Reisetagebuch

24.07. bis 27.07.2010, Russland, von der Nehrung am Kiziltashskiy-Haff bis Port Kavkaz

So stehen wir nun da mit einem etwas „mitgenommenen“ GeU und müssen eine zweitägige Zwangspause auf der Nehrung einlegen. Hatten wir die ersten zwei Tage noch in den Dünen gestanden, stehen wir jetzt direkt am Weg, aber dafür direkt am Haff. Anschließend können wir „im Schlamm“ abhängen und verlassen dann mit dem Schiff Russland.

Doch zunächst zurück zum Loch, das uns zum Verhängnis wurde! Wie wir später mit Hilfe eines Wanderstockes feststellen, ist das Loch nicht tief – bis auf eine Ausnahme. Die haben wir genau mit dem vorderen Reifen getroffen und sind so richtig in das kleine, aber knapp ein Meter tiefe Loch gerutscht. Das hat im gesamten Fahrzeug zu entsprechenden Kräften und Schäden geführt.
Zunächst müssen wir erst einmal feststellen, was alles kaputt ist. Die vordere Stoßstange ist abgerissen und etwas verbeult. Mit neuen Schrauben wird sie sich wieder dranschrauben lassen. Die hintere Stoßstange ist verbogen und wird sich vermutlich in der Höhe nicht mehr einstellen lassen, was uns aber zunächst auf dieser Tour nicht stören wird. Größere Probleme machen der ziemlich verbeulte und vermutlich leckende Kühler und das abgerissene Anschlussteil für den Kühlwasserkreislauf.
Während Arthur noch die Schäden sichtet und die kaputten Teile ausbaut, haben hilfsbereite Russen einen Deutsch sprechenden Freund angerufen, der Arthur eine Werkstatt im 40 Kilometer entfernten Anapa nennt. Passend kommt noch ein Taxi vorbei, in das Arthur mit dem schnell ausgebauten Kühler einsteigt.
Ich verbleibe bei GeU und bekomme bald beste Unterhaltung, die vor allem GeU´s Ehre rettet. Ein Landrover Defender will auch wie wir durch das Loch fahren. Die meisten fahren nämlich ganz vorsichtig am Rand vorbei, weil sie eventuell am Eingang zu diesem „Natur-Campingplatz“ ohne jegliche Einrichtungen, aber mit Müllentsorgung einen Tipp bekommen haben! Wir wissen es nicht! Jedenfalls trifft der Defender auch fast die tiefste Stelle. Da hängt er nun und kommt alleine nicht mehr heraus!!! Am Ende benötigt es eineinhalb Stunden und vier verschiedene Rettungsfahrzeuge mit vielen Rettungsanläufen, bis er wieder frei ist. Dazu sind Auto und seine Besatzung komplett mit Schlamm bedeckt. Das Schauspiel halte ich auf Video fest und ist in der Videogalerie zu finden. Zwischendrin gab es immer mal sehnsüchtige Blicke auf den starken Lkw, aber ich konnte immer nur auf das geklappte Fahrerhaus und die neben uns liegende Stoßstange verweisen.
Arthurs Taxifahrer holt zunächst seine Oma dazu, denn die hat einige Jahre in Brandenburg gelebt und soll als Übersetzerin tätig werden. Das macht es in den Werkstätten einfacher. Die genannte Werkstatt wird nur mühselig gefunden und kann keine Hilfe bei der Reparatur des Kühlers bieten. Aber sie verweist auf eine andere. Dort verbleiben Kühler und das Aludruckgussteil über Nacht. Arthur geht mit dem Taxi zurück und wir bereiten den Wiedereinbau des Kühlers vor, u.a. kleben wir die Haltung des Kühlwasseranschlusses mit Sofortkleber fest und dengeln an verschiedenen Teilen herum.
Am nächsten Morgen steht bereits um 9 Uhr das Taxi vor der Tür. Die Werkstatt hatte den Taxifahrer angerufen. Nach zwei Stunden kommt Arthur mit einem reparierten Kühler zurück. Nun müssen wir nur noch alles wieder zusammenschrauben und über Nacht das Silikon am Kühlwassersystem trocken lassen. Am nächsten Morgen ist dann alles dicht. Wir können weiterfahren und machen nun auch einen großen Bogen um das Loch.
