos von den um die Blumen herumfliegenden Nachtfaltern und ist dann damit beschäftigt, die 480 Schrottfotos davon zu löschen. Es hat sich aber gelohnt. Es gibt einige tolle Fotos dieser Insekten.

Auch an diesem Tag gibt es eine Runde Basteln an GeU II. Als wir an einem Schrottplatz vorbeikommen, sucht Arthur dort erfolgreich nach einer Scheibenspritzdüse. Wir können sie käuflich erwerben – für einen für den Schrottplatzbesitzer guten Preis. Egal! Das war notwendig geworden, da Tage zuvor die Düse beim Reinigen ins Gras gefallen war und nicht mehr auffindbar war.

Bis Sarajevo sind es nun nur noch 40 Kilometer. Die Stadt ist erstaunlich großstädtisch (hat heute nach dem Krieg nur noch 300.000 statt 500.000 Einwohner) und nach der Belagerung 1992-1996 weitestgehend wieder neu aufgebaut. Als wir einen OBI-Baumarkt entdecken, gehen wir shoppen, damit Arthur keine Entzugserscheinungen bekommt und dann in Berlin gnadenlos zuschlägt. Wir brauchen Kabelbinder und Klemmen für die mittlerweile erstandene Fahrradluftpumpe, die aufs nächstes den kaputten Kompressor ersetzen wird. Der Laden ist ähnlich gut sortiert wie in Deutschland, es laufen nur deutlich mehr Mitarbeiter herum.

Im Vorort Ilidza direkt am Flughafen ist das Tunnel-Museum. Mit einem 740 langen Tunnel (1 Meter breit, 1,5 Meter hoch) unter der Landesbahn hinweg wurde von 1992 bis 1995 während der Belagerung von Sarajevo durch die jugoslawische Armee die Stadt versorgt. Bis zu 4000 Menschen nutzen während der Belagerung täglich diesen Tunnel. Nach dem Kriegsende verfiel der Tunnel, bis Familie Kolar, die selbst am Bau des Tunnels mitwirkte und hier ihr Haus hat, das heutige Museum gründete. Heute gibt es Filme zu sehen und ein 25 Meter langes Tunnelstück zum Durchgehen. Sehr eindrucksvoll. Ebenfalls gibt es eine „Ausstellung“ von Landminen: klein und groß, rund, eckig und sehr häufig so unscheinbar wie Plastikmüll in der Landschaft. Leider sind Bosnien und Herzegowina noch lange nicht minenfrei. Wir hatten selbst schon Warnhinweise gesehen. 2019 ist das neue Ziel, um alle Minen entschärft zu haben.

In die Altstadt von Sarajewo mit einem nicht ganz kleinen Wohnmobil zu fahren, ist nur was für geübte Fahrer. GeU hat so einen. Die Beifahrerin muss noch an einer ruhigeren Atmung arbeiten! Die Parkplätze sind klein und eng und meistens voll. An einem Busparkplatz schreckt uns der Preis von 10 Euro ab. Aus der iOverlander-App haben wir einen Hinweis zum Parken entnommen, finden den Punkt aber nicht. Dafür finden wir den empfohlenen, kostenfreien Übernachtungsplatz am Weißen Kastell oberhalb der Stadt. Der Ausblick ist lohnenswert. Sarajewo ist wirklich schön inmitten der Berge gelegen. Da wir kurz vor dem Verhungern sind, gibt es nun doch keine Cevapcici in der Altstadt, sondern wir essen Brot – mitten im Weißen Kastell stehend. Aber als Parkplatz für die Stadtbesichtigung ist dieser Platz aufgrund seiner Entfernung und der verlassenen Gegend nichts. Aber als wir „heile“ wieder unten ankommen, auch wenn uns manch forscher PKW-Fahrer entgegen kommt, entdecken wir einen preiswerteren Bus-Parkplatz. Alles gut.

