19.07.2017, Übersee

16. Juli 2017 bis 19. Juli 2017 – Deutschland – Berlin bis kurz vor der österreichischen Grenze

Es liegen wieder einmal spannende Zeiten hinter uns, als wir schließlich am 16. Juli 2017 Berlin mit dem Ziel Balkan verlassen. Nicht alles war in den Wochen davor nach Plan verlaufen, doch nun konnten wir mit nur wenigen Tagen Verspätung die Balkantour starten. Statt in GeU II saßen wir allerdings in einem Mietwagen, vollgestopft mit allem, was man für eine achtwöchige Tour so braucht: Kleidung, Bettwäsche, Wanderausrüstung, Lebensmittel, Sonnenschutz und noch einiges an Werkzeug. Unser Ziel: Schweinfurt, wo GeU II seit der TÜV-Abnahme vor eineinhalb Wochen bei Familie Keller, professionelle Iveco-Schrauber und Wohnmobilbauer, stand.


Wie kam es dazu, dass wir die Vollabnahme in Schweinfurt haben lassen machen?

Ein kurzer Blick zurück. Nach vier Jahren Bauzeit sollte im Juni 2017 die Vollabnahme erfolgen. Doch der Herr vom TÜV, der regelmäßig in die Iveco-Werkstatt nach Mittenwalde kommt, hatte wenig Bock auf das Großprojekt unserer Vollabnahme: Umwandlung zum Wohnmobil, neue Reifen, Umbau von Zwei- auf Vierrad usw. waren wohl zu viel für ihn. Mit einigen aus unserer Sicht unnötigen Auflagen machte er deutlich, dass wir uns wohl lieber einen anderen TÜV suchen sollten. Nach kurzer Katerstimmung war die Idee geboren: GeU II geht zu Familie Keller nach Schweinfurt: Und dort war es dann auch kein Problem. „Ist doch alles neu, was soll ich hier prüfen!“, so die Aussage des TÜVers und schon war alles erledigt und wir mehr als erleichtert. Hatten wir doch zwischendrin schon ernsthaft über Alternativen für die Sommerpause 2017 nachgedacht. Wir hatten GeU II zwar immer mit der Radtour in Mittelschweden gedroht, aber auf Radtour im Norden hatte keiner Lust, auch sonst hatten wir keine Reiseideen, schließlich wollten wir einfach wieder mit dem Wohnmobil, mit dem neuen Wohnmobil, unserem GeU II, auf Tour gehen. Die letzte Reise, außer Touren zu Globetrottertreffen, war schließlich sieben Jahre her. Lediglich das Abreisedatum von Berlin mussten wir nun um einige Tage nach hinten verschieben, da man in Berlin drei Wochen im Voraus Termine bei der Zulassungsstelle machen muss.

In Schweinfurt erfolgte die Umladung und letzte Arbeiten. Nach der ersten gemeinsamen Nacht in GeU II (Arthur hatte rund um den TÜV-Termin schon im Wohnmobil geschlafen) konnte die Reise beginnen. Als Ziel im Navi wird „Ljubljana“ eingegeben. Man könnte in gut sechs Stunden da sein. Doch ganz so schnell geht es dann doch nicht. Wir sind keine 600 Kilometer mit GeU II gefahren, als wir auf der A 9 kurz vor München eine Reifenpanne haben. Vorne rechts! Aus heiterem Himmel, ohne ersichtlichen Grund.

Das Reifenwechseln auf der Autobahn ist relativ schnell erledigt, auch wenn es unangenehm ist. Die Autos und LKWs brettern an uns vorbei. Aber GeU II hat eine gute Warnfarbe! Wir sind ja erprobt, was Reifenpannen angeht. Nur hatten wir gehofft, dass wir das mit GeU II am liebsten gar nicht und wenn, dann nicht so schnell auf der Autobahn in Deutschland erleben werden.

Danach haben wir für den Tag genug und suchen uns unweit der Autobahn in der Einflugschneide des Münchner Flughafens einen Übernachtungsplatz – wild. Etliche Sportler und Radler kommen an uns vorbei, es stört sich keiner an uns. Bis zum nächsten Reifenhändler am nächsten Morgen sind es nur wenige hunderte Meter. Die Diagnose für den Reifen ist ernüchtern. Schrott. Nun ja, wir hatten gebrauchte Reifen der italienischen Armee gekauft, die vom Profil gut aussahen, aber auch inzwischen 15 Jahre alt sind. So wird der Ersatzreifen aufgezogen, hinten hängt „wegen der Optik“ nun der kaputte Reifen, damit GeU II nicht ganz nach einem „gerupften Huhn“ aussieht. Wir nutzen die Wartezeit, noch den Geber für die Lüfterschaltkupplung auszutauschen, da GeU immer noch recht warm wird. Dann arbeiten wir in den diversen Einrichtungshäusern an der Optimierung der Inneneinrichtung. Buchstützen finden wir in keinem der drei Läden, aber dafür gibt es eine Außendusche und Kopfkissen für den Mittagsschlaf.

Das Vertrauen in die Reifen ist arg geschrumpft. Wir sind nun langsamer auf der A 8 Richtung Salzburg unterwegs und machen am zweiten Tag relativ früh Schluss. Wir finden einen wunderbaren Platz neben einer Scheune, haben Blick auf die Alpen und den Chiemsee. Eine ideale Kulisse für das erste großen Fotoshooting von GeU II: er wird von allen Seiten abgelichtet. Und die Ersatz-Fahrerin sitzt zum ersten Mal hinter dem Lenkrad. Das Leben im Wohnmobil bringt wieder Spaß, keiner stört sich an uns und am morgen wird mit Blick auf Alpen und Chiemsee gejoggt.