26.07.2017, Balno Polje

21.07.2017 bis 26.07.2017, Slowenien, Wurzenpass bis Balno Polje

Mit Slowenien beginnt für uns die Balkantour. Allerdings ist es fraglich, ob wir mit dem Passieren der Grenze wirklich auf dem Balkan sind. Das diskutieren wir sogar mit anderen Reisenden an einem Aussichtspunkt. Also kurzes „Aufschlauen“ bei Wiki: das slowenische Staatsgebiet liegt nicht komplett auf dem Balkan. Denn der nördlichste Teil gehört zu den Alpen. Diese Julischen Alpen sind atemberaubend schön. Hier gibt es den Nationalpark Triglav, der uns etliche Tage begeistern wird. Allerdings hätten wir uns intensivere Begegnungen gewünscht, aber erst hatte GeU II andere Pläne mit uns und dann gab es eine Wetteränderung mit sehr viel Regen.


Die Grenze zwischen Österreich und Slowenien liegt auf dem Wurzenpass, 1.072 Meter hoch und Dank EU und Schengen wenig spürbar. Dann geht es kurz wieder runter nach Kranjska Gora und dann richtig hoch. Der Vrsic-Pass liegt auf 1.611 Metern und hat jeweils um die 25 Serpentinen an jeder Seite. Er ist eins der Highlights für Slowenien. Das können wir nur bestätigen und empfehlen.
Der Ausblick vom Pass Richtung Süden in die Julischen Alpen ist grandios. Wir machen hier Picknick neben GeU, wandern noch etwas höher und wollen am liebsten hier die Nacht verbringen. Aber im Nationalpark ist Campen nicht erlaubt. Also fragen wir in der Gastwirtschaft, ob wir auf dem Parkplatz stehen dürfen. Mehr als ein Nein kann ja nicht kommen. Es gibt sogar ein Ja, was aber zehn Minuten später, als wir gerade gepackt, die Fenster geöffnet und die Leiter ausgeklappt haben, zurückgezogen wird. Nun ja, ist halt so. Und da es so gut wie keine Möglichkeiten gibt, sich auch nur annähernd zu verstecken, landen wir auf dem zweiten Campingplatz in Trenta (der erste war voll) zwischen Dauercampern mit Wohnwagen ohne Reifen und Zelten. Wir sind eins von zwei Wohnmobilen, allerdings sind es unterschiedliche Arten von Wohnmobilen. Sieben Kilometer von hier aus wollen wir am nächsten Tag unsere Wanderung auf den Pass starten …
Aber GeU zeigte schon am Vortag auf dem Pass erste Anzeichen, dass der rechte Hinterreifen nicht genug Luft hat. Den netten Tipp eines anderen Reisenden haben wir noch abgetan. Ist schon ok. Beim nächsten Viewpoint pumpen wir dann Luft und auf dem Campingplatz hatten wir direkt einen Wagenheber und Unterstellbock unter die Achse aufgestellt. Und am Samstag Morgen ist der Reifen wirklich nicht mehr voll aufgepumpt. Der Rest des Tages verläuft dann unter dem Motto „Nicht unser Tag“. Denn als erstes geht der Kompressor kaputt. Also Kompressorreparatur in zwei Durchgängen. Denn es liegt nicht nur an den zunächst vermuteten Schrauben, die alle samt locker waren. Beim zweiten Auseinandernehmen finden wir die Pleuelstange mit Exzenter, die nicht mehr auf der Welle sitzt. Und da wir gerade dabei sind, beseitigen wir noch die grottige Verlötung im Schaltkasten des Teils. Aber die Freude hält nur kurz, denn der Kompressor wird zu warm und der Schlauch verabschiedet sich mit einem lauten Knall. Wie gut, dass der Campingplatz einen Kompressor hat. Aber der Reifen ist trotz eines nagelneuen Schlauchs nicht dicht. Also montieren wir das bei München „vom Profi“ aufgezogene Rad. Es ist ok! Aber das Thema Reifen und Schläuche wird uns wohl noch mal beschäftigen, hoffentlich nicht zu sehr auf dieser Tour. Wir brauchen neue Schläuche (bestellen sie einige Tage später am Nachmittag bei Bled und können sie am nächsten Tag um 9 Uhr abholen) und eine Erklärung, warum die Ventilverschraubungen nicht dicht halten.
Da wir gerade das Werkzeug herausgeholt haben und der Tag noch nicht zu Ende ist, stellen wir noch die Handbremse nach, spiegeln die Rückfahrkamera wieder, entspannen die Drehstäbe der Vorderachsfederung etwas und befestigen den Gummibalk an der Gelenkwelle mit einer Schelle. So richtig macht das Reisen so keinen Spaß – aber es gehört es wohl dazu. Wir verbuchen es unter Kennenlernen von GeU II. Und was immer am nächsten Morgen sein wird, wir werden den Sonntag genießen.
Und das tun wir auch! Der Reifen ist wirklich ok und wir ziehen zu Fuß los. Für die große angedachte Wanderung fühle ich mich nach einer leichten Erkältung nicht fit genug. Wir wollen zum vier Kilometer entfernten Botanischen Garten. Auf dem Weg hin Besuch des lokalen Marktes in Trenta. Es gibt nette Souvenirs und Schmuck (brauchen wir nicht), erwerben aber eins der besten Olivenöle Europas von einem Biohof in Slowenien und eine Teemischung.