Die Besichtigung der Altstadt kann beginnen. Das Rathaus war ebenfalls zerstört und ist wieder schön restauriert worden. Hier beginnt die Bascarsija, das älteste Viertel der Stadt. Es hatte seine Blütezeit im 16. Jahrhundert. Damals waren hier über 80 Handwerke angesiedelt. Jedes Handwerk hatte seine Gasse und seine Zunft. Übrig geblieben sind nur die Goldschmieden und die auch eher nur pro forma. Es gibt unzählige Souvenirshops, die überwiegend die kleinen Metallkännchen für den türkischen Kaffee verkaufen. Und manch Verkäufer dengelt ein wenig vor sich hin. Eher aus Langeweile!? Dazu gibt es Fressläden ohne Ende, halt das, was die wirklich vielen Touris aus aller Herren Ländern so brauchen!?!? Angenehm ist, dass die Menschen vielfältig herum laufen. Es gibt verhüllte Frauen, aber auch kurze Hosen und Tops. Wir sind aufgrund des morgendlichen grauen Himmels mit leichtem Regen mit langen Hosen und festen Schuhen unterwegs.

Im Stadtbild von Sarajewo gibt es Moscheen, christliche Kirchen, Uhrtürme und viele Gebäude, die aus der osmanischen Zeit stammen. Viele Gebäude erinnern aber auch an Gebäude wie sie beispielsweise typisch für Budapest sind, herrschaftlich und mit viel Stuck.

Eher durch Zufall stoßen wir auf eine Ausstellung über das Massaker von Srebenica und die Belagerung von Sarajevo. Es gibt mehrere sehr gut gemachte Filme und Fotos sowie Plakate. Die Plakate nehmen bekannte Filmwerbungen, Logos von bekannten Marken wie Coca-Cola und dem „Absolut Vodka“ sowie das Logo der Olympischen Spiele auf, die 1984 nur acht Jahre vor dem Krieg in Sarajewo stattgefunden hatten. Sehr berührend und einmal mehr erschreckend, was Menschen Menschen antun und das gerade mal vor 20 Jahren. Ziemlich geschafft finden wir die vielen Shops noch inhaltsleerer, genießen aber dennoch einen bosanska kava (ähnlich dem türkischen Kaffee) und Baklava (Gebäck mit vielen Nüssen und Honig) in einem Cafe am Markt.

Herausfahren aus dem Gewühle der Innenstadt, dazu tanken von Wasser und Sprit sowie ein kleiner Lebensmitteleinkauf – am Ende ist es weitgehend dunkel, als wir einen Übernachtungsplatz suchen. Wir bleiben direkt an der Straße stehen, es stört keinen, ist auch irgendwann ziemlich ruhig. Auch rund um Sarajewo gibt es noch Minen, wir sehen mehrfach Schilder, die vor ihnen warnen.

Relativ schnell sind wir am nächsten Tag in Tjentiste, ein kleines Dorf mitten im Sutjeska-Nationalpark. In Infocenter erkundigen wir uns nach Wandermöglichkeiten und sind angenehm überrascht, dass man in den Park hochfahren kann und dort einfach stehen kann. Das hört sich gut an. Wir versorgen uns im kleinen Krämerladen und wollen mal eben für die Mittagspause zum Donje-See hochfahren. Das kostet umgerechnet 7,50 Euro Eintritt. Das mit dem Campen wird bestätigt. Eigentlich wollen wir später noch auf die andere Seite hochfahren, um am Tag drauf auf den 2386 hohen Maglic bzw. zum Trnovacko-See auf 1.700 Meter zu wandern. Wir ändern unsere Pläne spontan ab. Denn zum einen brauchen wir für die 18 Kilometer bis zum See gute 1,5 Stunden. Die Piste ist eng, hat das eine oder andere Schlagloch. Wenn hier nur kein Holzlaster um die Ecke kommt – es kommen uns zwei entgegen! Es hat aber immer gerade so gepasst!

Zum anderen ist es hier traumhaft schön. Im Wendehammer können wir campen. Es bleibt für uns ein wildes Campen, denn bis auf ein simples Klohäuschen gibt es nichts. Am nahen See ist eine Wanderhütte, wo einige Wanderer Station machen. Auch sonst taucht der eine oder andere PKW hier oben auf und am nächsten Morgen um 8 Uhr kommt der Minibus des Nationalparks, um Wanderer abzuholen. Wir wandern um den See (finden viele wilde Himbeeren und Blaubeeren, die wir natürlich für das Frühstück ernten) und zu einem Aussichtspunkt, der uns die Schönheit der Berge samt des Maglic auf der anderen Seite des Tals zeigt. Es ist einfach chic hier. Am nächsten Morgen laufen wir noch zum Gornje-See, erst durch den dichten Buchenwald, dann durch eine Ebene mit hohem Gras und einigen Nadelbäumen.

