07.09.2019, Albanien, Shkodra

01.09.2019 bis 07.09.2019, Albanien, Fierze bis Shkodra

Es war in allen Reiseführern und Berichten zu Albanien als Highlight angekündigt und es ist ein Highlight, die Fährfahrt von Fierze nach Koman über den Koman-Stausee. Hier wird der Drin aufgestaut. Auch danach bleiben wir dem Drin treu und übernachten jenseits aller Staudämme an einem Biotop.

Wir sind früh dran, frühstücken erst am „ferry terminal“ (nicht in der Bar, sondern trotzdem unser Frischkornmüsli mit Obst und Yoghurt) und warten auf unsere Fähre, die aus Koman sehr voll beladen, auch viele Touris, kommt. Das Beladen ist Präzisionsarbeit. Einige der Fahrer lassen von der Besatzung einpacken, Arthur nicht und bekommt ein Lob: „good driver“! Mit etwas Verspätung geht es kurz nach 13 Uhr los! Die letzten Autos kommen sehr knapp, da war das andere große Allrad-Wohnmobil, das keine Reservierung hatte, auch schon verladen, aber alle finden ihren Platz.

Gut zwei Stunden erleben wir fast ausschließlich großartige Ausblicke auf Wasser und Berge. Es ist teils eng und schroff und teils etwas sanfter, weiter und mit kleinen Gehöften gespickt. Es erinnert uns ein wenig an die drei Schluchten in China und die diversen Donaudurchbrüche.

Inzwischen gibt es drei Fähren, unsere gefällt uns am besten, also alles richtig gemacht. Vor einigen Jahren war der Betrieb der Autofähren mal gänzlich eingestellt, angeblich aufgrund von wirtschaftlichen Gründen, zudem war ein Schiff gesunken. Jetzt sind alle drei Fähren – am Sonntag – gut gefüllt. Es muss sich wieder rechnen, wir zahlen 72 Euro, online gebucht, per Paypal bezahlt. Dazu gibt es „Wasserbusse“, da die Region früher vor allem über den Stausee erreichbar war. Die Karosserie eines Busses wurde auf ein Boot montiert, sieht wirklich wie ein schwimmender Bus aus.

In Koman gibt es mehrere Rampen am Anleger mit unterschiedlichen Höhen wegen des im Jahresverlauf schwankenden Wasserstandes des Koman-Stausees. Direkt danach kommt ein Tunnel, der um die Staumaurer herum führt. Da ich wegen eines Videos ausgestiegen war, muss ich sehen, wieder zu GeU zu kommen. Der Tunnel ist länger als gedacht, bestimmt 500 Meter. Aber Arthur steht in der Mitte in einer Parkbucht und wartet!

Und weil Arthur so schön recherchiert hat, hier die Infos zum Stausee: Die Höhe des Damms ist knapp 100 m hoch, also ist der Koman-Stausee entsprechend tief. Er ist der jüngste (80er Jahre) und mittlere Damm in einer Dreierkette von Dämmen entlang des Drins. Der oberste und mittelalte (70er Jahre) ist der Fierze-Damm, an dessen Stausee wir Tagen zuvor entlang gefahren waren. Vom Ende der Fährfahrt in Koman fahren wir dann am untersten und ältesten (60er) Stausee auf ziemlich übler, weil löchriger Asphaltstraße entlang und übernachten unterhalb dessen Damms.

Die drei Stauseen haben zusammen 1.350 MW Leistung und sind das Rückgrat der albanischen Stromerzeugung. Alle Anlagen wurden Anfang der 2000er Jahre mit ausländischer Hilfe modernisiert; die beiden älteren wurden noch mit chinesischer Hilfe gebaut bzw. begonnen, bevor sich der damalige Präsident Hodxa dann auch mit den Chinesen überworfen hat.

Am letzten Damm finden wir ein kleines Biotop mit Fröschen, Kormoranen und Schilf und genießen das sehr kalte Wasser. Der Boden ist von zahlreichen kleinen Muscheln bedeckt. Spricht für gutes Wasser! Wir hören hier nicht mehr nur den Muezzin, sondern auch Kirchengeläut. Am nächsten Morgen sind wir schnell in Shkoder zum Versorgungsstopp und suchen vergebens nach einer Blinkerkappe, die an irgendeinem Busch hängengeblieben ist.