Dem Botanischen Garten fehlen etwas Erklärungen, aber Blumen und Insekten schauen geht auch so gut. Wikipedia hilft hin und wieder aus. Auf dem Rückweg wandern wir auf dem Wanderweg entlang der Soca, einem Gebirgsbach der einige Kilometer entfernt seine Quelle hat, und testen die Wassertemperatur. Sehr kalt. Mehr als Füße baden ist nicht möglich, ist aber schön. Wir sind auf jeden Fall auf den Geschmack des Wanderns gekommen, nur gießt es am nächsten Morgen wie aus Eimern. Wir bemitleiden noch unsere Camperkollegen in ihren Zelten, haben aber auch Wasser im Wohnmobil. Die Dachluke über dem Bett muss noch mal abgedichtet werden – wenn es wieder trocken ist.
Das Wetter und die schlechten Aussichten auf eine baldige Verbesserung lässt uns von Trenta abreisen. Bei Bovec klart es zeitweilig auf, so dass wir zum Wasserfall von Boka laufen wollen. Ich schlage noch vor, ob wir ein Picknick mitnehmen. Ist ja nur eine Stunde, so die Antwort meines Mannes. Und die geht es steil den Berg hoch. Oben angekommen, bin vor allem ich ziemlich unterzuckert. Andere Reisende helfen mit zwei Händen voll Nüssen aus. Belohnt werden wir durch einen tollen Blick auf den Wasserfall, dessen Wasser in reichlicher Menge dort aus dem Berg kommt und dann direkt über 100 Meter in die Tiefe fällt. Der Weg herunter ist zäh. Ich bin an diesem Tag alles andere als im „Bergziegen-Modus“.
Da der Regen wieder eingesetzt hat, fahren wir weiter. Unser Ziel ist der Bohinj-See, auch im Triglav-Nationalpark, allerdings nur im etwas größeren Bogen und auf kleinen Straßen erreichbar. Vor allem am nächsten Morgen genießen wir – nach viel Regen am Abend und in der Nacht – die klare Luft und schöne Aussicht auf die Berge und Täler mit viel sattem Grün und die beschaulichen Dörfer.
Ganz so beschaulich ist es am Bohinj-See nicht. Dazu ist er zu schön und zu gut erschlossen mit diversen Hotels und Campingplätzen. Der See hat eine Länge von gut vier Kilometern und eine Breite von gut einem Kilometer. Wandert man die 13 Kilometer um den See, sieht man schon deutlich weniger Menschen, vor allem auf der unbewohnten Nordseite des Sees. Wir sind begeistert vom glasklaren Wasser (nicht wirklich kalt, hatten was anderes erwartet, als wir uns zur Mittagsrast in den See stürzen) und den tollen Blicken auf die Berge. Leider kommen wieder Wolken auf, so dass wir das Hinauffahren mit der Gondel lassen. Wir kommen gerade noch trockenen Fußes zum Auto.
Der nächste See, der als Highlight im Reiseführer gekennzeichnet ist, liegt bei Bled, 30 Kilometer entfernt. Als wir Bled erreichen und die Massen asiatischer Touristen sehen, die sich trotz Regen am Seeufer aufhalten, ändern wir unseren Plan. Wir haben den See samt Kirche auf der Insel im See und der etwas erhöhten Burg kurz vom Auto aus gesehen. Reicht.
Damit sind die Julischen Alpen für uns abgeschlossen, auch wenn man vor allem bei stabilerem Wetter hier noch sehr viel Zeit hätte verbringen können. So langsam nehmen wir Kurs auf Kroatien und nehmen noch zwei Tipps aus dem Reiseführer auf. Das ist zum einen die Besichtigung von Skofja Loka mit dem am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern in Slowenien. Alles sehr nett und beschaulich. Der andere Programmpunkt erweist sich als echtes Highlight. Wir fahren zum Cerknica-See. Doch schon die Anreise ist etwas mühsam. Wir umgehen auch in Slowenien die mautpflichtige Autobahn und wählen den direktesten Weg auf kleinen Nebenstraßen. Es kostet Zeit, aber es ist wunderschön aufgrund der Blicke auf Berge und Täler mit vielen kleinen Kirchen und sattem Grün, es geht hoch und runter und mittendrin entdecken wir ein futuristisches Denkmal in Drazgose. Hier gab es im Januar 1942 die erste größere Schlacht der slowenischen Partisanen gegen die deutsche Wehrmacht.
Der Cerknica-See ist im Sommer kaum wahrnehmbar. Er ist einfach nicht da. Es ist der größte See Europas, der zeitweise (im Sommer) fast komplett verschwindet, sozusagen abläuft und versickert, im Erdboden und durch Höhlen. Teile des Wassers fließen am Ende ins Schwarze Meer! Wir verbringen die Nacht auf einer Insel im See, was uns zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst ist. Erst der Besuch im Museum Jezerski Hram gibt uns sehr viel spannende Informationen. Dort gibt es ein Modell im Maßstab 1:2.500, der täglich einmal „geflutet“ wird und so aufzeigt, wie der See größer und am Ende wieder kleiner wird. In einem Film bekommen wir zusehen, was die Slowenen auf See alles machen: Eislauf im Winter, Surfen im Frühling, Fische einsammeln im Frühsommer. Alles kaum zu glauben, sehen wir doch jetzt sattes Grün von Wiesen und Feldern mit vielen bunten Blumen-Farbtupfern. Nach dem Museumsbesuch laufen wir noch zu den größten „Abflusslöchern“ und zu den Höhlen am „Seerand“. Hier kommt ein kühler Wind aus der Höhle. Von Wasser ist nirgends etwas zu sehen.
Damit geht die erste Zeit in Slowenien zu Ende.