Reisetagebuch

06.08. bis 11.08.2010, Ukraine, von Balaklava bis Odessa

Die Krim hat noch mehr zu bieten. Das Besichtigungsprogramm geht weiter und bleibt vielfältig, u.a. laufen wir durch U-Boot-Bunker, bummeln durch Sevastopol und besichtigen alte Felsenstädte sowie den Khan-Palast – bis wir uns von der Hitze erschlagen geben. Es folgt Strandleben auf einer Nehrung und wir nehmen Kurs auf Odessa, wo wir unsere Rundreise ums Schwarze Meer gestartet haben.

Schon die Bucht bzw. der Hafen von Balaklava ist eine Reise wert. Das Schwarze Meer schlängelt sich gerade zu ins Land. Von See kommend muss man erst eine Rechtskurve und dann eine Linkskurve fahren, um den geschützten Teil der Bucht zu erreichen. Also ist auch die Stadt bzw. die Bucht von See aus nicht zu sehen und bietet viel Schutz vor Wind und Wellen. Daher wurden hier nach dem Zweiten Weltkrieg U-Boote stationiert. Um diese auch noch vor Atombomben zu sichern, hat man zudem einen U-Boot-Kanal von 608 Metern Länge unter einer Felsschicht gebaut. Diesen kann man heute besichtigen. So laufen wir bei fast schon „unangenehmen kühlen“ Temperaturen unter dem Felsen hindurch und bestauen u.a. die dicken Türen. Diese sind so dick wie mein Unterarm lang ist. Verstehen tun wir von der Beschriftung der Ausschilderung natürlich nichts, aber es gibt hier immerhin eine englische Broschüre, die wir gerne erwerben. Heute ist der gesamte U-Boot-Bunker Museum. Die U-Boote sind alle nach Sevastopol verlegt worden. Als es hier noch U-Boote gab, also zur Zeit des kalten Krieges, durften natürlich keine Besucher nach Balaklava.
Die Kriege um die bzw. auf der Krim prägen zunächst auch unseren Aufenthalt in Sevastopol. Zunächst begutachten wir von der Anhöhe diverse Marineschiffe und besuchen dann das Museum der Schwarzmeerflotte. Hier dreht sich alles um die Schwarzmeerflotte, die eine lange Geschichte hat und heute noch zu Problemen zwischen der Ukraine und Russland führt. Russland tut sich schwer damit, dass die Krim nicht mehr zu seinem Landgebiet gehört, darf aber noch bis zum Jahr 2017 seine Schwarzmeerflotte hier stationiert haben.
Auch Sevastopol liegt nett an einer großen Bucht, von der diverse kleinere Buchten abgehen. Wir bummeln am Ufer entlang, das gerade renoviert und aufgemotzt wird. Noch sind edlere Cafes und Restaurants in der Mehrheit und nicht die üblichen Buden. Mal schauen, wie lange das so bleibt. Unseren Stadtbummel schließen wir ab mit dem Denkmal der heldenhaften Verteidigung (nur ein Denkmal von vielen in dieser Stadt) und dem Gebäude, in dem ein Panaroma zur Verteidigung von Sevastopol 1854-55 zu sehen wäre, wenn man zur Öffnungszeit hingekommen wäre. Auf dieses Ereignis scheint man hier sehr stolz zu sein.
Dann wollen wir noch einen großen Supermarkt aufsuchen und uns zum Wandern ins Gebiet der Felsenstädte und –klöster in der Nähe von Bakhchysarai verziehen. Leider kommen wir in Sevastopol an keinem Supermarkt vorbei, so dass uns nur ein besser sortierter Krämerladen in Inkerman bleibt. Im Dunkeln fahren wir weiter und wären fast an einer Bahnunterführung hängen geblieben. Im letzten Moment rufen wir beide laut „nur 3,30 Meter“. Also wenden und Umweg fahren. Aber das Fahren im Dunkeln lohnt sich. Wir kommen um 22 Uhr am ausgesuchten Campingplatz an. Dieser liegt malerisch an einem See, was wir noch am Abend feststellen. Der Platz hat aber auch eine malerische Felsenkulisse, was wir erst am Morgen wahrnehmen. Ansonsten ist es wieder einmal einer der Plätze, wo man zahlen darf, aber am besten seine Facilities wie wir dabei hat – sonst bleiben nur die gut besuchten Büsche. Trotzdem gefällt es uns hier und das Wasser hat sogar noch eine Temperatur, die einen leicht abkühlen lässt. Ansonsten ist es kräftig warm, innen wie draußen. Aber auch 37 Grad im Schatten halten uns nicht ab, im Laufe des Nachmittags zur Wanderung auf den Felsen aufzubrechen, auf dem die Felsenstadt Mangup-Kale liegt. An dem UNESCO-Weltkulturerbe finden wir weniger Gefallen und die Ruinenreste wären die Mühen der einstündigen Wanderung (immerhin ging es 350 Höhenmeter hoch) nicht wert gewesen. Aber der Ausblick von diesen Plateau auf die Umgebung lohnt sich, zudem wir den Ausblick bereits im Abendlicht genießen können.
