Reisetagebuch

25.06. bis 02.07.2010, Türkei, Kackar-Gebirge bzw. von Yerilay bis Arhavi

Wir haben es tatsächlich ins Kackar-Gebirge geschafft und erleben vier wunderschöne Wandertage, kommen zu Fuß immerhin auf fast 3000 Meter Höhe, erleben Sonnenschein und tolle Ausblicke sowie im Gegensatz dazu eine sehr eingeschränkte Sicht von nur wenigen Metern. Da kann man sich selbst mit GeU verstecken. Und gemäß der Devise „einen haben wir noch“ (hoffentlich!), gibt es auch noch eine weitere Kompressor-Story zu erzählen.

Aber wir fangen mal beim Schönen an: Das Kackar-Gebirge erhebt sich direkt an der Schwarzmeer-Küste. Ausgangspunkt für die meisten Touren ist das Dorf Ayder auf 1.300 Metern Höhe. Bis hier hin gibt es eine Asphaltstraße und am Sonntag herrscht hier kräftiger Auftrieb. Die große Bergwiese ist voller Menschen, die hier sitzen, tanzen und natürlich grillen. Aber auch oberhalb von Ayder wird jede Möglichkeit am Rand des steilen Weges, der entlang eines Gebirgsflusses läuft, genutzt, um zu parken und zu grillen. Schnell haben wir einen besonders schönen Platz direkt am Fluss ausgemacht, nur müssen wir warten, bis unsere Vorgänger fertig gegrillt haben. Dann parken wir um und verbringen hier die erste Nacht gut umhüllt von Wolken. Am nächsten Morgen dann strahlend blauer Himmel. Also schnell in die Wanderschuhe und los geht es zu Fuß.
Leider haben wir erst jetzt den Hinweis auf einen Trekkingführer mit Wandertouren in den Kackar-Mountains im Lonely-Planet entdeckt. Daher haben wir nur geringe Infos zu den Wegen. Wir laufen einfach die Straße weiter hoch, kommen an einer Art „türkischen Campingplatz“ vorbei, wo vermutlich am Tag zuvor kräftig etwas los war. So berichten jedenfalls die Müllmengen. Nach gut eineinhalb Stunden und 600 Höhenmeter erreichen wir das Dorf Yukari Kavron. Es ist sehr ursprünglich, erinnert uns an die Dörfer rund um das Annapurna-Massiv und hat eine minimale touristische Infrastruktur. Wir trinken Tee und schauen, ob wir hier irgendwo im Dorf mit GeU parken können – wenn wir denn über die Brücke am Dorfeingang hinweg kommen. Als ein mit Holz beladener Lkw ins Dorf kommt, ist diese Frage beantwortet. Aber so richtig finden wir keinen Platz, wo wir keinen stören würden bzw. uns keiner stören würde. Also genießen wir noch ein wenig die Aussicht auf die höheren Berge mit Schneeresten und laufen dann wieder herunter zu GeU, um mit ihm weitgehend wieder hoch zu fahren. Kurz hinter dem Dorf hatten wir eine Parkbucht gefunden, hatten die Koordinate genommen und sie auf einen Meter genau mit GeU erreicht. Da mittlerweile wieder Nebel aufgekommen ist, sieht uns hier kaum einer. Nur sorgt der Nebel auch dazu, dass unser geplantes Grillen nicht ins Wasser fällt, aber vom Nebel aufgesogen wird. Nach zwei Stunden geben wir uns geschlagen. Die Kohle will nicht durchglühen, also wird das Fleisch in der Pfanne gebraten und selbst auch dem Herd tun wir uns schwer, die Kartoffeln zu garen. Wir sind in einer Höhe von 2.200 Metern. Da kocht das Wasser schon bei geringerer Temperatur mit entsprechender Auswirkung auf die Garzeit.
Am nächsten Morgen laufen wir nun von unserem höheren Ausgangspunkt noch weiter hoch. Wir verlassen im Dorf den Weg und marschieren quer Feld ein einfach höher. Als es einen Fluss zu überqueren gibt, gebe ich auf. Arthur schafft es noch etwas höher. Dann müssen wir aber wieder absteigen, da Wolken aufkommen.
