12.09.2019, Albanien, Vermosh

09.09.2019 bis 12.09.2019, Albanien, Velipoja bis Vermosh über Montenegro

Unser Badeurlaub an der Adria endet schneller als gedacht! Genau an unserem Strandstück wird ein totes Pferd angeschwemmt. Wenig appetitlich. Dazu ist schlechtes Wetter aufgekommen. Wir ergreifen die Flucht, machen in Shkoder einen Versorgungsstopp mit Aktualisierung unserer Homepage im freien WLAN eines Restaurants, um dann den Badeurlaub am Skutarisee fortzusetzen. Das erfordert einen Grenzübertritt nach Montenegro. Auch hier fliehen wir wieder wegen des ungemütlichen Wetters und stehen nach erneutem Grenzübertritt nach Albanien nun im Vermoshtal – bei einem Mix aus Sonne, Wolken und mäßigen Temperaturen, was aber auch an der Höhe von gut 1.000 Metern liegt.

Zurück zum Strandurlaub im Norden Albaniens. War das Wetter am Ankunftstag und am Samstag noch mäßig (am Samstagabend gab es rund um uns mehrere Gewitter und tolle Wolkenbilder, aber keinen Regen), schien am Sonntag die Sonne. Wir waren dankbar für den provisorischen Unterstand direkt am Strand, den wir zum Glück frühzeitig „eingenommen“ hatten, in dem wir unsere Hängematten aufgehängt hatten und uns auch selbst reingelegt hatten. Denn uns wurde später angezeigt (unsere Interpretation), dass „dieser Bau“ anderen gehörte. Wir können nur sagen, vielen Dank für die gute Arbeit. Alleine sind wir am Sonntag nicht. Aber es stört uns nicht, würden sie nur alle ihren Müll mitnehmen. Wir genießen die Sonne, die Hängematten und das Meer. Zudem sind wir mit den Texten und der Fotoauswahl für die Internetseite beschäftigt.

Letzteres setzen wir am Montag früh fort. Es gewittert erneut, der Regen prasselt auf GeUs Dach. Daher wollen wir „noch schnell“ die Texte fertig machen, die Fotos für die Best-Of-Auswahl auswählen, berechnen und beschriften, um sie in Shkoder hochzuladen, da wir bekanntlich über den Zugang von Vodafone Albania nicht in unser Redaktionssystem kommen.

Das hat vor allem mich wieder einmal arg unter Druck gesetzt. Das setzt sich fort, als wir unter „nicht optimalen Bedingungen“ in Shkoder die Seite aktualisieren. Eigentlich wollten wir uns ins Restaurant direkt am Fluss Drin setzen und dabei essen. Aber auch das WLAN lässt keinen Zugriff auf unser System zu. Also wieder raus, es wollte uns eh keiner bedienen. Arthur kommt dann aber zum Auto laufend in ein anderes offenes WLAN des Restaurants rein, also setzen wir uns ins Fahrerhaus und arbeiten an der Seite. Während Arthur eine halbwegs stabile, wenn auch nicht zu schnelle Verbindung hat, habe ich sie mit meinem Computer nicht. Mal stehe ich am Restaurant-Eingang, dann wieder im Auto, wechsele stetig die WLANs, nicht immer ist alles gespeichert. Dazu haben wir mit weit über 100 Fotos und vier Textpassagen viel zu viel abzuloaden und der Hunger und die Unterzuckerung melden sich auch kräftig zu Wort … Es waren nicht meine schönsten Stunden on Tour. Aber es wird alles gut. Die Seite ist wieder auf dem Stand und zur Belohnung gibt es leckeren Salat und leckere Fische im Restaurant.

Aber wir merken mal wieder, dass uns die Pflege der Internetseite „stresst“. Wieder einmal und nicht zum ersten Mal, auch auf dieser Tour, stellt sich die Frage, warum machen wir es. Ja, wir erstellen den Text und suchen die Fotos in erster Linie für uns aus – und erfreuen uns auch sehr, wenn andere unsere Erlebnisse verfolgen. Es ist für uns beide wichtig, unsere Erlebnisse Revue passieren zu lassen, sich noch einmal mit dem Gesehenen zu beschäftigen und auch noch mal im Reiseführer nachzulesen und wir brauchen auch den Druck der Homepage, um das Ganze zeitnah zu erledigen. Aber das braucht eben auch Zeit und es ist nicht „mal schnell“ gemacht. Wir nehmen uns vor, häufiger die Fotos von den Fotoapparaten und meinem Handy auf den Rechner zu spielen und auch Texte zu erstellen, damit wir nicht erst „vor solch einem Berg“ sitzen. Daher sitzen wir auch jetzt in Vermosh neben GeU …

