17.09.2019, Montenegro, unterhalb von Zekova Glava und Crna Glava

12.09.2019 bis 17.09.2019, Albanien, Vermosh, bis Montenegro, unterhalb von Zekova Glava und Crna Glava

Wir verlassen tatsächlich Albanien – nach insgesamt 43 Nächten in drei Etappen. Schön war es! Nun wollen wir nach den ersten zwei Tagen in Montenegro hier noch einige Nächte stehen und die Tage vor allem zum Wandern nutzen – liegt ja nahe, wenn das Land schon „schwarze Berge“ heißt. Wir haben landschaftlich grandiose Touren aus dem Rother-Wanderführer ausgewählt und werden mit Top-Ausblicken belohnt, nicht nur beim Wandern. Am Ausgangspunkt der Wanderung zu Zekova Glava und Crna Glava stellen wir uns trotz des Wildcamping-Verbots in Montenegro einfach hin und genießen den Ausblick aus und neben GeU auf die Bergwelt.

Gibt es noch was zu Albanien zu schreiben? Wir waren beide im Vermosh-Tal noch joggen, ich am Abend, Arthur am nächsten Morgen. Es war eine ausgesprochen schöne Route weiter ins Tal mit der Hochebene und gehört vom Panorama zu den Top-Joggingtouren bei mir. Ich habe es vor Begeisterung gleich übertrieben und werde dafür mit kräftigem Muskelkater bestraft.

An sich wollten wir im Vermosh-Tal noch unsere letzten albanischen Leks ausgeben. Aber es gibt wirklich keinen Laden, die Restaurants sind alle zu und der Bauernhof/Campingplatz will leider kein Schafsfell verkaufen. Die Begründung lautet „today close“ – nun ja! So werden nur noch die Wassertanks mit kaltem Wasser gefüllt.

Der Übertritt nach Montenegro erfolgt am bislang kleinsten Grenzübergang. Es gibt sogar eine Schranke, die erst nach der Kontrolle der Ausweise geöffnet wird. Bei den Montenegrern erfolgt das schon elektrisch auf Knopfdruck!

In Gusinje ist eine andere Welt als in Vermosh. Montenegro ist einfach weiter in der Entwicklung – eine Aussage ohne Bewertung, ob es nun gut oder schlecht ist. Hier gibt es diverse Geschäfte und eins nimmt auch unsere Leks, jedenfalls die Scheine. Die Münzen kommen später bei Lufthansa ins die Spendenbox.

Von Vusinje, ein paar Kilometer weiter in den Bergen, wandern wir die Tour Nr. 14 aus dem PoB-Wanderführer. Sie führt uns vom Grlja-Wasserfall, wo die Wassermassen aus dem Ropojana-Tal im Fels verschwinden bis zu den Ali-Pascha-Quellen, wo das Wasser wieder aus dem Boden kommt. Beides ist wegen des niedrigen Wasserstandes zu dieser Jahreszeit nicht sehr spektakulär, aber es ist trotzdem eine schöne Wanderung, die uns aber beide erstaunlich anstrengt. Das Joggen am Abend zuvor bzw. am Morgen lässt grüßen.

Schon in Albanien haben wir uns oft über den Müll geärgert, der überall herumliegt. Das ist in Montenegro nicht besser – auch wenn es diverse Schilder mit „No Littering“ gibt.

In Montenegro ist wildes Campen offiziell nicht erlaubt, aber die ersten drei Nächte ist es für uns kein Problem. Die erste Nacht stehen wir bis auf den Müll sehr schön am Ufer des Lims, was uns aber mit fünf Grad eine kalte Nacht bringt. Die nächsten beiden Nächte sind dann wieder wärmer (8 Grad), obwohl wir auf über 1.700 Meter Höhe stehen. Wir sind die Nacht vor und nach der Wanderung um den Gebirgszug Komovi schon am Ausgangspunkt der Wanderung und haben die Stellplatzsuche etwas voreilig eingestellt. So stehen wir am Straßenrand am Ausgangspunkt der Wanderung auf dem Parkplatz der Eko-Katun Stavna, ein Restaurant mit Holzhütten zum Übernachten mit guter Nachfrage. Es ist windgeschützt. Es hätte aber wirkliche „Traumplätze“ gegeben! Hätten wir kurz vorher den Abzweig nach rechts genommen, hätten wir hinter dem Dorf unglaubliche Ausblicke vom Standplatz gehabt …

So haben wir die unglaublichen Ausblicke „nur“ während unserer Wanderung (Nr. 30 aus dem Montenegro-Wanderführer), aber die ist lang! 6 Stunden und 30 Minuten sind für die Wanderung rund um die beiden Komovi-Gipfel angekündigt. Wir starten entsprechend früh um 8.15 Uhr bei kühlen Temperaturen.

Noch hängt eine Tischdecke über den Komovis und einzelne Wolken am Himmel. Es ist aber schon sonnig, fühlt sich aber ein wenig herbstlich an! Die Tour ist als TOP-Tour gekennzeichnet und dem Urteil schließen wir uns zu 100 % an! Es ist eine der schönsten Wanderungen dieser zweiten Balkan-Tour und wir haben wahrlich schon viele schöne Blicke wandernd genossen!