Im dichten Nebel fahren wir zurück bis Ayder und pflegen unsere Muskeln in den heißen Quellen. Sauber geht es dann wieder auf den ersten Übernachtungsplatz zurück und es folgt das gleiche Programm wie bereits am ersten und zweiten Wandertag. Am dritten Wandertag laufen wir einen anderen Weg hoch, erkunden, wo wir uns später mit GeU hinstellen können, und fahren mit ihm am Nachmittag hoch. Hier gibt es nur wenige Häuser, die meisten scheinen nur im Sommer bewohnt zu sein. Diesmal kommt der Nebel nicht so früh (kurz nach Mittag), sondern so richtig gar nicht. Wir haben auch am späten Nachmittag und Abend Aussicht aufs Tal und die Berge und erleben wieder ein Gewitter mit leichtem Hagel. Am vierten Tag folgen wir dem Tipp einer türkischen Wandergruppe. Rechtsseitig hoch soll es zu einem See gehen. Dem ist auch so. Auf 2.700 Meter Höhe ist ein sehr klarer, aber auch sehr kalter See. Ich genieße hier eine Weile den Seeanblick, Arthur läuft noch auf den Pass hoch, von wo es herunter zum Dorf geht, wo wir am ersten Tag waren.
Beim Wandern gefällt uns natürlich die Aussicht auf die Schneebedeckten Berge, die Sicht nach unten, wenn möglich, das Rauschen der vielen Gebirgsbäche und die farbenfrohe Flora. Die vielen Blumen decken die gesamte Farbpalette ab. An vielen Hängen gibt es Rhododendren-Büsche. Mehrfach sehen wir Frauen, die Blüten pflücken. Der Tee aus diesen Blüten soll gut gegen Halsschmerzen und Husten sein. Außerdem gibt es immer wieder Bienenstöcke, manche in den Bäumen, manche mit Stacheldraht umzäunt. Denn in den Kackar-Mountains gibt es Bären. Wir sehen leider keine – in GeU wären wir ja sicher. Dafür schauen mehrfach Kühe sehr neugierig in unser Wohnmobil und schubbern sich auch schon mal an unserer Leiter und unseren Reifen.
Gut gelaunt kommen wir von unserer vierten Tour zurück und finden zahlreiche Menschen an unserem Wohnmobil vor. Ein junger Mann übersetzt für uns. Wir hätten mit dem Auto Aufmerksamkeit auf uns gezogen, da wir hier Blumen pflücken würden. Ob man unsere Rücksäcke und das Auto durchsuchen dürfte? Wir finden das zwar reichlich albern, aber öffnen die Rücksäcke, die natürlich nichts außer die Reste unseres Picknicks enthalten. Also verzieht sich die Gruppe mit dem Polizisten, um nach wenigen Minuten noch mal vorzusprechen. Nun hätten wir hier unerlaubt gecampt. Parken ist erlaubt, übernachten im Zelt auch, aber nicht im Caravan. Daher sollten wir jetzt sofort nach Ayder zurückfahren. Von diesen Verboten wissen wir nichts, davon steht auch nirgends etwas (schauen extra bei der Ausfahrt, wo wir den Eintritt zum Nationalpark gezahlt haben) und die ersten drei Nächte, wo wir deutlich sichtbarer und an befahrenen Stellen standen, hat sich auch keiner an uns gestört. Außerdem stehen auch an anderen Stellen über Nacht Fahrzeuge und Zelte. Wir ärgern uns darüber und darüber, dass wir uns ärgern und beschließen, das Kackar-Gebirge zu verlassen. Gerne wären wir zwar noch den dritten Weg hochgefahren, um eine letzte Wanderung zu machen. Dann halt nicht. Wir hatten auch so schöne Eindrücke.
