23.08.2019, Nationalpark Pelister

19.08.2019 bis 23.08.2019, Nordmazedonien, Nationalpark Pelister

Fast hätten wir den Nationalpark Pelister „übersehen“. Das wäre mehr als schade gewesen. Aber zum Glück hatte Arthur Tage zuvor im Mazedonien-Reiseführer die Highlights gecheckt und ihn entdeckt. Wir füllen in Bitola die Vorräte auf, erkundigen uns im am Montag an sich geschlossenen Info-Center für den Nationalpark und finden zwei Fahrstunden und 14 Kilometer später einen traumhaften Platz, wo wir nach einer Nacht den Aufenthalt auf drei Nächte verlängern und dann noch eine Nacht hinzufügen. Muss also wirklich top sein.

Ja, so wollen wir es haben! Stehen an traumhaften Plätzen, wo wir GeU zum einen brauchen, um hinzukommen, und wo wir seine Autarkie nutzen können. So einen Platz haben wir im Pelister Nationalpark auf einer Höhe von 2.200 Metern gefunden. Wir haben fast einen Rundumblick zu allen Seiten. Wir schauen auf den großen Prespasee und unseren Standort dort am See in Albanien. Wir sehen den Pass Lipova Livada, wo von aus wir den Magaro bestiegen haben, und Bitola und sonst vor allem Natur pur. Nur der Gipfel des Pelisters ist noch 400 Meter höher. Und dort sind Antennen drauf – wir haben eine wirklich Topverbindung zur Außenwelt.

Es ist durchaus einsam hier, aber nicht zu einsam. Regelmäßig kommen Blaubeerpflücker vorbei, häufig in den jugoslawischen Nachbauten des Fiat 500, die munter so leicht wie sie sind, die grottige Piste hochholpern, also echte „Blaubeer-Hüpfer“. Blaubeeren gibt es reichlich. Da wir beide Male beim Wandern keine Behältnisse dabei hatten, haben wir den „großen Eimer“ genommen, also uns. Superfood aus den Bergen. Lecker!!!

Aber das reichlich für die Blaubeeren gilt vermutlich nur, bevor die Pflücker da waren. Die gehen ziemlich brutal an die Sache ran, kämmen die Büsche und füllen alles ab. Bis zu 30 Kilo wiegen die Säcke. Eine Pflückergruppe, denen wir dann auch Blaubeeren abkaufen, ist zu viert mit drei Mopeds hier oben. Auf jedem werden zwei so große Säcke verstaut und unten vermutlich nachbearbeitet auf dem Markt verkauft – für 3 Euro pro Kilo! Außerdem kommt immer gegen Mittag eine Gruppe von mazedonischen Fahrzeugen vorbei, mit Touristen und macht hier den Fotostopp für den kleinen See.

Ob es auch wilde Tiere gibt? Bei der mühseligen Auffahrt kamen wir zunächst durch dichten Wald. Hier ist es recht wahrscheinlich, dass Wölfe, Bären und Luchse leben. Aber hier oben, wo kaum noch Bäume sind? Wir fanden am ersten Tag einen hundeähnlichen Fußabdruck auf dem Weg. Also Wolf! Wieso? Es gab keinen Grund für Hütehunde, da wir keine Schafe gesehen haben. Aber am Tag drauf sehen wir zuerst Schafe, aber ohne Hunde, bis aus dem Schatten eines der wenigen Bäume ein wirklich wolfsähnlicher Hund aufsteht – mit wirklich großen Pfoten. Daher streichen wir die Wolfsspuren-Sichtung!

Aber wir stehen nicht nur hier oder sitzen neben GeU, sofern es die frische Außentemperatur von 12 bis 17 Grad zulässt. Vor allem der Wind weht teilweise kräftig von Osten hoch, was uns häufig ins Auto flüchten lässt. Wir wandern natürlich. Direkt am ersten Tag nach der Ankunft laufen wir auf der weiterhin grottigen Piste zum großen See (der kleine ist direkt unterhalb unseres Standplatzes). Dort gibt es eine Hütte und einige Menschen. Man könnte wohl dort übernachten. Wir nehmen hin die Piste, zurück den etwas neben der Piste verlaufenen Wanderweg, der uns zu GeU zurück führt und weiter zum Gipfel geht. Das machen wir dann an dem ersten der drei Pausentage. Die Wanderung ist schön, weil nicht wirklich anstrengend, gemäßigte Steigung, wenig geröllig. Nur die dünnere Luft merken wir etwas und der Kreislauf geht in die Knie, wenn wir wegen der Blaubeeren wieder aus der Hocke hochkommen wollen.