Eigentlich hatten wir auf der Nehrung Richtung Westen weiterfahren wollen und so ans Ende der Halbinsel Taman zu kommen. Aber schon „Oma“ hatte erklärt, dass es keinen Durchgang gibt. Beim Joggen in diese Richtung hatten wir beide vor einer Schranke gestanden. Aber vermutlich wäre man rein theoretisch weitergekommen. Wir fahren aber zurück, wo wir herkamen.
Letztes Ziel in Russland sind die Schlammvulkane im Ort Za Rodinu direkt am Asovschen Meer, also am nördlichen Ufer der Halbinsel Taman. Diese sind inzwischen weit erschlossener als im Reiseführer beschrieben, aber immer noch ein beeindruckendes Erlebnis. Man schwimmt bzw. hängt im Schlamm und kann nicht untergehen, siehe Video „Arthur im Schlamm“. Anschließend sieht es man schon „verändert“ aus, wirkt wie eine Statue und läuft dann den kurzen Weg bis zum Asovschen Meer, um sich abzuwaschen. Für die nächste Stufe der Reinigung gibt es inzwischen an den Schlammvulkanen auch Duschen und Umkleidekabinen. Die Haut ist nach der Schlammpackung auf jeden Fall sehr rein und riecht etwas nach Schwefel.
Auf den letzten Metern in Russland geraten wir noch in eine Polizeikontrolle, die wir fälschlicherweise für einen Vorposten der Grenzstation auf der Nehrung zum Port Kavkaz halten. Daher machen wir einen U-Turn und überfahren eine durchgezogenen Linie. Die Folge: wir haben jemanden mit einer Kalaschnikow neben uns stehen, da man von Fluchtgefahr ausging. Es folgt eine nette Diskussion zwischen Arthur mit dem sehr freundlichen und ein wenig Deutsch verstehenden Polizisten. Natürlich hat keiner Lust, ein Protokoll aufzunehmen. Daher wird unter einem deutlichen Antikorruptionsschild sofort über die Strafe bzw. den Bonus für den Polizisten diskutiert. Damit es offiziell aussieht, wird sogar mit viel Akribie eine Quittung ausgestellt, die Arthur dann aber nicht bekommt. Dafür kann er die Strafe frei aushandeln. Nach der Forderung von 50 Euro wechseln 20 Euro in russischen Rubeln den Besitzer.
Nach einer Nacht an der Steilküste des Asovschen Meer mit tollem Mondschein und warmen Temperaturen reisen wir aus. Spannend war die Frage, ob die fehlende Registrierung zu einem Problem werden könnte. An sich muss man sich in Russland registrieren, wenn man länger als drei Tage an einem Ort ist. Das waren wir aber nicht. Zudem muss vor allem der Vermieter, also Hotel oder privater Gastgeber, die Registrierung vornehmen. Und so etwas hatten wir bis auf die zwei Nächte auf dem Campingplatz auch nicht, die aber davon nichts wussten oder wegen der Sprachprobleme auch nicht drauf eingingen.
Zunächst musste ein Englisch sprechender Immigrationsbeamte herbeigerufen werden. Dem erzählen wir unsere Sicht der Dinge, er hält Rücksprache und damit ist das Thema durch. Auch der Zoll ist schnell passiert. Für die mühselig in Sochi ausgefüllten Formulare interessiert sich hier keiner. Uns ist das recht. Wir hatten etwas Sorge wegen der dort angegebenen 100 Liter Diesel in den Tanks. Angesichts der günstigen Dieselpreise waren es nun nicht mehr 100 Liter, sondern die Tanks waren komplett voll. Außerdem durfte Arthur noch als „Fotomodell“ agieren. Eine Journalistin begleitete die Immigrationsbeamten bei ihrer Arbeit und brauchte einen echten „Ausländer“ für ihr Foto. Als letztes Fahrzeug fahren wir auf die Fähre und legen 30 Minuten später in der Ukraine an.

27.07.2010

Port Kavkaz
Russland

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