Reisetagebuch

16.07. bis 21.07.2010, Russland, von Sochi bis Gelendzik

Wir erleben mal wieder ein wahres Kontrastprogramm: erst Natur pur im Sache-Tal mit großem Badevergnügen für alle Beteiligten, auch für das Ungetüm, dann russisches Camping- und Strandleben umgeben von Vergnügungsständen in Nebug. Dann wiederholen wir diese Reihenfolge verkürzt im Psada-Tal und in Gelendzik.

Das Foto vom Sache-Tal im Reiseführer hatte es uns sofort angetan. Dazu hatten wir etwas gelesen, dass ein geländegängige Fahrzeug benötigt wird. Da müssen wir also hin. Als wir den Text genauer lesen, haben wir unsere Zweifel, denn die 33 Wasserfälle im Sache-Tal sind ein sehr beliebtes Ausflugsziel, auch von Sochi aus. Von den Wasserfällen soll man aufgrund der Menschenmenge nicht viel sehen. So verzichten wir auf die Wasserfälle, die zu dieser Jahreszeit eh nur Rinnsale sein werden. Aber wir geben uns dem Offroad-Vergnügen hin.
Hinter dem Ort Dorf Bolsoy-Kirmaj endet die Straße. Ab hier bringen alte russische Lkw und Jeeps die Touristen zu den Wasserfällen. Diese sitzen eng gequetscht auf den drei Sitzbänken auf der Ladefläche. Da haben wir es in unserem Auto bequemer. Aber es schaukelt auch bei uns kräftig, als Arthur mit GeU durch den Fluss mit seinem Kiesuntergrund fährt. Die Wassertiefe von etwas mehr als einem Meter macht GeU keine Probleme. Da wissen wir doch, warum wir ihn haben. Auf einem Stück Rasen mitten im ebenfalls sehr grünen Tal direkt am Flusslauf bleiben wir stehen und legen einen Pausentag ein. Wir beobachten die vielen Lkws und Geländewagen beim Durchqueren des Wassers und gehen im Fluss baden: erst unsere Wäsche, dann Arthur, dann ich und am nächsten Morgen ist auch für GeU Badezeit angesagt. Ich filme das Badevergnügen. Das Ergebnis ist in unserer Videogalerie zu sehen. Beim Herausfahren aus dem Sache-Tal bleiben wir noch bei den auf die Touristen wartenden LKWs stehen. Das gegenseitige Interesse der Fahrer ist groß. Arthur bestaunt die V8-Motoren. Zum Glück waren gerade mehrere Fahrerhäuser geklappt. Deren Fahrer hätten vermutlich auch nichts dagegen gehabt, wenn auch wir das Fahrerhaus geklappt hätten.
Vom Sache-Tal wollen wir uns nach Nebug verlegen, knappe 100 Kilometer weiter nördlich. Also eine Sache von gut zwei Stunden. Wir brauchen mit Mittagspause sieben Stunden, weil wir zwischendrin für zehn Kilometer zweieinhalb Stunden benötigen. Warum sich der Stau gebildet hat, bleibt unklar. In Tuapse löst es sich auf. Die Küstenstraße ist wohl einfach überlastet. Zwischendrin besichtigen wir noch einen Dolmen, eine Art Hünengrab. Diese gibt es hier zuhauf. Sie sind bis zu 5.000 Jahre alt. Massive Felssteine wurden in diesem Fall dafür ausgehöhlt.
Nebug ist ein kleiner Küstenort. Der Reiseführer erwähnt einen Tauchladen am Strand. Das ist Arthurs Ziel. Unverhofft landen wir auf einem russischen Campingplatz. Wir sind hier zunächst das einzige Wohnmobil. Erst spät am Abend fährt ein Hymer-Wohnmobil vorbei. Hier wird noch richtig gezeltet, also auch mit Planen über den vermutlich nicht wasserdichten Zelten. Mit Blick auf das Schwarze Meer haben wir einen Standplatz und werden kräftig von der Musik um uns herum „berieselt“.
