Reisetagebuch

21.07. bis 24.07.2010, Russland, von Gelendzik bis zur Nehrung am Kiziltashskiy-Haff

Die Bucht von Gelendzik ist ein Paradies für Wasserfreunde – und sportler aller Art. Wir können hier fliegen und segeln miteinander verbinden und schauen dabei dem Leuchtturmwärter ins Fenster: ein traumhaftes Erlebnis. Es folgen weniger schöne Stunden: erst legt es uns auf der Nehrung am Kiziltashskiy Haff flach, dann GeU.

Aber fangen wir bei einem der Highlights der Reise an. Schon mehrfach hatten wir entlang der Küste Boote gesehen, die Fallschirme hinter sich herzogen, an denen Menschen hingen. Keine Frage, das reizte uns auch. Nachdem wir in Gelendzik im Cafe waren, um Mails zu schauen und die Internetseite zu aktualisieren, bummeln wir weiter über die Uferpromenade, die sich inzwischen über etliche Kilometer fast um die gesamte Bucht zieht. GeU waren wir fast am südlichen Ende losgeworden. Hier war alles noch sehr neu: Häuser, Hotels und die Uferpromenade mit ihrem künstlich angelegten Sandstrand. Auch in Gelendzik setzt man wie überall an der russischen Schwarzmeerküste auf den (vor allem noch einheimischen) Tourismus. Denn so voll wie es überall ist, muss die Nachfrage groß sein. Auch hier quetschen sich die Menschen dicht an dicht an den Strand, der aber immerhin aus Sand ist. Dazu kommt das übliche Angebot mit Buden, Spielgeräten usw.
In der Nähe der großen Pier sehen wir dann das große Werbeschild für „Parashot“. Zum Glück ist gerade ein Englisch sprechender Gast da, der uns die wesentlichen Fakten zu den Kosten und zur Abwicklung übersetzen kann. Wir müssen nur noch Geld besorgen, unsere Computer ins Auto bringen und Badezeug anziehen.
Dann gehen wir an Bord eines sehr gut motorisierten Bootes. Zunächst dürfen wir zuschauen, wie zwei junge Russinnen „in die Luft“ gehen. Dadurch haben wir das Glück, erst am Ausgang der Bucht an der Reihe zu sein. Wir werden mit Schwimmweste und einer Art Sitz versehen, der in den Fallschirm eingeklemmt wird. Und kaum gibt der Bootführer Gas bzw. zeitgleich wird der Schirm ausgefahren, geht es die Luft. Unter uns ist nur noch Wasser. Wir schweben an einem circa 50 Meter langen Seil durch die Luft, genießen Sonne, Wind und die Aussicht, u.a. auf die Steilküste außerhalb der Bucht, wo ein Leuchtturm steht. Dort können wir fast – weil auf gleicher Höhe schwebend – hineinschauen. Ein unvergesslicher An- und Ausblick. Außergewöhnlicher als segeln, was eigentlich mein Weihnachtsgeschenk – als Gutschein – gewesen wäre.
Als wir wiedereingeholt werden, werden wir getauft – durchaus von der Schiffscrew geplant, die das Ganze auch mit unserem Fotoapparat festhält. Bis zum Bauch tauchen wir ins warme Wasser des Schwarzen Meeres ein, dann geht es noch einmal ein Stück hoch, um dann auf dem Heck des Bootes „zu landen“. Es war ein tolles Erlebnis, das wir noch mit einer Runde Schwimmen vom Boot ausklingen lassen.
Zurück in Gelendzik müssen wir uns beeilen, zu unserem GeU zurückzukommen. Ein kräftiges Gewitter mit Regen zieht auf. Es schüttet mal wieder kräftig und es gibt beeindruckende Blitze am Himmel. Wirklich niederschlagsfreie Tage haben wir auf dieser Reise selten. Aber im Gegensatz zum Beginn gibt es auch reichlich Sonnenschein mit entsprechender Auswirkung auf die Temperatur.
Auf unserem weiteren Weg Richtung Nordwesten verändert sich die Landschaft relativ schnell. Die Ausläufer des Kaukasus-Gebirges nehmen ein Ende. Die bergige Landschaft geht über in eine wellige Landschaft mit deutlich offener Vegetation, dazu gehören auch Melonenfelder, Obstbäume und Wein. Hier soll es auch trockener als in der Region um Sochi sein.
Wir fahren durch Novorossijsk durch. Hier hat Russland einen seiner wichtigsten Häfen, weil dieser am zugänglichsten liegt. Er ist entsprechend groß und wird von vielen großen Schiffen angelaufen. Leider stolpern wir nicht über einen Lkw-Reifenhändler, können aber an einer Tankstelle auf Kreditkarte über 600 Liter Diesel für unter 50 Cent pro Liter in unsere Tanks gießen.
Auf der Nehrung des Kiziltashskiy Haffes wollen wir einen Pausentag einlegen. Dazu versorgen wir uns reichlichst in Anapa in einem riesigen Supermarkt. Die gibt es doch in Russland! Bislang waren wir eher in kleinen Läden gewesen. Ich laufe mal wieder ganz begeistert durch die Gänge und quäle meinen Mann, der mehr auf systematisches Durchlaufen steht bzw. noch mehr auf systematisches Abarbeiten der Einkaufsliste – die es aber mal wieder nicht gibt!
Nur haben wir nicht viel von unseren „Goodies“ für den Grill. Denn am Abend, wir haben einen netten Platz auf der Nehrung kurz hinter Blagoveshchenskaya gefunden, ist mir zunächst schlecht, dann übergebe ich mich. Fünf Stunden später folgt Arthur mit der gleichen Prozedur. So liegen wir den nächsten Tag krank in unserem Wohnmobil. Was genau wir haben, ist unklar. Woher es kommt, leider auch. Wir tippen eher auf einen Virus als auf Probleme durch zu uns genommene Nahrung. So haben wir wenig von unserem schönen Platz in den Dünen. Nur einmal nutzen wir am nächsten Nachmittag das Wasser des Schwarzes Meeres, um unseren Kreislauf anzuregen. Nach eineinhalb Tagen fahren wir schließlich weiter. Zuvor hatte Arthur noch den Dieselfilter von GeU gewechselt, weil der immer häufiger die Geschwindigkeit selbst regulierte bzw. hin und wieder auch den Motor ausgehen ließ.
Doch unsere Fahrt ist genau 643 Meter lang und endet in einem Wasserloch. Das hatte es leider in sich und es rumpst gewaltig. Wir kommen zwar noch mit eigener Kraft wieder „raus aus dem Loch“, haben aber unsere vordere Stoßstange verloren und überrollt. Aber noch viel schlimmer ist, dass es aus dem Kühler leckt und ein Anschlussteil aus Aludruckguss für das Kühlwasser am Motor abgerissen ist. Das ist alles gar nicht gut und beendet zunächst unsere Fahrt an Ort und Stelle.

24.07.2010

Nehrung am Kiziltashskiy-Haff
Russland

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