Zurück zu Shkoder: Von hier geht es direkt zur Grenze nach Montenegro über den Grenzübergang bei Muriqan/Sokobin. Hier gibt es einen deutlichen Rückstau, wie wir ihn auf dem Balkan noch nicht erlebt haben. Am Ende braucht es eindreiviertel Stunden, bis wir in Montenegro drin sind. Der Grund ist ein Ausfall des Computersystems. Unser Nummernschild wird auf einem Zettel notiert, ob auch die Ausweisnummern notiert werden, kann ich nicht sehen, glaube es aber eher nicht. Das erfolgt unserer Meinung nach auf der albanischen Seite. Die montenegrische nehmen wir gar nicht war oder es gibt nur noch ein gemeinsames Häuschen!?!?! Auf jeden Fall hatte die Grenzstation auf den Ausfall reagiert und Verstärkung angefordert. Immer wieder sahen wir Autos mit Grenzern an uns vorbeifahren. Ja per Hand ist Grenzabwicklung umfangreicher als zu scannen …

Damit ist es leider fast schon dunkel, als wir die schöne Panorama-Straße östlich des Rumija-Gebirges oberhalb des Skutarisees befahren. Da es hier so gut wie kaum Parkmöglichkeiten gibt, fahren wir bis zum Abzweig in das Dorf Murici, da wir im Dunkeln nicht nach einem Stellplatz suchen wollen. Zum Glück gibt es hier einen etwas breiteren Randstreifen, wo wir ungestört und keinen anderen behindernd stehen. Denn in Montenegro ist freies Campen nicht mehr erlaubt.

Der Ausblick bei Sonnenschein auf den See ist schön, auch unten am Ufer ist es schön. Unsere spontane Idee eines Paddeltrips ist nicht umsetzbar. Irgendwas ist vor zwei Tagen am Paddelboot kaputt gegangen, so der Restaurantbesitzer und Bootsvermieter. Aber uns gefällt es hier, wenn auch die Wasseroberfläche gut von Gras bedeckt ist und man nicht einfach ins Wasser kommt. Wir stellen uns „etwas frech“ auf die hohe Pier und genießen die Ruhe des Dorfes und des Sees, schauen auf die grünen Inseln im See und die Berge dahinter und gehen baden im angenehm warmen Süßwasser (von der Pier führt eine Treppe runter, dort steht eine Leiter und schon ist man drin). Hin und wieder tauchen Touristen auf und die Nonnen vom Kloster auf einer der Inseln kommen mit dem Boot an, um einkaufen zu gehen. Nach zwei Stunden geht es mit vielen Lebensmitteln zurück.

Nur einer stört sich an uns, ein nicht zu heller Bootsbesitzer, der heute wohl kein Geschäft macht hat, aber nicht wegen uns! Am frühen Nachmittag droht er schon mal mit der Polizei und greift zum Handy, am Abend sucht er sich Unterstützung von zwei Freunden, die demonstrativ die Zufahrt zur Pier blockieren, sonst aber nichts machen. Da wir keine Lust haben, uns stören zu lassen und verziehen uns wieder – mitten beim Backen des Brots. Wir stehen wieder auf den Standplatz der letzten Nacht, wo sich wieder keiner an uns stört. Hier oberhalb des Dorfes (rund 300 Meter) haben wir wieder das albanische Netz und beobachten eine Weile den geringen Flugverkehr am Flughafen von Podgorica, aber es landen gerade drei der insgesamt 20 Maschinen pro Tag.

(Fast) täglich grüßt das Murmeltier! Am nächsten Morgen ist es wieder bedeckt, wenn es auch nicht regnet. Wir fahren also weiter, auch die restliche Strecke der Panorama-Straße bis nach Virpazar ist hübsch. Hier wächst übrigens Salbei, in Massen, aber wir beschließen, nun genug zu haben.

In Virpazar ist kräftiger Auftrieb mit Touristen bzw. mehr mit den Angeboten für Touristen. Wir überlegen kurz, von hier aus zu paddeln. Das Paddelboot wäre nicht das Problem, aber der Himmel ist nach kurzem Aufklaren wieder recht grau. Zudem wissen wir nicht, was Arthurs rechter Arm zum Paddeln sagt und wir müssten uns noch Tickets für den Nationalpark kaufen. Wir fahren weiter!

Wir fahren südlich von Podgorica zur Grenze nach Albanien auf der anderen Seite des Sees. Die kleine Verbindungsstraße, die es laut der Karte gibt, finden wir nicht und landen in der Sackgasse am Flughafen – somit auch gesehen, ist niedlich klein. Wir fahren am Stadtrand von Podgorica vorbei. Das ganze Land Montenegro hat nur 650.000 Einwohner, aber wir sehen die größten Supermärkte seit Italien. Aber selbst ich will mal nicht rein.

