01.09.2019, Albanien, Fierze

26.08.2019 bis 01.09.2019, Albanien, Bllata e Eperme bis Fierze

Nun also wieder Albanien – aber mit dem Schwerpunkt auf den Norden! Hier machen wir mal „richtig“ Strecke und bewegen uns strikt Richtung Nordwesten – wie schon lange nicht mehr. Allerdings stehen wir auch wieder immer mehrere Nächte an einem Standort, erst im Drin-Tal direkt am Fluss, dann im Valbona-Valley direkt am Weg. Wir müssen beide arbeiten, an GeU ist was zu tun und im Valbona-Valley, gehört zu den albanischen Alpen, kann man gut wandern.

Erster und einziger Programmpunkt in Peshkopi ist es, wieder online gehen zu können. Wir wollten eigentlich zur Telekom, aber die Mitarbeiterin besteht auf die Vorlage des Passes. Hier zeigen wir uns hartnäckig, denn wir sind mit Ausweis eingereist und auf dem Formular steht auch ID-Card. Ihr ist die Nummer der ID-Card zu kurz, zu lang oder was auch immer, es ist nicht nachvollziehbar. Bei Vodafone Albania ist unsere Karte dagegen schnell aufgeladen und wieder aktiviert. Inzwischen gibt es für den fast gleichen Preis (gut 12 Euro) wie vor vier Wochen 5 GB mehr, Facebook zählt extra, dafür gibt es weitere 5 GB.

Um von Peshkopi nach Kukes zu kommen, gibt es die Asphaltstraße oberhalb des Schwarzen Drins und eine Piste direkt am Fluss, Route N07 der Pistenkuh. Wir entscheiden uns trotz der angeblich begrenzten Campingmöglichkeiten für die Piste, die auch noch gut befahrbar ist und vor allem zu ihrem Ende traumhafte Blicke auf Fluss und Berge hat.

Aber zunächst suchen wir bereits nach einem Drittel der Strecke einen Platz für drei Nächte. Wir stehen 15 Meter vom Fluss und werden immer wieder freundlich von den Autofahrern auf der anderen Flussseite gegrüßt. Sonst kommt nur der Schäfer vorbei und schaut schon sehr neugierig unser Auto an – für Albanien eher ungewöhnlich. Aber wir können trotzdem in Ruhe im Fluss baden und stellen am dritten Morgen fest, dass der Wasserstand schwankt. Morgens ist es deutlich höher. Nicht weit von uns gibt es einen kleinen Damm aus einem Nebental. Hier verbringen wir übrigens erneut einen Nachmittag und Abend im Wohnmobil, wieder Gewitter, erst nur einige Regentropfen; abends bekommen wir dann doch eine volle Ladung Regen ab.

Hier erleben wir wieder per Livestream die Siegerehrung von WorldSkills, eine vierstündige Show mit Musik und Präsident Putin sowie Goldmedaillen für „meinen“ Zimmerer und „meinen“ Fliesenleger. Auch aus der Ferne ist es emotional, das „Gold for Germany“ zu hören. Mit der Bronzemedaille für die Betonbauer sind es die einzigen Medaillen für Deutschland. Die Russen und Chinesen räumen ab! Aber mit zwei Weltmeistern bin ich zwei Tage gut beschäftigt, aber happy und genieße es, dass Arthur mit fast gleicher Begeisterung WorldSkills miterlebt.

Arthur lernt für seine Heilpraktiker Psychotherapie und arbeitet an GeU. Er richtet die Gummimanschette am linken Vorderrad, stabilisiert den Tunnel provisorisch mit Blechen und findet weitere perforierte Belüftungsschläuche – nur fehlen uns derzeit neue Schläuche. Für „große Begeisterung“ sorgt die Tatsache, dass sich die Verschlusskappe für das Motoröl geöffnet hat und ein halber Liter Öl im Außenkeller ausgelaufen ist. Also hat Arthur alles ausgeräumt, gesäubert und wieder eingeräumt!

