01.08.2017, Kroatien I

26.07.2017 bis 01.08.2017, Kroatien, Balno Polje bis Licko Petrovo Selo

Unser erster Kroatien-Aufenthalt ist geprägt durch viel Natur. Das Flusstal der Gacka und der Nationalpark der Plitvicer Seen sind unsere ersten Ziele. Dazu gibt es noch ruhige Tage und sogar notgedrungen einen Pausentag, an dem wir nicht unbedingt an GeU hätten basteln müssen, aber es tun. Schließlich sind wir immer noch in der Kennenlernphase und beim Optimieren.

Kroatien empfängt uns menschlich gesehen gar nicht. An der Grenzstation ist der kroatische Teil nicht besetzt. Danach gibt es nichts als dichten Wald und kleine Dörfer. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz ist nicht ganz einfach. Dazu haben wir unsere Vorstellungen. Am Ende fahren wir mit Allrad einen engen Weg hinein, wollen uns fast auf den wenig befahrenen Weg stellen, weichen aber doch auf die Wiese auf. Wie gut. Wenn uns am Abend auch keiner mehr wahrnimmt, am Morgen ist hier „schwer“ Verkehr. Erst werden Arbeiter im Kleinbus gebracht, kurz danach taucht ein großer Holztransporter auf. Bevor der geladen und leicht schwankend auf dem Weg zurück kommen wird, will Arthur GeU noch etwas weiter auf die Wiese fahren – leider ohne die noch nicht ganz leere Kaffeetasse zu sichern, die so ihren Weg ins Bett findet. War zum Glück nur noch ein Rest drin … Es hätte auch die Milch treffen können.

Um uns Kilometer zu ersparen, wählen wir ab Delnice den eher direkten Weg nach Otocac. Auf der Karte sind viele kleine weiße Straßen zu sehen, aber „unsere Kathrin“, wie wir unser Navigationsgerät aufgrund der gewählten Frauenstimme „Kathrin“ nun nennen, kennt hier auch Wege und nur fünf Kilometer sollen auf unbefestigten Wegen sein. Los geht es. Zuerst sind die Straßen noch richtig gut. Aber wir bekommen enge Waldwege und überlegen noch, was wäre, wenn uns ein dicker Holzlaster entgegen kommt. Klar ist, dass wir ausweichen müssten – als kleineres Fahrzeug. Und dann steht der dicke Holzlaster ladend vor uns. Aber alles kein Problem. Ob das Laden unseretwegen fast umgehend gestoppt wird oder eh nur die richtig dicken Stämme genommen wird, bleibt unklar. Arthur kann zum Glück direkt dahinter rückwärts in den Wald reinfahren, der Holztransporter passiert. Am Ende kostet auch dieser Weg wieder seine Zeit, aber gibt uns schöne Blicke in den dichten Wald. Dazu haben wir schließlich unseren GeU, auch wenn wir keinen Allrad brauchen. Für einen PKW wäre der Weg aber kritisch wäre.

In Otocac besorgen wir uns Kroatische Kuna, kaufen ein und organisieren uns für den nächsten Tag Räder und ein Paddelboot, um die Quellen und den Fluss Gacka zu erkunden. Zum Tagesende besuchen wir noch das Bärenrefugium von Kuterevo, wo Braunbären-Waisen aufgenommen werden. Ich hätte mir natürlich richtig kleine Bären gewünscht, aber auch die Bären ab einem Alter von fünf bis acht Jahren sowie die älteren begeistern uns, wie sie miteinander balgen und in ihrem Pool baden und „Wassergymnastik“ machen.

Bei strahlend blauem Himmel machen wir am nächsten Morgen eine rund 30 Kilometer lange Tour mit Mountainbikes im Gacka-Tal. Unser Ziel sind die Quellen des Flusses, dessen Wasser hier aus der Erde hoch kommt. Ein kroatisch-belgisch-französisches Taucherteam hat 1999 den unterirdischen Teil erkundet. Er geht fast einen halben Kilometer in den Berg hinein und fast 80 Meter tief. Schwieriges Tauchgebiet bei einer Wassertemperatur von nur 8 Grad. Aber es gibt sehr klares Wasser, was uns begeistert. An der Majerovo-Quelle gibt es alte Wassermühlen in Holzhäusern, alles sehr schön und idyllisch. Besichtigen kann man kurzfristig leider nichts. Auch die kleine Kapelle des Heiligen Franz von Pada ist sehr romantisch, aber auch zu. Zu viele Touristen sind hier nicht unterwegs. Für uns gerade schön, aber eigentlich schade.

Nach der Mittagspause paddeln wir gute eineinhalb Stundenrund 7,5 Kilometer auf der Gacka und müssen uns aufgrund des Gegenwindes doch mehr anstrengend als wir zunächst gedacht hatten. Die Strömung ist gering. Auch hier ist das Wasser sehr klar. Wir sehen zahlreiche Wasservögel und entdecken im Schilf ein Nest. Neben einem Ei sitzt hier ein kleines Vogelkind (vermutlich eine Teichhuhn-Art) und schaut demonstrativ gerade aus. Ein Elternteil hat sich lieber tiefer ins Schilf verlagert.