Wir fahren zurück an die Küstenstraße und tun uns etwas schwer, einen Platz für die Nacht zu finden. Die Küstenstraße geht wieder direkt am Meer entlang, ohne, dass wir an den Strand kommen. Am Ortseingang von Arhavi erblicken wir einen Fischereihafen, nur muss man dafür durch eine Unterführung. Unserer Meinung nach ist die nicht hoch genug für GeU. Ein Mopedfahrer ist anderer Meinung und winkt uns durch. Es hat gereicht, aber mehr als zwei Zentimeter Luft nach oben gab es nicht. Und im Fischereihafen finden wir einen Platz genau nach unserem Geschmack. Die Fischerhäuschen werden heute weniger für die Boote genutzt, sondern dienen als Ferienhäuser. Ein türkisches Paar, das über 20 Jahre in der Schweiz gelebt hat, spricht uns an. Wir dürfen hier bleiben und da es uns so gut gefällt, legen wir einen Pausentag ein. Arthur organisiert sich und seine Buchhaltung und ich kann eine Waschmaschine nutzen! Das ist doch angenehmer als mit meinen Eimern. Als Dank dafür gibt es deutsche Schokolade. Außerdem konnte sich GeU noch nützlich machen, um ein Fischerboot aus dem Wasser zu ziehen. So lässt es sich leben.
Ach ja, da war ja noch die Geschichte vom Kompressor. Unsere Hoffnung (siehe letzter Tagebucheintrag) hielt 20 Sekunden. Dann war die Dichtung durch. Weitere 20 Sekunden später platzte der Luftdruckschlauch. Aber das brachte uns auf die entscheidende Lösung, denn anscheinend arbeitet der Kompressor absolut korrekt, nur kann der aufgebaute Druck nicht entweichen bzw. sucht sich andere Entweichungsmöglichkeiten, die ihn zerlegen bzw. anderes zerlegen. Arthur schaut sich daher mal das Überdruckventil im Druckregler an. Sieht so weit ganz gut aus. Aber könnte vielleicht die Kartusche des Lufttrockners verstopft sein? Nach 15.000 Kilometern damit könnte das sein, nur haben wir keine neue dabei.
Also laufen wir zu Fuß in den nächsten Ort, fragen an der ersten Werkstatt nach Hilfe und erleben wieder einmal die türkische Hilfsbereitschaft. Wir werden mit in eine Ansammlung von Autowerkstätten genommen, die aber nur auf Pkw spezialisiert sind. Wir brauchen aber ein Teil für einen Lkw. Wir werden nach einer Runde Tee nach Trabzon verwiesen, bekommen einen Zettel mit, auf dem steht, wo wir dort hinmüssen und wohin wir am Ende zurückmüssen, also der Ort, wo GeU steht. Also bewegen wir uns mit einem Dolmus fort (wenn GeU nicht will, können wir auch anders!), so heißen hier die Minibusse zwischen den Orten. Den Laden von Mann-Filter hatten wir schon bei unserem Aufenthalt in Trabzon gesehen. Hier gibt es die Kartuschen. Außerdem werden noch zwei Ventilblättchen aufgetrieben, während wir schon wieder Tee trinken. Zurück bei GeU begutachten wir noch etwas genauer die Luftdruckleitungen. Arthur macht den Versuch, sie durchzublasen. Nichts. Auch mit der Luftpumpe (die wir sonst zum Grillanmachen nutzen) nichts. Da muss was drin sein. Ja, Schmodder. Der Öl-Wasser-Abscheider der Luftdruckanlage ist so voll mit Schmodder, dass auch die Leitung blockiert war. Also suchte sich der Luftdruck andere Wege und killte Dichtungen, Ventile und Schläuche – immer wieder. Wenige Gramm stoppen mal wieder unseren Neuntonner. Nun sind wir wirklich zuversichtlich, die Tage in den Bergen waren ohne Probleme verlaufen. Ich will nicht mehr über unseren Kompressor schreiben müssen! Wirklich nicht!

02.07.2010

Arhavi
Türkei

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