Reisetagebuch

13.07. bis 16.07.2010, Russland, Sochi

Die Stadt Sochi ist der Urlaub- und Kurort an der russischen Schwarzmeerküste und überzeugt seit je her durch seine Sonnenstunden und sein subtropisches Klima. Hier stehen alle Zeichen auf Sonne, Strand und Spaß sowie auf die olympischen Winterspiele 2014, die schon jetzt den Ort prägen. Der Reiseführer verspricht viele Attraktionen, so dass man hier einen gesamten Urlaub verbringen kann. Wir suchen uns einige interessante Unternehmungen für drei Tage aus.

Das Wetter meint es so richtig gut mit uns, als wir ankommen: strahlender Sonnenschein. Es ist auch nicht mehr so schwül wie in Trabzon. Das gefällt uns. Aber auch hier sehen wir an den nächsten Tagen wieder sehr dunkle Wolken am Himmel, allerdings gibt es nur einige Tropfen Regen. Dafür läuft auch so das Wasser an uns herunter.
Campingplätze soll es hier nicht geben. Nach drei Tagen glauben wir es wirklich: hier wird in den vielen Hotels übernachtet. Wer in Sochi, an der russischen Rivera, Urlaub machen kann, zeltet nicht. Angesichts unserer Ankunft am späten Nachmittag wollen wir uns daher direkt im Süden in der Nähe der Agura-Schlucht einen Übernachtungsplatz suchen. Da die Straßenführung, die willkürlichen polizeilichen Umleitungen und die Beschilderung es uns nicht einfach machen, irren wir ein wenig umher. Positiv nennen wir die Rumirrerei von nun an „Erweiterung unserer Ortskenntnis“. Unser Track im GPS sieht entsprechend beeindruckend aus. Am Ende unserer Irrfahrt landen wir unbeabsichtigt am Berg Achun, wo wir ein Plätzchen am Rand der Straße finden. Hier verbringen wir unbehelligt die erste und dritte Nacht. Da wir fast schon auf dem Berg Achun sind, laufen wir am nächsten Morgen trotz des bedeckten Himmels zu Fuß hoch. Leider kommen wir nicht auf den Aussichtsturm hoch, da wir noch keine russischen Rubel haben und Euros hier noch nicht angenommen werden. Der Servicegedanke ist hier oben ohnehin noch nicht angekommen. Das macht aber auch nichts, da der Berg in den Wolken liegt. Es war also nur ein Spaziergang durch den dichten Wald zum Wachwerden. Die Aussicht holen wir zwei Tage später nach, als wir wieder am gleichen Ort übernachtet haben. Diesmal rollen wir aber mit GeU hoch und genießen die Aussicht auf die hügelige Küste rund um Sochi und in die Ausläufer in das Kaukasus-Gebirge.
In der zweiten Nacht – nunmehr tatsächlich an der Agura-Schlucht – werden wir einmal vertrieben: auf dem Parkplatz des Restaurants „Kaukasischer Aul“ will uns der Besitzer nicht haben, fünfzig Meter vor seinem Tor hat er kein Problem mehr mit uns. Also stehen wir dort. Die Gegend um Sochi hat ein subtropisches Klima mit entsprechender Auswirkung auf die Vegetation. Es gibt einen dichten Bewuchs und es ist richtig sattgrün. Einen guten Eindruck dazu bekommen wir bei unserer Wanderung durch die Agura-Schlucht. Viel Wasser sehen wir nicht mehr. Das fließt vor allem im Frühjahr, wenn im Kaukasus der Schnee schmilzt, aber das Grün wächst immer noch üppig. Von der Schlucht laufen wir auf die Adlerfelsen hoch, wo eine Prometheus-Figur steht.
Autofahren in Sochi ist ein Erlebnis: viele Staus, viele Einbahnstraßen, viele Polizisten, die schnell mal Straßen sperren, und viele Russen, die sehr fragwürdig fahren und gerne drängeln. Arthur lässt schon wie in der Türkei nicht nach, die anderen Verkehrsteilnehmer zu erziehen, leider nur mit zweifelhaften Erfolg! Aber am Ende kommen wir im Zentrum an, wo weitere Besichtigung anstehen. Hin und wieder gibt es auch lateinische Beschriftungen. Hier wird ziemlich wild geparkt. Reguläre Parkplätze sind Mangelware. Also machen wir es auch so – ohne Probleme. Wie immer testen wir, bevor wir das Auto verlassen, ob sich jemand an GeU stört: wir sitzen – meistens für die Mittagspause – hinten drin und warten, dass jemand ankommt. Kommt keiner, steht GeU gut.