Dann soll es nun wirklich auf die andere Seite hochgehen. Doch GeU hat andere Pläne. Als die Kontrollleuchte für das Öl in der Servolenkung aufleuchtet, denken wir noch, es ist mit dem Nachfüllen des Öls getan ist. Leider schaut sich Arthur das Ganze nicht genauer an. Wir sind die ersten Kilometer auf der anderen Seite wieder bergauf gefahren (und hatten bereits wieder die 7,50 Euro Eintritt bezahlt), als die Leuchte wieder leuchtet. Wir hatten vergessen den Deckel wieder draufzuschrauben!!! Also noch mal nachfüllen. Das hilft auch nur wenige Meter weiter. Nun müssen wir feststellen, dass wir ein Problem haben, da einer der Rücklaufschlauch vom Lenkgetriebe leckt. Der richtige Schlauch dafür ist nicht an Bord. Also wieder runter, zunächst mit der Hoffnung, in Tjentiste eine Werkstatt zu finden. Aber nach dem Fragen im Nationalpark-Infocenter bzw. im Hotel ist klar, wir müssen in die nächste Kleinstadt Foca. Dort finden wir eine Werkstatt, wo man trotz keiner gemeinsamen Sprache sehr hilfsbereit ist. Zweimal wird Arthur durch die Stadt gefahren, um den richtigen Schlauch aufzutreiben und gleich noch weiteres Öl zu kaufen. Nach eineinhalb Stunden ist alles erledigt. Stellt sich die Frage, was ich in der Zeit gemacht habe? Wäsche gewaschen in unseren gelben Eimern. Das Vorhandensein eines Wasserhahns konnte ich mir nicht entgehen lassen und sorgte für überraschte Gesichter.

Und dann kommen wir am Abend doch noch in die Berge. Die Schranke zum Nationalpark ist nicht mehr besetzt, aber noch auf. Eintrittskarten haben wir ja bereits. Wir fahren auf 1.600 Meter hoch und landen nichts ganz da, wo wir hinwollten. Das finden wir später mit Hilfe des Computers, den russischen Digitalkarten und der Wanderkarte heraus. Aber es ist gut so. Der Platz ist traumhaft schön, wir sind alleine und ändern wieder einmal unsere Pläne ab. Nun wollen wir am nächsten Morgen von hier aus den hoffentlich nicht ganz so steilen Weg auf den Maglic hoch laufen, am übernächsten Tag soll die Wanderung zum Trnovacko-See folgen.

Aber ob wir wirklich so alleine sind, ist die große Frage. Auch hier gibt es Braunbären und Wölfe. Wegen der Wölfe sorgen wir uns nicht, bei den Bären sieht es anders aus. Wir sehen mehrfach „Bären-Scheiße“. Daher setzen wir beim abendlichen Duschen draußen auf viel Licht und viel Lärm. Ansonsten finden wir, dass der Bär, wenn er schon auf dem Wanderweg sein Geschäft verrichtet, manch engen, bewachsenen Pfad hätte etwas mehr austreten können.

Das erste Stück hoch auf den Maglic ist absolut moderat, führt uns erst durch den dichten Wald, dann über Wiesen mit tollem Blick auf das Bergmassiv des Maglic. Als es wirklich steil wird und die ersten Stahlseile angebracht sind, die durchaus hilfreich sind, bekommen wir Zweifel, ob das noch unsere Tour ist. Wir befragen noch die entgegenkommenden Polen, die meinten, es wäre noch eine Stunde Laufzeit, eine halbe Stunde sehr mit Kraxeln, sonst ok. Wir kämpfen uns noch auf 2100 Meter Höhe hoch, genießen den Blick auf die Berge Montenegros und kehren dann um. Vielleich hatten wir das Schlimmste geschafft, vielleicht auch nicht. Wir hatten unsere Grenzen erreicht. Runter geht es auf jeden Fall doch besser als ich zwischenzeitlich befürchtet hatte. Beide nutzen wir „Fünfrad“, also Füße, Hände und den Po.