Am Abend, als der Regen nach einem durchgängig bedeckten Tag aufgehört hat, gehen wir „auf Tour“. Es gibt die klassischen Eis- und Getränkestände sowie Buden, die Strandutensilien und Souvenirs verkaufen. Außerdem gibt es eine Vergnügungsmeile ähnlich wie ein Jahrmarkt mit Fahrgeräten und diversen Spielständen. Nur zwei Fahrgeräte haben schon englische Bezeichnungen. Sonst ist es hier „russisch“. Das war auf Georgiens Vergnügungsmeile anders. Wir finden Gefallen an „Fantastic Jump“, einem großen Trampolin, auf dem wir nacheinander „angeleint wie Fallschirmspringer“ springen. Das hat etwas! Arthur bekommt an den nächsten Tagen von den ungewohnten Bewegungen heftigen Muskelkater. Gerne wären wir noch Kart gefahren, aber neuer Regen kommt dazwischen. Hier sprechen uns junge Russen auf Englisch an und fragen uns, was wir hier machen. Mit der Antwort „Urlaub machen“ können sie wenig anfangen: „Why Russia!“. Wir beobachten noch eine Weile russische Touristen, die zu life gesungener russischer Pop- und Schlagermusik auf der Straßen tanzen. Zum Mitmachen hätten wir vermutlich erst die Cocktails trinken müssen, die unseren Abendausflug auf Nebugs Vergnügungsmeile abschließen. Da wir die Karte nicht lesen können, verständigen wir uns mit einigen Brocken Englisch. Das wird ausgenutzt! Wir bekommen den teuersten Cocktail der Karte: stolze 12 Euro pro Stück. Er hat trotzdem geschmeckt und der Abend hat Spaß gemacht.
Am nächsten Tag scheint die Sonne wieder. Während Arthur auf seine Tauchpartnerin mit Englisch-Kenntnissen wartet, repariert er die Tankgeber der Zusatztanks, während ich unsere Internettexte schreibe. Am Abend hat es Christina, Arthurs Buddy für das Tauchen im Schwarzen Meer, endlich an die Küste geschafft. Das Tauchen wird auf den nächsten Morgen verlegt, da wir inzwischen schon beim Grillen sitzen. Das ist die Gelegenheit, um mit unseren Nachbarn in Kontakt zu treten. Einige berichten uns, dass sie bei der russischen Armee in Deutschland waren. Der IFA ist etlichen bekannt. Und es kommt zu einigen Tauschgeschäften: Beil gegen Fleischspieß, Fleischspieß gegen unseren Korn. Nur einen Vodka hat uns noch keiner angeboten, obwohl es im Supermarkt eine reichliche Auswahl gibt.
Die Supermärkte sind auch hier gut sortiert. Nur das klassische Grillfleisch finden wir nicht so richtig. In Sochi hatten wir den ersten Versuch unternommen, Fleisch zu kaufen. Aber die Fleischtheke ist leer. Man kann wohl noch seine Wünsche mündlich äußern, aber hier fehlen uns die Worte. Auch die nächsten besuchten Läden haben nicht das, was uns vorschwebt. Ich entscheide mich am Ende für tiefgekühlten Wildlachs: sehr lecker, aber sehr fett. Wie gut, dass wir unseren Korn noch hatten.
Nach zwei Tagen Campingplatzleben und Arthurs Tauchgang an einem Schiffswrack an der Hafenmole von Tuapse fahren wir weiter und wiederholen unsere Kontraste. Wir übernachten im Tal der Psada. Es ist enger und führt weniger Wasser als das Sache-Tal, aber auch hier gibt es die Lkw-Transporte von Touristen. Dann wollen wir in den Badeort Gelendzik, um dort eventuell segeln oder „parasailen“ zu gehen.

21.07.2010

Gelendzik
Russland

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