Das Zentrum von Sochi ist voll mit Hotels, deren Bewohner die Uferpromenade bevölkern und das Strandleben zu allen Tageszeiten genießen wollen. Es gibt jede Menge Buden mit Strandutensilien wie Badesachen, Sonnenhüte und natürlich Sonnenbrillen (Cool sein, ist wichtig!), dazu Eis- und Getränkestände. Auffallend ist das viele Bier: viele Sorten und große Mengen. Anscheinend wird Bier nicht nur am Abend getrunken. Am Tag ziehen wir „Kvas“ vor, das Nationalgetränk der Russen angeblich seit mehr als 1000 Jahren. Es besteht aus Obst und Honig, schmeckt süß-säuerlich-malzig und löscht hervorragend den Durst. An fast jeder Ecke gibt es einen mobilen Verkaufsstand – nicht nur in Sochi, eigentlich überall.
Das Vergnügen geht am Strand und im Wasser weiter. Es gibt einen riesigen Aqua-Park mit vielen Rutschen. Auf dem Wasser sind diverse Boote unterwegs. Es gibt Jetskis und man kann sich an einem Fallschirm hängend oder auf einer Art Luftmatratze von einem Boot ziehen lassen. Nur das dichte Aneinanderliegen plus den Kieselstrand ist in unseren Augen kein wahres Vergnügen. So beschränken wir unseren Strandaufenthalt in Sochi auf eine gute Stunde. Mehr hätte unserer Haut nicht gut getan, die wir in der Türkei nicht so sehr der Sonne ausgesetzt haben.
Außerdem besuchen wir noch das Dendrarium: ein großer Park, den ein Geschäftsmann vor über 100 Jahren als Geschenk für seine Frau angelegt hat. Nach dieser langen Zeit haben sich die Bäume aus aller Welt so richtig entfaltet. Alleine 80 der 120 Kiefernarten gibt es hier zu bewundern. Wir verzichten auf das Nachzählen und genießen das Grün zusammen mit den vielen Pavillons und Skulpturen.
Dass Sochi Olympiastadt wird, ist überall zu sehen. Es gibt ein Informationszentrum, es gibt Unmengen von Plakaten mit „Sochi 2014“, es wird um freiwillige Hilfskräfte für die Olympischen Spiele geworben und selbst in den Blumenbeeten sind die olympischen Ringe schon jetzt verewigt.
Nach drei Tagen Stadt wollen wir zurück in die Natur. Die Ausfahrt aus Sochi ist nicht ganz einfach. Überall, also ungefähr alle 100 Meter, stehen Polizisten herum. Warum wissen wir nicht. Es könnte sein, dass Ministerpräsident Putin in der Stadt weilt. Seine Sommer-Datscha ist am nördlichen Ende von Sochi. Wir bekommen von den Polizisten unterschiedliche Anweisungen, wie wir fahren sollen. Die einen weisen uns Richtung Süden, der nächste hat damit ein Problem. Die Protokollerstellung kann Arthur mit 10 Euro „Bonus“ für ihn abwenden. Der nächste will uns nicht auf der Hauptstraße haben, so dass wir eine Weile auf Nebenstraßen herumirren. Dann kehren wir entnervt auf die Hauptstraße zurück und kommen, oh Wunder, eine Weile ohne weiteres Anhalten durch die Stadt. Nur kurz vor dem Ortsausgang stört sich noch mal jemand an uns, aber angesichts von Sprachproblemen und Arthurs vehementer Wiederholung des nächsten Küstenortes dürfen wir weiterfahren. Das erfolgt meistens in Schrittgeschwindigkeit. Die Küstenstraße in den Hügeln der Kaukasus-Ausläufer ist dem Verkehrsaufkommen mit ihren zwei Spuren und ihren vielen Kurven bei weitem nicht mehr gewachsen. Aber wir haben ja Zeit und sind nicht auf der Flucht.

16.07.2010

Sochi
Russland

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