Bei der Ausreise von Montenegro werden wir wohl nicht im System gefunden, ist aber kein Problem. Auch in Albanien sind wir schnell wieder drin. Direkt nach der Grenze geht es wieder in die Berge. Unser Ziel ist Vermosh. Auf der Reise-Know-how-Karte ist es eine gelbe Straße, aber im Topzustand und landschaftlich schön. Vom Topzustand hatten wir gelesen, sonst wären wir hier nicht langgefahren. Pisten hatten wir nun genug. Auf bestem, ziemlich breitem Asphalt geht es hoch, auf 770 Meter Höhe, und wir blicken in ein spektakuläres Tal mit spektakulären Serpentinen. Es fehlt leider nur der Sonnenschein! Aber auch so zieht es viele Radtouristen an und ein Brautpaar, das sich am Pass fotografieren lässt.

Auch der weitere Verlauf bis Vermosh gefällt uns gut. Ich mache viele, viele Fotos, kommen mangels Sonnenschein nur in Maßen auf die Internetseite! Die Route gefällt uns besser als die Zufahrt nach Theth, die nur wenige Kilometer weiter südlich verläuft, im nächsten Tal. Es liegt an der noch grandioseren Landschaft, aber auch an der Straße. Wir sind etwas pistenmüde …

Dazu gibt es am Wegesrand Tonnen von Brombeeren zu pflücken. Die beiden Yoghurt-Eimer sind ganz schnell voll. Wir frieren fast bis an die Kapazitätsgrenze unseres kleinen Gefrierfaches ein und es gibt abends Milchreis mit Brombeeren, für heute ist Reispudding angekündigt.

Vermosh selbst ist dann weicher und in der Umgebung nicht so schroff wie Theth. Wir fahren ins Tal rein und stehen hier im derzeit wasserfreien Flussbett und genießen das Leben in und rund um GeU … Nur eine Internetverbindung haben wir hier nicht. Erstaunlich, aber auch ok. Trotzdem schade um das Datenvolumen, denn morgen ist die letzte Ausreise aus Albanien geplant.

Das Wetter bleibt wechselhaft. Wir haben nach der Ankunft Regen, die Nacht auf der Höhe von 1.000 Metern ist frisch mit 11 Grad. Der heutige Tag ist durchwachsen. Irgendwann war der Nebel weg. In der Sonne ist es warm, ist sie verhangen, erfolgt der Griff zum Fleece.

Und nach dem Wetter nun noch mal einige Worte zum Stichwort Essen: Das Gemüse- und Obstangebot ist in Albanien umfangreich. Tomaten, Paprika, Kartoffeln und Auberginen gibt es wie Melonen (leider sind die Wassermelonen zu riesig für unseren Kühlschrank, also kaufen wir nur die kleinsten der großen Honigmelonen), Pfirsiche, Aprikosen und auch Bananen immer. Bis auf die Bananen ist alles sehr günstig. Dank der Gewürze gelingt es mir, vor allem Paprikas, Tomaten und Auberginen abwechslungsreich zu verarbeiten. Yoghurt und Schafskäse ist überall erhältlich. Brot bleibt ein Thema. In den Städten gibt es Ansätze von Vollkornbrot, sonst helfen die Vorräte aus. In den größeren Supermärkten in Berat, Korca und Shkoder waren wir erstaunt, dass wir Bio-Hafermilch sowie Reis- und Sojamilch fanden. Hier haben wir für Nachfrage gesorgt. Insgesamt gibt es viele italienische Produkte. Bei der Butter haben wir in Berat drei Angestellte beschäftigt und wissen jetzt, wie wir Kuh- und Schafsmilch identifizieren. Denkbar einfach: es ist ein Tier auf der Packung abgebildet, allerdings sehr klein. Butter von Kuh ist im Verhältnis zum Yoghurt teuer. Brombeeren werden selbst gepflückt. Büsche gibt es reichlich, Beeren nicht immer, weil schon im Wachstum vertrocknet oder noch nicht reif. Inzwischen sind auch die Feigen reif. In Murici hatte ich reichlich für die nächsten Tage gepflückt.

Mehr noch als auf den Reisen zuvor stehen wir auf alkoholfreies Bier und kaufen häufiger Mal die Bestände in einem Laden auf. Albanischer Weißwein hatten wir auch schon, einmal richtig gut, einmal landeten er dann doch nach einem Abend in der Sauce des Abendessens am Tag drauf. Beim Rotwein gefällt uns die Rebsorte „Vranac“ gut. Dazu gibt es viel kalten Tee und in den Bergen auf 1500 Metern Höhe hatten wir dann heißen albanischen Bergtee, aber nicht selbstgepflückt.

Bei den Stadtbesichtigungen gehen wir wie gewohnt essen. Natürlich gibt es überall Fleisch, aber wir finden viel für unsere Gemüse-Diät, wie gegrillte Paprika, gegrillter Schafskäse, gekochte Bohnen, Blätterteigtaschen und gebratene Wildkräuter. Wie schon 2017 finden wir das Pudding-Angebot in den Konditoreien bombastisch gut und kommen in den Städten an keiner vorbei.