Reisetagebuch

23.06. bis 25.06.2010, Türkei, Sumela bzw. von Trabzon über Sumela bis Yerilay

Es ist unglaublich: wir haben endlich Zeit auf unserer Tour. Arthurs Prüfung in Deutschland ist vorbei, die Ararat-Besteigung haben wir abgesagt und in Russland dürfen wir frühestens in knapp drei Wochen einreisen. Also erkunden wir in Ruhe das Kloster Sumela, eins der Highlights einer Türkei-Rundreise – so der Lonely Planet.

Das Kloster liegt 45 Kilometer südlich von Trabzon. Nach einer gemütlichen Start sowie dem Verstauen und dem Einbau der Ersatzteile in unser Ungetüm erreichen wir es rechtzeitig – zum großen Regen mit bis zu ein Zentimeter großen Hagelkörnern. Also Mittagessen, Mittagschlaf und Einbau des neuen 220-Volt-Sinuskonverters. Zum Abend wagen wir uns trotzdem noch einmal nach draußen in die feuchte, neblige Klosterumgebung. Das Kloster liegt 300 Meter höher als der Parkplatz, auf dem wir zusammen mit drei italienischen „Yoghurtbechern“ (so bezeichnen wir gerne mal „normale“ Wohnmobile) stehen und ist nicht zu sehen. Trotzdem können wir der Gegend mit ihrem Klima etwas abgewinnen und laufen ein Stück die steile Straße hoch. Belohnt werden wir dafür mit einem Blick auf der Kloster, das in den Felsen hängt. Wir freuen uns auf den Besuch am nächsten Morgen und hoffen auf Sonne.
Dem ist zunächst nicht so. Wir laufen den steilen Weg zum Kloster zu Fuß hoch, den die meisten meiden, weil sie sich lieber mit Kleinbussen zum zweiten Parkplatz bringen lassen. Der Weg ist steil, aber schön, wir brauchen statt der angegebenen 40 nur 25 Minuten.
Das Kloster hängt wirklich in den Felsen und wurde im sechsten Jahrhundert nach Christus gebaut. Seit 1923 wird es nicht mehr als Kloster benutzt. Von unten wirkt es durch seine bis zu acht Geschossen. Bei der Besichtigung nimmt man davon nichts wahr, da nicht alle Bereiche zur Besichtigung offen sind. Hier besticht es durch seinen Bau direkt in die Felsen und durch seine tollen Blicke auf die Landschaft nach oben (jenseits der Baumgrenze) und nach unten ins Tal mit seiner grüner Vegetation und auch den immer wieder vorbeiziehenden Wolken. Erwähnenswert sind zudem die Fresken aus dem 9. bis 19. Jahrhundert, die leider in Teilen durch frühere Besucher in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Warum müssen Menschen etwas in so etwas Schönes kratzen und kritzeln?
Den Weg zurück wollen wir über die Straße gehen und freuen uns auf den Ausblick vom Aussichtspunkt aufs Kloster – nur kommen uns neue Wolken in die Quere. Aber wir sind einfach mal geduldig und warten auf bessere Zeiten, die auch kommen. In der Sonne wirkt alles noch viel schöner. Aber die Sonne scheint nicht ewig. Wir haben gerade wieder unseren Parkplatz erreicht und haben im Restaurant unter einem Vordach Platz genommen, als der nächste Hagelschauer kommt. Das hätte unterwegs sehr unangenehm werden können, denn die Temperatur kühlt auf 13 Grad ab. Wir essen eine Forelle, die hier in den vielen Teichen des Tals gezüchtet worden ist, und gefüllte Kohlröllchen. Satt und müde verziehen wir uns in GeU zum Mittagschlaf. Später verlassen wir Sumela, fahren zur Küste zurück und fahren weiter gen Osten. Nach einer Nacht am teilweise fertiggestellten Hafen von Yerilay wollen wir eigentlich ins Kackar-Gebirge fahren, um einige Tage zu wandern.
Aber GeU macht mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Am Morgen pumpt der Kompressor mal wieder nicht. Und wer unsere Berichte gelesen hat, wird es wissen: das Ventilplättchen war mal wieder gebrochen. Also Einbau eines neuen Ventils, das Arthur mit aus Deutschland gebracht hatte. Vier Stunden später erneuter Abfahrtsversuch! Ja, nur ein Versuch, denn wir sind nicht mal 500 Meter weit gekommen, als es am Kompressor zischt. Wir schaffen es gerade noch bis zur Tankstelle, um die mehr oder weniger leeren Wassertanks zu füllen. Dann stellen wir uns wieder an unseren Platz und basteln. Eine Dichtung ist kaputt. Wir stellen nun aus unseren beiden Kompressoren einen „neuen“ zusammen und hoffen, dass diese Zusammensetzung weder Dichtungen noch Ventilblätter vernichtet. Damit das Silikon austrocknen kann, verbringen wir hier eine weitere Nacht. Jetzt heißt es Daumen drücken.

25.06.2010

Yerilay
Türkei

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