Der weitere Verlauf der Piste nach unseren zwei Pausentagen begeistert uns. Die Piste wird mit jedem Meter schöner, da das Tal enger und etwas schroffer wird. Die Anblicke erinnern uns mit den Dörfern und Pappeln ein bisschen an die Toskana, sind nur schroffer. Vor allem lässt sie sich sehr gut befahren. Wir fahren die meiste Zeit über 20 km/h. Hier treffen wir nach langer Zeit mal wieder Allradler und machen auf der Straße „ein spontanes Allradler-Treffen“ mit vier Fahrzeugen: wir, eine alte Fiat-Tupperschüssel, ein VW-Bus und ein Robur ausgebaut für 5 Personen (zwei im LAK, zwei in einem Dachzelt auf dem LAK, eine Tochter hat einen „Sarg“ auf dem Fahrerhausdach).

In Kukes erfolgt der übliche Versorgungsstopp. Bei den Dieselschläuchen ist uns Vesel, der etliche Jahre in Deutschland gearbeitet und gelebt hat, behilflich und läuft mit Arthur zum richtigen Geschäft. Auch wenn er uns hilft, dürfen wir ihn nicht zum Kaffee einladen. Er berichtet uns dabei unter anderem auch, dass der große „Sheik Zayed International Airport“ südlich der Stadt nie funktioniert hat. Er berichtet von massiver Korruption in Albanien und der „Scheiß-„Politik – ganz Albanien sei ein Schrottplatz.

Laut der Reise-Know-how-Karte fahren wir nun wieder gelbe Pisten, also untergeordnet. Aber dieses Mal sind es zwar schmale, aber gut ausgebaute Asphaltstraßen, die uns durch nicht zu stark bewohnte Gebiete auf nordwestlichem Kurs zum Valbona-Valley bringen. Die Blicke auf den hier schon beginnenden Fierze-Stausees sind grandios. Die Lichtverhältnisse sind trotz der Nachmittagssonne bescheiden, irgendwo brennt es heftig! Das Valbona-Valley ist eng, wir fahren noch ein Stück rein und finden einen Übernachtungsplatz am Rand der Piste nach Cerem. Die an diesem Tag gefahrenen 173 Kilometer sind der bisherige Streckenrekord, seit dem wir auf dem Balkan sind. Hier stehen wir drei Nächte in der Kurve, bekommen viel Staub ab, da die Straße doch befahrener ist als gedacht, was auch an der Baustelle für ein weiteres Wasserkraftwerk liegt. Der Platz ist ok, hat eine tolle Kulisse, aber hätten wir es gewusst, wären wir vermutlich noch das Stück bis zur Wiese hoch gefahren und hätten richtig ins Valbona-Valley schauen können … Manchmal gibt man zu früh die Suche auf!

Der erste Tag vergeht für mich mit dem Schreiben einer WorldSkills-Reportage, während Arthur mit GeU beschäftigt ist. Der mittlerweile fast zerfetzte Keilriemen wird ersetzt, alle Tankbelüftungsschläuche werden ausgetauscht und der Luftfilter ausgeblasen. Bei letztem bricht ein Stück vom Gehäuse ab, also wieder festkleben mit UhuPlus Sofortfest.

Am zweiten Tag wird ein Teil der zweiten Etappe des Peaks of Balkan Rundkurses (PoB) (wollen wir irgendwann mal ganz laufen) gewandert, auf der Alternativstrecke geht es zurück. Beim ersten Teil erleben wir dichten Wald, beim zweiten Teil die Ausblicke auf die schroffen Felsen der albanischen Alpen. Sonst ist noch zu erwähnen, dass wir einen gut erhaltenen IFA L 60 sehen und „bergeweise“ Brombeeren pflücken – für den Pudding am Abend, das Frühstück sowie für den Gefrierer, also für den Winter zuhause.

Am nächsten Morgen haben wir es nicht weit. Wir tun noch ein gutes Werk und wir schleppen kurz vor Bajram Curri ein liegengebliebenes Auto aus dem Kosovo ab. Dann erreichen wir kurz hinter dem Dorf Fierze den „ferry terminal“, was eigentlich nichts ist, außer eine Rampe und eine Bar, die es aber in Albanien an fast jeder Ecke gibt – immer auch gefüllt mit Menschen.