Und da uns das Gacka-Tal so gut gefällt, suchen wir mit GeU für die Nacht einen Platz aus, an dem wir mit den Rädern vorbei gekommen waren. Gesehen hat uns an diesem wunderbaren Platz übrigens keiner. Da weiß man dann doch, warum man vier Jahre am Wohnmobil gebaut hat, um genau zu erleben. Wir genießen am Abend das Sitzen neben dem Wohnmobil, joggen am nächsten Morgen, organisieren unsere Internetseite mit Texterstellung und Fotoauswahl und basteln am Wohnmobil. Wenn wir aus dem rechten Tank Wasser nehmen, geht die Wasserpumpe nicht aus. Sie schöpft zuzusagen Luft. Beim linken Tank ist das nicht so. Also muss die Ursache gefunden werden. Doch dazu muss der Tisch weggeräumt, die Staukiste ausgeräumt und die Bretter über den Tanks abgeschraubt werden. Dann können wir die Serviceklappe des Wassertanks öffnen. Unsere Vermutung für die Ursache stellt sich als richtig war. Am Anschluss für die Leitung, die zur Pumpe geht und die im Tank verschweisst ist, ist eine Undichtigkeit. Daher pumpt die Pumpe Luft. Sprich, der Wassertank ist nicht einwandfrei geliefert worden. We are not amused. Am nächsten Morgen ruft Arthur beim Tankbauer an. Es ist kein sonderlich erfreuliches Gespräch, aber sie sagen Nachbesserung zu, was heißt, der Tank muss nach der Tour wieder nach Baden-Württemberg. Es ist übrigens nicht das einzige Bauteil, das nach der Tour noch mal „zurück“ muss. Das betrifft auch den Laderegler, der die Ströme „von Land“, von der Lichtmaschine und von den Solarzellen regeln und integrieren soll. Hier gibt es auch Probleme. Die Solarpanels laden erst, wenn einmal der Motor gestartet worden ist. Laden von der Hauptmaschinen ist auch sehr schwankend. Alles nicht schön, aber dafür ist es ja eine Jungfernfahrt.

Dann wollen wir zu den Plitvicer Seen. Diese Idee haben viele, sehr viele. Die Schlange an der Kasse schlängelt sich in diversen Kurven und ist 200 Meter lang. Wir ändern das Programm spontan ab und suchen uns für einen Pausentag ein ruhiges Plätzchen mitten im Wald an einem Hochsitz. Das ermöglicht ein Foto von GeU leicht von oben, so dass gleich über Facebook gefragt wird, wer auf den Baum geklettert ist oder ob wir auch eine Drohne haben. Menschen haben uns dort nicht gesehen. Ob das auch für Braunbären (in Kroatien gibt es eine große Population) gilt, wissen wir nicht. Wir bekommen auf jeden Fall keinen zu Gesicht. Im Gebüsch liegen noch Wildschweinreste, u.a. ein Becken- und ein Oberschenkelknochen sowie Haare. Die Jäger haben direkt hier zerlegt.

Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm – so lautet unser Motto am nächsten Tag. Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker, um Punkt 7 sind wir am Eingang des Nationalparks. Diese Idee hatten auch zahlreiche andere, aber nach 10 Minuten ist die Schlange vor uns abgearbeitet. Wir sind drin und können alle noch im besten morgendlichen Licht genießen. Der Nationalpark, ein Weltkulturerbe, zeichnet sich durch imposante Wasserfälle und türkisfarbene Seen aus. Davon gibt es 16 Stück und in unterschiedlicher Größe, einer schöner als der andere. Man läuft auf Stegen am Seeufer bzw. über die Seen und denkt an jeder Ecke nur „ist das schön hier“. Es gibt verschiedene Rundtouren durch den Park, integriert sind eine Bootstour und die Fahrt mit der Panoramabahn (kein Zug, sondern ein Unimog mit mehreren Anhängern. Wir hatten uns für die 4 bis 6-stündige Tour entschieden und sind etwas überrascht, als wir nach etwas mehr als drei Stunden (dabei hatten wir schon eine Frühstückspause gemach) an der Station für die Panoramabahn sind. Nun gut, wir waren flott unterwegs und trotzdem noch nicht ausgelastet. Auch fehlt uns noch der letzte, höchst gelegene Proscansko See. Der ist aber gar nicht für die Touristen erschlossen. Die Mitarbeiterin an der Information meint, man könnte noch ein kleines Stückchen auf der alten Landstraße entlang laufen. Das tun wir, laufen weitere vier Kilometer und haben den See und den Buchenwald für uns. Hier ist die Wärme, die sich auch am heutigen Tag wieder eingestellt hat, sehr gut auszuhalten. Hier machen wir unsere Mittagsrast und genießen die Ruhe am See. Auch auf dem Rückweg zum Parkplatz nehmen wir nur einen Teil mit dem „Unimog-Zug“ und laufen noch am Ostufer des großen Kozjak-See entlang, den wir am Morgen mit dem Boot befahren hatten. Übrigens alles Elektroboote. Nach acht sehr kurzweiligen Stunden mit vielen tollen Ausblicken sind wir wieder bei GeU und auch müde.

Die Grenze nach Bosnien ist in knapp einer halben Stunde erreicht.