Aber die Hitze war anstrengend, so dass wir das weitere Besichtigungsprogramm von zwei ganztägigen Wandertouren auf einen Tag reduzieren und hier auch GeU in Anspruch nehmen wollen. Aber dann geben wir uns bereits beim ersten Objekt, dem Felsenkloster Kachy-Kalon, von der Wärme sowie der mangelnden Wegbeschreibung unseres Reiseführers und der wie immer nicht vorhandenen Beschilderung in der Ukraine geschlagen. Aber wir sind immerhin noch bei knapp 40 Grad eine halbe Stunde durch die Landschaft gestapft und haben nichts vom Kloster entdeckt. Da wir aber die aufgeführte Wasserquelle ausmachen konnten, mussten wir eigentlich an der richtigen Stelle gewesen sein ...
So fahren wir nur noch zum Khan-Palast in Bakhchysarai – mit dem Stadtplan im Reiseführer und durch die Parkplatzschilder auffindbar – und wirklich eine Besichtigung wert. Hier haben die Tataren im 16. bis 18. Jahrhundert gelebt und über die Krim geherrscht. Der Palast ist in einem guten Zustand und gibt Einblick in die damalige Lebensweise. Dazu sind noch die Moschee, das Badehaus und diverse andere Gebäude erhalten.
Aber dann ist trotz des reichhaltigen Genusses von Eis und Kaltgetränken genug. Wir haben zehn Tage viel auf der Krim gesehen und wollen unseren Krim-Aufenthalt so abschließen, wie wir ihn begonnen haben: mit einem Strandtag zum Faulenzen auf einer Nehrung. Außerdem nimmt uns die Hitze inzwischen deutlich mit. Seit Bakhchysarai umweht uns die gut 40 Grad Celsius warme Luft eines „heißen Föns“. Die Luftfeuchtigkeit ist auf unter 30 Prozent zurückgegangen. So ist der Schweiß schon verdunstet, bevor er auf der Haut herunterlaufen könnte! Das hat was!
Hinter der Stadt Saky werden wir an einem feinkiesigen Abschnitt fündig, nur ist es hier deutlich voller als auf der Arabat-Nehrung. Aber so kommen wir zum Unterhaltungsprogramm. Oberhalb des Strandes verläuft eine sandige Fahrspur, die für GeU keinerlei Probleme bereitet. Aber so mancher Pkw fährt sich hier fest und Arthur hat größte Freude beim Zuschauen, wie sich die Fahrer durch weiteres Vor- und Zurückfahren so richtig in den Sand buddeln. Meist helfen dann die vielen Pseudo-Geländewagenfahrer. Aber bereits in der Dämmerung hat sich ein alter Lada direkt vor unserem Auto festgefahren. Wir waren gerade zuvor mitten beim Abendessen wegen der vielen Mücken und anderer stechender Insekten ins Auto geflohen und verfolgen das Drama des Auf- und Abfahrens als „Hörspiel“. Nach einer Stunde springt die Kiste nicht mehr an und wir hören ein „maschina“ an unserem Eingang. Keine Frage, der Lada-Fahrer hat aufgegeben, alleine herauszukommen. Aber auf mein „yes, please“ gibt er auch diesen letzten Rettungsanker sofort auf . Wir waren auch nicht wirklich scharf, noch einmal alles wegzuräumen, herauszugehen und GeU im Dunkeln im Sand zu bewegen. Wer weiß, wie das geendet hätte. Außerdem leidet unsere normalerweise ausgeprägte Hilfsbereitschaft durch das allgemein sehr rüpelhafte Verhalten der Pkw-Fahrer auf der Straße. Für unseren Lada-Fahrer endete der Abend jedenfalls am Strand. Am nächsten Morgen ist er immer noch da und wartet sehnsüchtig auf unser Erwachen. Diesmal bekommen wir direkt das Abschleppseil gezeigt. Natürlich verstehen wir, aber wir setzen auf den nächsten Geländewagenfahrer, der auch bald vorbeikommt.
Der Pausentag ist sonst weitgehend ereignislos – außer dass ich wieder genausten die Temperatur verfolge. Es ist mit rund 38 Grad Celsius „kuschlig warm“ im Auto und neben dem Auto, aber der Wind besteht nicht aus ganz so viel Wärme wie am Vortag. Das Meer kühlt nach wie vor gut. Das nutzen wir an unserem vermutlich letzten Pausentag am Schwarzen Meer ausgiebig aus.
Erholt nehmen wir Abschied von der Krim. Unser Ziel ist nun Odessa. Zwei volle Fahrtage plus die restlichen Kilometer am dritten Tag sind eingeplant. Doch dann läuft es einfach gut, auch wenn die Straßen zeitweilig eher schlecht sind, wir gut durchgeschüttelt werden und der Thermometer auf knapp 40 Grad steigt. Der Wegesrand ist vor allem durch Melonen auf Feldern und Melonen zum Verkauf geprägt. Es gibt ein üppiges Überangebot. Alle paar Meter kann man Melonen kaufen. Entsprechend günstig erwerbe ich eine Honigmelone für 20 Cent.
Nach knapp 500 Kilometern (Tagesrekord auf dieser Tour) stehen wir am Abend am Strand in der Nähe von Port-Yuzhne, Hier gibt es mal wieder einen der vielen wilden Campingplätze – ohne Bezahlung, aber die Dauercamper haben sich schon ihre Plumsklos umzäunt mit Planen eingerichtet.
Von hier sind es noch knapp 40 Kilometer bis Odessa, die wir ohne Probleme zurücklegen. 78 Tage nach unserem ersten Besuch in Odessa sind wir wieder da und haben damit unsere Umrundung des Schwarzen Meeres vollendet. Am Abend wollen wir daher eine Flasche Krimsekt auf der Potjomkin Treppe sitzend trinken.

11.08.2010

Odessa
Ukraine

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