Erstaunlich wenig merken die dünnere Luft beim Joggen auf 2.200 Meter Höhe. Arthur macht sich gleich zweimal auf, ich am Tag dazwischen. Selten hatten wir so schöne Aussichten beim Joggen. Die Steigungen hielten sich auf dem nächsten Stück zur großen See in Grenzen, aber wir mussten schon aufpassen, auf der „grottigen“ Piste nicht zu stürzen. Für Jogger wie für GeU eine anstrengende Aktion.

Auf dem Gipfel steht wie im Reiseführer beschrieben eine Antenne, Fernsehen und Mobilfunk. Die Station ist durchgängig besetzt. Wir reden kurz mit dem Mitarbeiter, der uns erzählt, dass er sieben Tage durch arbeitet und im Winter die Zufahrt auf den Gipfel mit dem Schneemobil erfolgt. Einsamer Arbeitsplatz!

Schon nach einer Nacht verlängern wir um die dann dritte Nacht, dann legen wir noch eine Nacht drauf. Es gefällt uns einfach! Wir leben mal das, was wir lange gesagt haben: Stehen bleiben, wo es uns gefällt. Ich hatte zum Glück sogar noch genug Frisches gebunkert. Wir mussten gar nicht an die Kisten mit Pesto und Co ran. Aber eine Backmischung muss dran glauben. Es gibt daher frisch gebackenes Brot hier oben.

Denn neben den Wanderungen sind wir auch so gut beschäftigt. Ich arbeite von hier aus sehr konzentriert mit viel frischer Luft um die Nase für meine Zimmerer und Fliesenleger. Arthur lernt für seine Heilpraktiker-Prüfung. Wir lesen, wir sind mit dieser Homepage beschäftigt und wir haben das Kniffel-Spiel wieder entdeckt. Ich habe mangels eines Kniffelblocks per Hand Zettel für das Spiel erstellt.

Wir gehen alles ruhiger an. Wir merken, dass uns das gut tut. Hin und wieder denken wir daran, was es noch alles auf dem Weg nach Berlin auch auf dem Balkan zu sehen gäbe. Hatten wir uns vor zwei Jahren auf die nördlichen Länder konzentriert, konzentrieren wir uns jetzt auf Albanien, Mazedonien und Montenegro, von wo wir dann in wenigen Tagen auch in Wien sind, wo wir Ende September sein müssen.

Aber jetzt genießen wir mal das Hiersein und das war in den letzten Tagen in luftiger Höhe im Pelister-Nationalpark. Die Blicke zu allen Seiten sind immer wieder anders, je nach Sonnenstand, Sicht und Wolken. Die Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge sind auch traumhaft. Die Untergänge schauen wir meist beim Abendessen im Fahrerhaus, unser „neues Wohnzimmer“, weil wir auf dieser Tour noch nicht einmal das Bett zur Sitzgruppe umgebaut haben. Geht gut, wir müssen nur die Beleuchtungsverhältnisse etwas verbessern, nun ein weiterer Punkt auf der GeU-to-do-Liste. Für den Sonnenaufgang stellen wir uns zweimal den Wecker auf 5.00 bzw. 5.30 Uhr. Einfach toll, wie die Sonne glutrot über den Horizont kommt.

Die Antenne auf dem Pelister in Sichtweise hatten wir ja schon erwähnt. Sie und unser Datenvolumen von T-Mobile ermöglichen uns, die bombastische Eröffnungsfeier von WorldSkills 2019 in Kasan zu verfolgen. Wie wir per Whatsapp mit dem Team in Kasan klären, hatten wir wohl die bessere Sicht und vor allem englische Untertitel für die russischen Songs. Auf unseren Post bei Facebook gibt es den Kommentar: „Eine schöne Reporterkabine“. Ja, wir konnten Bier trinken und ich habe gekocht!

Gut gechillt gehen wir die Rückfahrt an. GeU und seine Reifen werden schon gequält. Wir fahren natürlich im Allradbetrieb, teilweise auf den steilen und kurvigen Passagen im ersten Gang. GeU und sein Fahrer sind gefordert (auch ein Grund, warum es Sinn machte, ein paar Tage oben zu bleiben). Ich steige wie schon auf der Tour hoch aus und halte vieles auf Video fest.