Und unten, also dort wo GeU auf 1.600 Meter Höhe steht, genießen wir das von mir für diese Tour präferierte Sitzen neben dem Wohnmobil. Die Höhe macht es angenehm, es gibt einen leichten Wind. Wir schreiben Tagebuch, sortieren Fotos und planen mal wieder ein bisschen an der Tour. Zu viel tun wir das ja eh nicht. Einen Masterplan gibt es so richtig nicht, außer runter bis Albanien. Wir entscheiden ja alles sehr adhoc. An sich wollten wir nach dem Sutjeska-Nationalpark aus Bosnien und Herzegowina ausreisen und später auf der Rückfahrt gen Norden noch nach Mostar fahren. Nun schwebt uns vor (aufgrund eines Tipps im Albanien-Offroad-Reiseführer der Pistenkuh), die Fähre von Nordgriechenland nach Venedig zu nehmen. Das werden wir prüfen, wenn wir wieder online sind.

Doch zunächst genießen wir weiterhin die Schönheit des Sutjeska-Nationalparks. Am nächsten Morgen verlagern wir uns gut fünf Kilometer und stehen nun auf der anderen Seite des Maglic. Hier sind wir zwar nicht alleine, es gibt diverse PKWs, ein Camper-Bully und ein Transporter-Wohnmobil, aber es ist der traumhafteste Platz, wo GeU II bislang stand. Es ist der Platz für Werbeaufnahmen eines Wohnmobils. Das machen wir aber erst später. Herumziehende Kühe und Schafe runden die Idylle ab. Weitere Tiere sind die Grillen, die wir später beobachten, wie sie sich aufgrund des Windes in den Boden stechen.

Wir laufen direkt los Richtung Trnovacko-See, erst abwärts und durch den Wald, dann durch eine begrasste Senke und dann wieder durch den Wald hoch zum See. Und damit sind wir in Montenegro. Den Eintritt von jeweils einen Euro zahlen wir in Euro, der Währung Montenegros. Der Trnovacko-See inmitten der hohen Berge hat einen Umfang von knapp zwei Kilometern und lädt zum Baden ein. Das Wasser ist angenehm kühl. Wir machen unser Mittagspicknick, laufen dann um den See und wieder zurück zu GeU II. Unterwegs wird Sauerklee für den Salat gepflückt.

Bei GeU ist es inzwischen sehr windig. Draußen sitzen ist uns zunächst zu kühl, schließlich finden wir inzwischen alles unter 27 Grad schon frisch. Aber das Abendessen genießen wir dann doch draußen mit Blick in den Sonnenuntergang und die gegenüberliegende Bergseite. Da weiß man dann, warum man vier Jahre gebaut hat, um genau an solchen Stellen stehen zu können.

Wirklich ruhig ist es um uns herum nicht. Erst kommen immer noch Menschen runter vom Berg und fahren ganz runter, andere kommen hoch. Am Ende stehen zahlreiche Zelte um uns herum. Am nächsten Morgen hört man ab 5 Uhr Stimmen, die ersten brechen auf, um 6 Uhr kommen zwei Iveco-Busse mit gut 40 Personen, die eine Stunde später auf den Berg starten.

Über Nacht hatten wir die Akkus von Michael, dem Besitzer des Camper-Bullys, geladen. Als Dank filmt er unseren GeU mit der Drohne. Die Fotos bekommen wir später per Dropbox gesandt. Neugierig sind wir schon jetzt.

Die Fahrt Richtung Mostar geht zunächst weiter durch ein enges Tal, dann wird die Landschaft schlagartig breiter. Doch zuvor fahren wir durch einen zwei Kilometer langen Tunnel und über eine aus dem Nichts breiter werdende Straße. Hat hier die EU schon im EU-Anwärterland investiert. Ein Schild dazu gibt es nicht.

