05.08.2017, Kroatien II

02.08.2017 bis 05.08.2017, Kroatien, Novi Grad bis Hrvatska Dubica

Die Wiedereinreise nach Kroatien erfolgt, weil wir in den Naturpark Lonjsko Polje wollen. Im größten Sumpfgebiet Europas leben viele Vögel, vor allem Störche und die größte Löffler-Kolonie Europas. Dazu gibt es ein Weingebiet, das zwar unbekannt ist, aber dessen Winzer schon manche Preise eingeheimst haben. Und hier ist es wirklich heiß. Wir können endlich „durchglühen“. Das war vor allem mein Wunsch für die Balkanreise!

Gegen Mittag erreichen wir, nachdem wir seit dem Grenzübertritt grenznah an der Una gefahren sind, Krapje. Überwiegend sind die Straßen eher leer, nur in Ustica stehen plötzlich unendlich viele Reisebusse herum. Menschen laufen kreuz und über die Straße, wie immer viele mit einer Bierflasche in der Hand. Später recherchieren wir, dass die Menschen den Internationalen Gedenktag für die Vertreibung der Sinta und Roma begehen. Unweit von hier liegt auch die Gedenkstätte Jasenovac. Hier gab es von 1941 bis 1945 ein Konzentrationslager der faschistischen kroatischen Ustasa-Regierung mit dem Beinamen „Auschwitz des Balkans“. Jasenovac steht noch auf unserem Programm.

Doch zunächst hängen wir im Infocenter des Naturparks Lonjsko Polje ab. Dort verbringen wir bei 37 Grad im Schatten den Nachmittag und können für den Abend den Spaziergang zum Vogelbeobachtungsturm (man bekommt einen Schlüssel mit) und für den nächsten Tag die Radtour organisieren. Leichte Abkühlung gibt es durch ein Bad in der Una, aber wirklich kalt ist das Wasser nicht.

Auch die Vögel haben sich weitgehend wegen der Hitze verzogen. Vom Beobachtungsturm (auch sehr warm, weil gut geschlossen und nur kleine Fenster, die wir öffnen können) sehen wir nur einige weiße Reiher und einen Storch, von Löfflern ist nichts zu sehen. So suchen wir uns doch früher als gedacht einen Übernachtungsplatz am Feldrand hinter den Büschen nah an der wenig befahrenen Straße.

Am nächsten Morgen dann ein Frühstart, um die Morgenfrische für die Radtour zu nutzen. Auf der wenig befahrenen Straße wollen wir von Krapje nach Cigoc ins andere Infocenter fahren, ein Weg von um die 30 Kilometer oneway. Wir kommen durch zahlreiche Dörfer durch, die alle durch die dunkelbraunen Holzhäuser aus Eichenholz geprägt sind, die in sehr unterschiedlichen Zuständen sind. Etliche sind schön renoviert und werden bewohnt, viele verfallen einfach und stehen zum Teil auch zum Verkauf. Sie sind zweistöckig, oben wird und wurde gewohnt, unter war Abstellraum, der bei den regelmäßigen Überschwemmungen geflutet wird. Die Sava und ihre zahlreichen Nebenflüsse variieren stark in ihrer Wassermenge. Derzeit ist aufgrund der Hitze sehr wenig Wasser im Fluss. Aber die Deiche zeigen an, dass man hier immer wieder mit deutlich mehr Wasser kämpft. Angeblich kann der Wasserstand der Una um über 10 m schwanken (bei zur Zeit vermutlich ein bis zwei Metern).

Cigoc ist die Stadt der Störche. Es braucht hier fast ein air traffic controll system. Wohin man blickt, gibt es Storchennester und fliegende Störche. Wir machen Pause im Infocenter unter einem Storchnest und hören es stetig klappern. Dazu kommen die Geräusche, wenn die Eltern ihr Essen wieder hochwürgen, um den gierigen Nachwuchs, drei an der Zahl, zu füttern.

Außerdem gibt es an verschiedenen Stellen im Naturpark wild lebende Schweine, Rinder und Pferde, alles alte Rassen. Bis auf die Schweine liegen und stehen alle bewegungsarm unter Bäumen im Schatten und machen einen sehr zufriedenen Eindruck. Den Rindern kann man richtig beim Methan-Ausstoßen zuschauen.

Der Weg zurück am Nachmittag ist bei großer Hitze deutlich anstrengender, auch wenn es immer mal wieder schattige Straßenstücke gibt. Wir halten uns mit sehr viel alkoholfreiem Bier bei Laune. Nach dem zweiten Stop auf den gut 30 Kilometern wissen wir auch schon, wo es die Öffner gibt: aufgehängt vor dem Laden bzw. vor dem Unterstand gegenüber dem Laden. Im nun sehr warmen Wohnmobil trinken wir weiterhin alkoholfreies Bier (eine geniale Erfindung!) und kämpfen doch ein wenig mit der Wärme. Zum Schlafengehen haben wir es „nur noch um die 30 Grad“ im Wohnmobil.

Am nächsten Morgen ist „Büro“ angesagt. Wir sitzen vor dem Wohnmobil, organisieren die Buchhaltung für den Steuerberater, sortieren Fotos und schreiben Reiseberichte. Dank des neuen EU-Roamings sind wir mit unseren UMTS-Karten online. Es folgt zur knalligen Mittagssonne der Besuch der Gedenkstätte für das ehemalige Konzentrationslager Jasenovac. 80.000 Menschen, ein Viertel davon Kinder, sind hier Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhundert umgebracht worden. Es war ein Todeslager, kein Arbeitslager, auch wenn es hier mal eine Kettenfabrik gab. Zu den Opfern gehörten überwiegend Serben, Juden, Roma und oppositionelle Kroaten. Das Museum ist gut gemacht mit vielen Augenzeugenberichten. Dazu gibt es ein Mahnmal in Form einer steinerden Blumen als Zeichen für das Leben, entworfen 1966 vom Architekten Bogdan Bogdanovic, von dem wir schon auf der zweiten Donau-Tour eine Gedenkstätte in Vukovar, weiter östlich in Kroatien, besichtigt hatten.

Auch wenn es über 35 Grad sind, nehmen wir Kurs auf das Weingebiet Moslawina und wollen eine Weinprobe machen. Im Infocenter des Nationalparks Lonjsko Polje hatten wir eine sehr professionell gemachte Broschüre mit den einzelnen Weingütern bekommen. Das zunächst ausgesuchte „Weingut“ ist eine Garage hinter dem Haus, kein Mensch weit und breit und ganz woanders als im Plan eingezeichnet .Eher ein Zufallsfund, weil wir vorher keine Möglichkeit zum Wenden hatten. Daraufhin nehmen wir „Weingut Nr. 1“ ins Visier, weil es schon Preise bekommen hat und uns am professionellsten erscheint. Es wird eine eher rustikale Weinprobe. Zuhause sind nur der Senior-Winzer und Frau, die kaum Englisch sprechen. Beide Söhne sind unterwegs. Aber zum Weintrinken braucht es keine gemeinsame Sprache. Direkt aus dem großen Fass im sehr angenehm gekühlten Weinkeller können wir den für die Region typischen „Skrlet“ probieren. Sehr lecker. Wir kaufen davon sechs Flaschen und noch zwei Cabernet Sauvignon. Arthur hatte sich arg zurückgehalten, ich fühle mich nun sehr locker, bin zum Glück nur die Co-Pilotin.

Wenige Kilometer vor der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien und Herzegowina übernachten wir, dieses Mal sehr sichtbar an der kleinen Straße, was auch keinen stört. Am nächsten Morgen erfolgt der Grenzübertritt.