26.08.2019, Nordmazedonien, Debar

23.08.2019 bis 26.08.2019, Nordmazedonien, Bitola bis Debar

Für unsere letzten Tage in Nordmazedonien wollen wir im dritten Nationalpark, im Mavrovo, wandern gehen. Der Weg dahin ist überwiegend durch gute Straßen geprägt – bis wir den „Shortcut“ am südlichen Ende des Parks nehmen und GeU unter den Bäumen durchquälen. Stets sind wir hier auf der Suche nach einer UMTS-Verbindung, da ich aus der Ferne für die Zimmerer-Nationalmannschaft WorldSkills verfolge und bei Facebook poste.

In Bitola füllen wir zunächst unsere Vorräte, in einem super gut sortierten Supermarkt, wo es erstaunlich viel Superfood gibt. Auf anfangs sehr guter und dann passabler Straße geht es zügig nach Norden, wo wir problemlos den beschilderten Einstieg in die Straße nach Debar finden, die allerdings bald in eine gute und dann „zwischenzeitlich in eine doch ruppige Piste übergeht“, wie der Fahrer in seinem Tagebuch schreibt. Für normale Autos ist das auf jeden Fall wieder grenzwertig. Für uns liegen die Probleme weniger in der Straße als darüber. Denn die Bäume hängen so niedrig und so schmal (FK 3 laut Pistenkuh-Kategorisierung würde hier nicht mehr durchkommen), dass es dauernd scheuert, raschelt und quietscht. GeU reißt diverse Äste runter und nimmt sie mit. Der Dachgepäckträger der Dachhaube ist später gut mit Blättern gefüllt. Viel Verkehr ist hier folglich nicht. Uns kommen nur zwei Quads entgegen. Die Folge ist, dass wir am Ende einen Standplatz zwischen Bäumen und in der digitalen Einsamkeit haben. Vermutlich leben hier mehr Bären als Menschen. Für diesen Tag gibt es keinen weiteren Post mehr bei Facebook für die Zimmerer-Nationalmannschaft und auch keinen Freitags-Krimi im ZDF.

Wegen meiner Unerreichbarkeit starten wir am nächsten Tag früh – direkt nach dem Kaffee – und sind bald wieder in der netztechnischen Zivilisation! Auch die Piste wird kurz darauf wieder breiter und besser und wir begegnen prompt einem 16-Tonner. Auf wieder asphaltierter Straße geht es in das Dorf Lazaropole. Kaum bin ich online, kommen Fotos aus Kasan, ich kann also was tun und keiner hat meine Nichterreichbarkeit bemerkt. Arthur pflegt derweil unsere Homepage (von Mazedonien kommen wir auf das Redaktionssystem und müssen nicht erst ein WLAN finden, was passt). Zur „Lockerung“ folgt eine einstündige einfache und schöne Wanderung auf den Sokolica (1.471 m), von wo man einen tollen Blick über das Nachbartal mit dem Dorf Rosoki hat. Wir nutzen den Ausblick und die Ruhe für eine Meditation.

Mit einem kurzen Stopp an der osmanischen Brücke „Elen Skok“, die man aber wegen der Steilheit des Tals nicht aufs Bild bekommt, verlagern wir uns nach Janice, wo wir den Nachmittag und Abend nach langer Zeit mal komplett im Wohnmobil verbringen. Es donnert viel und regnet gemäßigt. Von hier wandern wir am Sonntag nach Galicnik, ein kleines Dorf, das heute kaum noch bewohnt wird, aber am Sonntag ein beliebter Ausflugsort ist. Es geht rund fünf Kilometer und um die 700 Höhenmeter rauf und dann noch einen Kilometer durch das sehr hübsche Dorf und den gleichen Weg zurück. Wir brauchen knapp 2 Stunden hoch und 1,75 Stunden runter und sehen wieder einmal Bärenscheiße und zig Eidechsen, von denen ein hübsches grünes Exemplar für Arthurs Fotos posiert.

Das Dorf ist in einem super Zustand, fast alle Gebäude sind gut erhalten und im Halbrund an einem Berghang angeordnet. Hier findet die berühmte Hochzeit von Galicnik im Juli statt. Im Gegensatz zu Janice und den gegenüberliegenden Orten, wo es Moscheen gibt, gibt es hier eine sehr große Kirche. Früher lebten hier 5.000 Menschen, heute deutlich weniger; die meisten Gebäude scheinen nur als Ferienwohnungen ihrer Besitzer genutzt zu werden.

Da wir nicht zu viel Essen dabei haben (Was war los mit dem Versorgungsofficer?), kehren wir noch auf einen Kaffee und Kuchen ins einzige Restaurant im Ort ein und essen richtig leckeren Käsekuchen (Das war vielleicht die Taktik der Köchin?). Den Weg runter machen wir bei 32 Grad, genießen die kühle Dusche von GeU und haben müde Muskeln. Daher geht es am nächsten Tag direkt in die heißen Quellen bei Debar, die wir schon von unserer Tour von vor zwei Jahren kennen. Wir bilden uns ein, dass das Wasser heißer ist als beim letzten Mal! Auf jeden Fall kann man nicht lange drin bleiben, aber es tut unseren Muskeln gut.

Des Rest des Vormittags erledigen wir erst die allgemeine Versorgung, inklusive Tanken, denn in Nordmazedonien kostet der Liter Diesel nur rund einen Euro, deutlich günstiger als in Albanien. Nur Bier und Wein ist schwer zu finden! Erst im dritten Laden werde ich fündig! Kurz vor der Grenze warten wir dann auf den Abpfiff bei WorldSkills in Russland. Ich wollte es nicht riskieren, dass wir in Albanien nicht sofort wieder online sind und es „verpassen“. Auch aus der Ferne sind das wieder tolle Momente. Als die Fotos gepostet sind, rollen wir zur Grenze.