Erst wollten wir noch an diesem Tag noch das „Derwisch-Kloster in Blagaj besichtigen, entscheiden uns aber spontan, 15 Kilometer vorher in der „Pampa“ neben einem Funkmast den Fahrtag zu beenden. So ist das Kloster am nächsten Morgen noch recht leer. Es liegt an einem Berg und direkt an einer Quelle. Die Buna kommt hier aus dem Gestein hoch, mit viel Wasser. Auch hier ist man aus viele Menschen eingerichtet. Es gibt zahlreiche Restaurants, die frische Forelle und große Fleischmengen anbieten. Leider ist noch keine Mittagszeit. So konzentrieren wir uns auf das Kloster. Es wurde Anfang des 16. Jahrhunderts im Barock-Stil erbaut und war für damalige Verhältnisse mit Bad und Heizung luxuriös eingerichtet. Heute stellt es die islamische Wohnkultur dar. Schon sehr chic, insbesondere das Haman, das Badezimmer, mit dem Sternenhimmel. Männer in kurzer Hose und Frauen müssen sich am Eingang einen Wickelrock umbinden, Frauen noch ein Tuch. Ein Tuch hatte ich für mich dabei. Auf dem Weg zurück kaufen wir noch Lavendelhonig und frische, noch grüne Feigen – ein für uns komplett neues Geschmackserlebnis. Sie sind sehr fruchtig/obstig im Gegensatz zu den uns gut bekannten getrockneten oder reiferen violetten Feigen. Sie könnten unser neues Lieblingsobst werden. Die Versorgung sollte gesichert sein, es gibt überall Feigenbäume.

Die Parkplatzsuche im nun nahen Mostar ist einfach, der Parkplatz zwar nicht günstig, aber dafür günstig gelegen. Nach wenigen Minuten sind wir an der Alten Brücke über Neretva, die 427 Jahre stand und als Brückenschlag zwischen Christen und dem Islam galt. 1993 wurde sie im Bosnien-Krieg zerstört. Seit 2003 ist sie wieder aufgebaut – originalgetreu vom Material und der Technik, wie es der Baumeister Mimar Hayrudin 1557 gemacht hatte. Es ist daher kein Wunder, dass sie ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt ist. Menschenmassen laufen über die Brücke und bummeln mit und ohne (wir) Interesse an den Souvenirshops vorbei.

An sich ist die Brücke eine Grenze zwischen den beiden Stadtteilens Mostars, auf der Ostseite sind die Bosniaken, überwiegend moslemisch, auf der Westseite die bosnischen Kroaten, überwiegend christlich. Aber wir können keine Unterschiede sehen. Es ist alles auf Touristen eingestellt.

Von der Brücke springen als Touristenattraktion junge Mostarer – um Geld zu verdienen. Schon das Aufstellen und Fertigmachen zum Sprung (dauert mindestens eine viertel Stunde) ist ein Happening. Derweil geht ein Kollege mit einer Mütze herum und sammelt Geld ein. Und wenn die Mütze gut gefüllt ist, wird gesprungen. Die Touristen geben Applaus für den Sprung ins Wasser, durchschnittlich 21 Meter tief unter der Brücke.

Den zweiten Sprung beobachten wir aus dem Garten der Koski-Mehmed-Pasa-Moschee. Von dort wie vom Turm der Minarett (nur was für schlanke Menschen) hat man einen tollen Blick auf die Alte Brücke und beide Uferseiten.

Auch in Mostar gibt es mehrere Gelegenheiten, sich mit der Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens zu beschäftigen. Im Tara-Turm gibt es eine Ausstellung über den Bau der Brücke im 16. Jahrhundert und einen schönen Blick auf den Fluss und die Brücke sowie die gesamte Stadt. Außerdem informiert ein Film über den Wiederaufbau der Brücke aus Sicht des leitenden Ingenieurs, eines Kroaten. Sehenswert. Im Helebija-Turm auf der anderen Seite gibt es die Ausstellung „War Photos“ eine Neuseeländers, der die entscheidenden Kriegstage in Mostar war. Es stellen sich ähnliche Gefühle ein wie in Sarajewo.

Und dann geht unser zweiter Aufenthalt von über einer Woche ins Bosnien und Herzegowina zu Ende. Doch der dritte Aufenthalt folgt noch am gleichen Tag!