Reisetagebuch

31.05. bis 01.06.2010, Ukraine, Izmail bis Rumänien, Dunavatu de Jos

Und mal wieder kommt alles anders. Nach einem gemütlichen Start auf „unserem Deich“ wollen wir in Ismail fragen, was die Reifenlieferung macht und uns für die nächsten Tage mit Lebensmittel versorgen. Der Reifen soll mittlerweile mehr kosten, als seiner Zeit in Deutschland und das Lieferdatum schwankt auch noch – natürlich nach hinten. Also Abfahrt nach Rumänien. Wir taten uns schwer, in die Ukraine hineinzukommen. Und wir tun uns auch schwer, wieder herauszukommen.

Zunächst rollen wir munter zur Grenze. Alle haben gute Stimmung: GeU und somit auch wir. Es ist seit langem ein Tag, wo wir mal nicht irgendetwas am Ungetüm schrauben und nervös auf Motor- und Reifengeräusche hören. Wir erreichen die Donau und gelangen auf eher grottigen Straßen zum Grenzübergang bei Reni.
Um nach Rumänien zu gelangen, müssen wir erst einmal nach Moldawien ein- und wiederausreisen. Aber zuvor eben aus der Ukraine ausreisen. Es geht gut los. Der erste Stempel auf dem „Grenz-Laufzettel“ ist schnell drauf. Wir dürfen ein Stück weiter rollen. Und dort treffen wir auf einen Zöllner, der uns leider gar nicht mag. Ihm fehlt der Stempel der „Ecologica“. Vielleicht war es falsch, diesen Stempel als unwichtig abzutun. Wir fahren jedenfalls zurück und kommen nach wenigen Minuten mit dem Stempel zurück. Nun müssen wir eine Zollerklärung machen, die, wie es in Deutsch drauf steht, eigentlich bei der Einreise erfolgt (bei uns nicht) und dann abgestempelt mitgeführt werden soll. So würde sie ja auch Sinn machen.
Wir geben also einiges an, wie Medikamente und Bücher sowie natürlich das Auto. Beim Bargeld geben wir nichts an – weder nein noch ja, obwohl wir natürlich Euros dabei haben, die wie immer versteckt in GeU lagern. Aber dank einer nach den Israelis gründlichsten Durchsuchung des Autos werden sie gefunden. Der junge Kollege mit sehr rudimentären Englisch-Kenntnissen durchsucht nach dem Bargeldfund eher widerwillig das Wohnmobil. Ihm ist vermutlich schnell klar geworden, dass wir keine Betäubungsmittel und Waffen dabei haben, nur einfach viel Kram, gut und kompakt verstaut. Daher brauchen wir auch immer eine gewisse Zeit, bis alles wieder verpackt ist und wir das nächste Fach angehen können. Was ihm Spaß macht, ist die Box mit den Schneidringverschraubungen. Denn man erkennt auf ihr die ehemalige Armee-Beschriftung „Handgranaten“. Er macht sich ein Foto mit seinem Handy, stört sich aber nicht weiter an ihr – ist ja auch inzwischen etwas anderes drin.
Mit dem Beutel mit unserem Bargeld machen wir uns nach einer Stunde Autodurchsuchung ins Büro des Zöllners. Wir bekommen zu hören, dass wir “ein ganz großes Problem“ wegen dem Geld und „ein kleines Problem“ wegen dem Diesel in den zahlreichen bei der Durchsuchung entdeckten Ersatzkanistern haben. Wie nun eine Lösung aussehen kann, bekommen wir vermutlich mangels Englisch-Kenntnisse nicht zu hören. Oder man pokert auf einen Teil der Euro-Tüte – immerhin knapp eintausend Euro. Wir erklären jedenfalls mehrfach, dass wir davon ausgingen, dass – wie beim ADAC beschrieben - nur Beträge über 10.000 Euro zu deklarieren gewesen wären und dass das Geld aufgrund der “großen Gefahr“, eins über den Kopf zu kriegen, im Auto lag.
Wir bleiben auch dann noch ganz ruhig, als uns der Zöllner erklärt, dass die Reise für das Auto an dieser Grenze „finish“ sei und wir nach Deutschland laufen müssten. Als Alternative wird uns eine Rückfahrt nach Ismail mit Blaulicht angeboten. Auch der zwischenzeitlich herbeitelefonierte Vorgesetzte will oder kann nicht zu einer Lösung beitragen. Mit unserer Ruhe haben wir wohl richtig in unserem Interesse reagiert. Sehr viel schneller als von uns erwartet, werden die Zollerklärungen gestempelt und verschwinden im Schrank. Arthur bekommt unsere Geldtüte zurück und soll, ohne dass es die Moldawier mitbekommen, die beiden Kanister wieder ins Auto räumen, die eine Weile neben dem Auto standen. Nur haben die Moldawier ihre Büros für Immigration und Zoll im selben Haus und hatten zwischendrin mal Übersetzungshilfe geleistet. Dennoch bekommen wir unseren Ausreisestempel und dürfen fahren, nachdem die Moldawier gestempelt haben. Was die ganze Show bei der Ausreise sollte, bleibt uns verborgen. Auch wenn wir nach außen völlig ruhig geblieben waren: wirklich gebraucht hatten wir diese Story nicht. Wir glauben zwar, dass nichts in den Computer eingegeben worden ist, aber mal schauen, was für eine Freude wir haben werden, wenn wir nach der Umrundung des Schwarzen Meeres wieder in die Ukraine einreisen wollen.
Nur müssen wir jetzt noch wieder aus Moldawien ausreisen. Dieser Grenzübertritt erfolgt problemlos nach zwei Kilometern. Bei der Einreise in die EU ist uns nicht ganz wohl angesichts unserer Diesel-Kanister. Aber es ist wie nach Hause kommen. Die Rumänen wollen uns erst zur Lkw-Schlange schicken. Aber schnell wird erkannt, dass wir ein „mobile home“ sind. Wir werden nett auf Englisch begrüßt. Die Deutsch sprechende Zöllnerin schaut ganz kurz hinten rein und fragt nach Wein und Bier. Von beiden haben wir zwei Flaschen dabei. Es dürften laut ADAC alleine 90 Liter Wein sein. Dann heißt es „Gute Reise“. So muss es laufen.
Und dann läuft es auch gut weiter. Wir übernachten kurz vor Galati neben der Straße und erleben mal wieder ein Gewitter und heftigen Regen. Am nächsten Morgen finden wir ohne Probleme und bei geringer Missachtung von Lkw-Verbotsschildern die Fähre über die Donau, die auch 40-Tonner mitnimmt. In Tulcea bummeln wir einmal über die Uferpromenade, wo ohne Ende Deltatouren angeboten werden. Auch hier durften wir eigentlich nicht hineinfahren. Es gab aber nur eine Alternativroute, die uns an Industrieruinen in den Hafen und in eine Sackgasse geführt hatten. Aber es stört sich auch keiner an uns. Auf einer neuen Straße (der Reiseführer hatte eher eine Herausforderung für einen Allradwagen versprochen) gelangen wir nach Dunavatu de Jos und parken an einer Pension direkt am Wasser und grillen. Am nächsten Tag wollen wir eine Bootstour durch das Donaudelta machen.

01.06.2010

Dunavatu de Jos
Rumänien

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