Wir umrunden die Komovis im Uhrzeigersinn, haben also nach rechts immer wieder fantastische Blicke auf die Berge und – da um uns herum alles niedriger ist – nach links grandiose Panorama-Ausblicke über die umliegenden Berge und Täler Montenegros. Dazu geht es mit schöner Abwechslung über offene Wiesen und durch den Wald. Hier zwischen 1.700 und 1.750 m Höhe scheint genau die Grenze zwischen Buchen- und Kiefernwald zu liegen, so dass wir abwechselnd durch den einen oder anderen oder Mischformen von Wald wandern. Immer wieder fallen uns die schief aus dem Boden gewachsenen Bäume auf, für die wir so richtig keine Erklärung finden. Erdverschiebungen? Die meiste Zeit bleiben wir im Wesentlichen auf einer Höhe; nur zur Hälfte der Wanderung geht es über einen kleinen Pass und zum Ende durch ein hohes Tal. Dabei kommen wir an zahlreichen Hochalmen vorbei, die allerdings teilweise völlig verfallen sind und teilweise wieder als Wochenend- bzw. Ferienhäuser genutzt werden. In Carine ist eine Selbstversorgungswanderunterkunft eingerichtet. im Wald finden wir noch alle Waldfrüchte (Erd-, Him-, Blau- und Brombeeren) und genießen sie.

Da wir einmal etwas abgekürzt haben und ein paar Serpentinen weglassen, sind wir nach gut sechs Stunden reiner Wanderzeit wieder bei GeU und erwartungsgemäß gut k.o., aber nicht so müde, wie ich es erwartet hattet. Auch am nächsten Tag geht es den Muskeln erstaunlich gut. Vielleicht war es die kalte Dusche nach dem Wandern oder doch wie gehabt das Kiefernlatschenöl, das vor allem ich reichlich verwendet habe? Arthur spottete schon, dass ihm die Düfte schon reichen könnten …

Sonst ist Arthur vor allem mit dem TAM 150 6×6 beschäftigt, der gegenüber von uns steht. Er würde ein schönes Expeditionsmobil-Chassis abgeben! Seilwinde, Reifendruckregelanlage, guter Radstand, 150 PS Deutz V6 Motor; allerdings ein erbärmliches (Militär-)Fahrerhaus. Hoffen wir mal, dass Arthurs Interesse bei GeU keine schlechte Laune aufkommen lässt…

Die Luftlinie vom alten zum neuen Standplatz beträgt 15 Kilometer, auf der Straße sind es dann doch 54 Kilometer mit kurzem Versorgungsstopp in Kolasin. Hier bauen übrigens die Chinesen heftig, was auch immer.

Nun stehen wir nahe dem Ausgangspunkt für die Tour 33 rund um Zekova Glava und Crna Glava. Hier hatten wir uns den Erfahrungen von der letzten Standsuche mehr Mühe bei der Standplatzsuche gegeben. Wir wollten optimal für die Wanderung stehen! Also direkt am Weg! Ich brauchte unbedingt eine UMTS-Verbindung, um arbeiten zu können. Das habe ich gestern Nachmittag erledigt. Für den Ausblick über meinen Monitor wurde ich mit Neid bedacht, allerdings nahm nur ich den kühlen Wind wahr (Arthur natürlich auch), die Kollegen nicht.

Und wir wollten Ausblick haben …Ausblick haben wir satt – bis auf einen Abschnitt von 90 Grad schauen wir runter auf die Berge Montenegros. Wir sehen die Komovis und den Kljuc, wo wir vor zwei Jahren drauf waren. Hier kommen erstaunlich viele Wanderer vorbei, eine Drohne war auch schon da. Die Schafe guckten irritiert, was wir sind! Der Mann vom 100 Meter weit entfernten Nationalparks-Eingang ging um 15 Uhr nach Hause.

Daher sind wir heute zur Wanderung so früh gestartet, dass er noch nicht wieder da war und sind erst wieder aufgetaucht, als er um 14.55 Uhr Feierabend gemacht hatte und mit dem Golf davon gefahren war. Haben an der Ecke vorsichtig um die Ecke geschaut und zum Zeitvertreib noch eine Meditation gemacht!

Dazwischen hatten wir eine erneut wunderschöne Wanderung, mit nicht zu viel rauf und runter, aber immer mit spektakulären Blicken zu vielen Seiten und auf der Spitze des Crna Glava auch mit 360-Grad-Perspektive. Dazu gab es Blaubeeren satt. Sie wachsen hier überall, werden auch wie auf dem Pelister gepflückt, wohl nicht ganz so rabiat. Wir pflücken auch einen guten Jogurt-Eimer voll und frieren zum Teil ein. Damit ist das Gefrierfach nun auch voll…

Auch an beiden Abenden werden wir beim Sonnenuntergang mit Ausblicken der Sonderklasse belohnt. Am zweiten Abend ist es noch schöner, weil klarer. Ich poste wieder was für meine Sammlung „Geile Blicke aus dem Küchenfenster“.

Sonst ist es angesichts der 1.900 Meter frisch. Am ersten Abend haben wir noch tapfer draußen gegessen, am zweiten nicht mehr. Aber bislang ging es ohne die Heizung …

Für eine kleine Aufregung hat heute noch ein Hund gesorgt. Er lief um unser Auto herum, während wir wegen des frischen Windes im Fahrerhaus saßen und mit der Internetseite beschäftigt waren. Plötzlich hatte er eine Socke von mir im Maul – die hingen zum Trocken und Ausdunsten außen am Auto. Da waren wir beide ganz schnell aus dem Fahrerhaus raus und liefen hinter ihm her. Er hat die Socke schnell fallen lassen …