Reisetagebuch

16.06. bis 19.06.2010, Türkei, Samsun bis Trabzon

Auch diesmal fängt der Bericht mit GeU´s Zickerei an. Aber wir finden eine Ursache und eine Lösung – auch Dank der türkischen Hilfsbereitschaft und kommen dann doch noch zu dritt in Trabzon an. Zwischenzeitlich sah das nicht mehr danach aus, denn diesmal hatten wir das benötigte Teil für den Kompressor nicht mehr dabei.

Wir verlassen am Morgen nach einem bastelfreien Pausentag (Das hat schon sehr gut getan!!!) unser nettes Plätzchen am Strand kurz vor Samsun. Der ältere Herr, den wir wegen seinem akzentfreiem Deutsch für einen Landsmann gehalten hatte, war übrigens doch ein Türke. Er war zum Maschinenbaustudium nach München gekommen und war nach 35 Jahre in München in die Türkei zurückgekehrt.
Allerdings basteln wir etwas, bevor wir Kurs auf Samsun nehmen. Doch die neue Schraubringverschraubung am Kompressorrohr hätten wir uns sparen können, denn sie war nicht die Ursache für das Pfeifen am Kompressor. Das erfahren wir aber erst später, denn zunächst läuft es ganz gut. Wir versorgen uns noch in einem Carrefour-Supermarkt mit Lebensmittel und wollen möglichst weit kommen. Man weiß ja nie. Genau so ist es, als Arthur nach knappen 100 Kilometern feststellt, dass der Kompressor nicht mehr arbeitet und der Druck abfällt. Leider sind es noch gute 20 Kilometer bis zu den im Reiseführer beschriebenen Campingplätzen bei Ünye. Bis dahin werden wir definitiv nicht kommen. Zum Glück taucht in diesem Moment ein Schild mit „Camping“ auf, nur kommen wir von unserer Fahrbahnseite nicht dahin. Leider müssen wir erst auf einen U-Turn warten. Wir rechnen daher schon mit einem Stillstand auf der Autobahn-ähnlichen vierspurigen Straße. Die Anspannung im Auto ist deutlich zu greifen. Der U-Turn kommt, wir kehren um und rollen ohne den Gebrauch der Bremsen und der Kupplung, um Luft zu sparen, auf die Auffahrt des Campingplatzes. Die vielen Bäume machen die enge Einfahrt zum leichten Abenteuer, da der Kupplungskraftverstärker wegen des gefallenen Drucks schon nicht mehr arbeitet. Wir erkundschaften kurz und ohne Festsetzen der Handbremse und rollen dann in letzter Minute in die erstbeste Lücke. Es hat nicht viel gefehlt und wir hätten mitten auf dem Weg gestanden, weil GeU automatisch seine Federspeicherbremsen festgestellt hätte, die sich nur mit Luftdruck lösen lassen. Nun stehen wir nur leicht schief, aber wir stehen auf einem Campingplatz und nicht irgendwo an der Straße. Allerdings sind die sanitären Anlagen „gewöhnungsbedürftig“.
Unsere Vermutung ist, dass sich wieder das Ventilblättchen im Kompressor verabschiedet hat. Neue wird Arthur erst nächste Woche aus Deutschland mitbringen. Also wird das wohl unser Standort für die nächste Woche sein. Arthur wird wohl von diesem Campingplatz den Weg zum Flughafen nach Trabzon antreten müssen, was leider noch zwei Übernachtungen in Trabzon mit sich ziehen wird. So soll es dann wohl sein.
Da wir keine Eile haben, genießen wir erst einmal das Nichtstun unter den Bäumen bei leichter Brise und mit Blick auf das Schwarze Meer. Die Türken lieben solche Plätze vor allem zum Grillen, aber auch zum Baden. Wir beobachten, wie junge Mädchen und Frauen ins Wasser gehen. Die Bandbreite ist breit: vom Bikini über komplett bekleidet bis gar nicht baden ist alles dabei.
Aber natürlich wollen wir Gewissheit haben und bauen am Nachmittag den Kompressor auseinander. Auch wenn wir auf dieser Reise generell wenig Aufmerksamkeit auf uns ziehen, aber sowie Arthur das Fahrerhaus kippt, gibt es doch meist neugierige männliche Zuschauer. Das muss genetisch bedingt sein! Zum Glück! Einer dieser Zuschauer ist unsere Rettung. Als wir das kaputte Ventilblättchen in den Händen haben, kann es dem älteren Herren gar nicht schnell genug gehen. Sehr siegessicher, so ein Teil im nahen Ort Terme aufzutreiben, zieht er mit Arthur davon. Eine halbe Stunde später sind die beiden wieder da – mit einem Blättchen aus einem MAN-Kompressor, nur etwas kleiner geschliffen. Und Tee hat es in der Werkstätten natürlich auch noch gegeben.
Nun müssen wir nur noch die Ursache finden, weil es wäre auf Dauer doch sehr mühselig, alle 100 Kilometer das Ventilblättchen zu erneuern. Arthur hatte bereits am Morgen mit den IFA-Leuten in Ludwigsfelde telefoniert. Das brachte ihn auf die richtige Spur. Die unterste Dichtung war zu dünn, daher litt das Ventilblättchen und brach dann relativ schnell. Da wir inzwischen auch nicht mehr alle Dichtungen dabei haben, schneiden wir uns aus dem ebenfalls in Terme gekauften Dichtungsmaterial neue Dichtungen. Man kann den IFA auch mit der Nagelschere reparieren!
Und dann wird tatsächlich alles gut – bis auf weiteres. Am nächsten Morgen rollen wir weiter. Wir genießen den tollen Strand in Caka (laut Lonely Planet einer der schönsten an der türkischen Schwarzmeerküste) und bummeln durch den Hafen von Persembe. Vor der Küste sind zahlreiche große Fischfarmen. Die Nacht verbringen wir direkt am Schwarzen Meer mit viel Meeresrauschen. Und dann kommen wir ohne Probleme nach Trabzon. Hier stehen wir nun auf dem Parkplatz eines Parks bzw. eines großen Einkaufszentrums. Arthur fliegt am Montag früh nach Deutschland und ich werde hoffentlich zwei ruhige Tage haben.

19.06.2010

Trabzon
Türkei

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