Reisetagebuch

03.06. bis 06.06.2010, Rumänien, Constanta bis Bulgarien, Malko Tarnovo

Die Tage sind geprägt von „Stadt, Land, Meer“. Nach der Besichtigung von Constanta ist die Grenze nach Bulgarien schnell passiert. Wir verleben einen wunderbar erholsamen Pausentag am Schwarzen Meer, besichtigen die Altstadt von Nesebär und wandern ein wenig im Süden Bulgariens.

Constanta ist die zweitgrößte Stadt Rumäniens. Der Reiseführer verspricht eine „pittoreske Altstadt“. Wir kommen zunächst durch den Badevorort Mamaia hinein und sind erstaut über die Vielzahl der Hotels und Wohnanlagen, die in einem erstaunlich guten Zustand sind. Die Altstadt ist dagegen in einem anderen, zum Teil arg verfallenen Zustand und von „pittoresk“ eher weit entfernt. Es gibt zwar manch schön restauriertes Haus. Dazu gehört das Nationalmuseum und die Ovid-Statue, aber es gibt viele Häuser, die einfach nur verfallen sind. Teilweise fehlt schon das Innenleben mit Wänden und Fenstern. Auch das im Reiseführer als Wahrzeichen der Stadt aufgeführte und als „imposantes Jugendstil-Gebäude“ beschriebene Kasino am Schwarzen Meer ist in einem bedauernswerten Zustand. Hier wird insgesamt noch viel Farbe und Mörtel gebraucht. Abschließend besichtigen wir noch das Mosaik-Museum, wo das größte und am besten erhaltene römische Mosaik der Welt mit 850 Quadratmetern zu sehen ist, das 1959 bei Bauarbeiten zufällig entdeckt wurde.
In Constanta gelangen wir bislang auf die einfachste Art ins Internet. Arthur ortet mit seinem Handy ein offenes WLAN. Da ich meinen Computer aufgrund des durchgebrannten Ladewandlers nicht mehr im Wohnmobil laden kann, können wir uns nicht direkt auf die Straße setzen, sondern setzen uns in das Cafe hinein. Aber in den nächsten zwei Stunden interessiert sich kein Mensch für uns, während wir das Internet und die Steckdose nutzen.
Zu Constanta zu erwähnen ist noch das Parken von GeU und das Mittagessen am Hafen: Als wir die Altstadt nahezu erreicht haben (dazu mussten wir auch nur ein Lkw-Verbotsschild missachten), fahren wir den erstbesten Parkplatz an. Es ist der Parkplatz einer Bank, die zugleich die rumänische Nationalbank ist. Der Parkplatzwächter kommt herbeigelaufen, aber nicht um uns zu verjagen, sondern um uns einen Platz – zwischen den Blumenbeeten – vorzuschlagen. Um wenigsten einmal in Rumänien Essen gewesen zu sein, gehen wir am Hafen Fisch essen: Scampis als Vorspeise und gegrillter Zander bzw. Forelle mit rumänischen Kartoffeln und viel Knoblauchsauce als Hauptspeise. Sehr satt verlassen wir das Restaurant und sind gerade mal umgerechnet 20 Euro losgeworden.
So rollen wir zur Grenze nach Bulgarien, wo wir den Bulgaren eher die Pässe aufnötigen müssen. Schnell ist auch die Vignette für GeU erworben. Nun machen wir uns auf die Suche nach einem Platz für einen Pausentag. Auf den russischen Digitalkarten hatten wir uns einen Track zu einem Strand ausgesucht. Zunächst passt der Weg perfekt mit den Richtungspfeilen überein, dann wird der Weg aber arg eng. Arthur versucht es noch, GeU dadurch zu bekommen, muss aber kapitulieren. Hier ist schon seit Jahren keiner mehr langgefahren. Denn nun fahren alle direkt oberhalb des Strandes lang. So auch wir. Irgendwo hier am leeren Strand des Schwarzen Meeres bleiben wir für zwei Nächte stehen und verleben einen ruhigen und sonnigen Tag. Wir joggen, machen Yoga, arbeiten beide etwas für den Klimaschutz bzw. den Holzbau und gehen natürlich baden – bei 14 Grad Wassertemperatur ein zweifelhaftes Vergnügen. Das kann nur noch besser auf der Tour werden. Hin und wieder kommt zwar ein Auto vorbei, aber es interessiert sich keiner für uns. Um so überraschter sind wir, als plötzlich ein richtiger Wohnwagen, ich betone „Wohnwagen“, neben uns steht – 20 Meter entfernt. Wir hätten uns zwar gewünscht, dass der bulgarische Wohnwagenbesitzer 500 Meter weiter weg geparkt hätte, aber er stört auch nicht weiter und grillt wie wir am Abend. Dazu bekommen wir eine kleine Airshow durch den Agrarflieger geboten, der mehrfach über uns in steiler Kurve hinwegfliegt.
Nun wollen wir etwas mehr von Bulgarien sehen und machen uns auf den Weg zum Kap Kaliakra, laut Reiseführer eine der schönsten Küstenabschnitte Bulgariens. Hier stehen ziemlich viele Windkraftanlagen herum, die wohl in anderen europäischen Staaten abmontiert worden sind. Das Kap hat eine lange Geschichte, diverse Festungsreste zeugen davon und bietet einen schönen Überblick über die Küste und das kalte Wasser. Zügig geht es weiter südlich nach Nesebär. Der kleine Ort, UNESCO-Weltkulturerbe, liegt auf einer Landzunge und ist wirklich malerisch und pittoresk. Leider ist er aber auch touristisch überlaufen, denn einer der großen Touristenorte Bulgariens, der Sonnenstrand, liegt unmittelbar daneben. Aber nichtsdestotrotz ist Nesebär einen Bummel wert. Es gibt viele Kirchen(ruinen) auf der Landzunge, nette Häuser mit Steinsockeluntergeschoss und einem Holzobergeschoss sowie dazu noch nette Strand- und Fischerhafenabschnitte. Beim Tauchladen können wir übrigens erkunden, dass die Wassertemperatur normalerweise höher ist, aber wegen Kälte noch nicht getaucht wird. Und wir nehmen eine Kostprobe der bulgarischen Küche: wieder frischer Fisch mit Bratkartoffeln, aber dem Ort entsprechend dreifach so teuer wie zwei Tage zuvor in Rumänien.
Nach einer Nacht 40 Kilometer vor der Grenze und etwas im Landesinneren unternehmen wir eine kleine Wanderung, um unsere neuen steigeisenfähigen Wanderschuhe einzulaufen. Auf den russischen Digitalkarten hatte Arthur einen Treck rund um den höchsten Berg (auch nur 400 Meter hoch) erstellt. Zunächst läuft es gut, nur dann kommt ein Stück „Irren durch den Wald“, weil das Navigationsgerät im Wald nur zeitweilig korrekte und eindeutige Richtungsangaben macht. Arthur schwankt zwischen zwei Aussagen „Hier ist der richtige Weg“ und „Das Gerät macht mich wahnsinnig“. Bis auf kurzfristige Einschränkungen ist die Wanderung trotzdem nett und das Querfeldeinlaufen trägt noch etwas mehr zu unserer Kondition bei.
Außerdem haben wir uns in Bulgarien über die jungen, wenig bekleideten Frauen am Straßenrand gewundert. Bei der ersten dachten wir noch, ihr ist vielleicht zu warm. Aber bei der Dritten waren wir uns einig: Prostituierte auf dem Straßenstrich Bulgariens.
Und damit stehen wir vor der türkischen Grenze.

06.06.2010

Malko Tarnovo
Bulgarien

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