19.08.2019, Nordmazedonien, Bitola

14.08.2019 bis 19.08.2019, Albanien, Korca bis Nordmazedonien, Bitola

Nach dem durchaus lohnenswerten Bierfestival in Korca ist schnell wieder unser übliches Programm angesagt: Natur! Also Berge im Nationalpark Galicia und der Ohridsee mit Tauchen, Schwimmen und Forelle essen. Nach knapp vier Wochen haben wir Albanien verlassen und sind nun in Nordmazedonien.

Zunächst zurück zum letzten Tag in Albanien. Wir fahren vom großen Prespasee zurück nach Korca, über eine Piste (die wir zwei Tage zuvor morgens bis zum Pass hochgewandert waren), um noch einen Blick auf den kleinen Prespasee zu werfen. Klappt nicht, weil der in dieser Ecke nahezu ausgetrocknet bzw. verschilft ist. War trotzdem nett, sich eine Piste selbst zu erschließen – wie üblich mit den russischen Digitalkarten. Dabei wäre fast der Weitwinkelaußenspiegel auf Arthurs Seite abhandengekommen. Zu oft fahren große Fahrzeuge nicht auf dieser Piste, entsprechend „berührt“ GeU die Büsche und Bäume – und weg war der Spiegel. Da wir beide kurz vorher ein kurzes Klirren vernommen hatten, kann der Spiegel nicht weit weg liegen. GeU wird abgestellt, wir finden unseren Spiegel unversehrt nach wenigen Minuten. Glück gehabt. Tage später verbessert Arthur die Aufhängung.

In Korca erkundigen wir zunächst bei der Touristeninformation nach dem Bierfestival. Es gibt zwei Veranstaltungsbereiche, einmal im Basarbereich, einmal am Stadion. Uns wird ersteres empfohlen, weil passend für älteres Publikum. Passte. Dort trinken wir ab 20.30 Uhr Bier – selten so günstig. Für insgesamt sechs Biere, zwei Bratwürste und zwei Cevapcici müssen wir keine 10 Euro in Lek zahlen und genießen das Beobachten der vielen Menschen, von sehr jung bis alt ist alles dabei, und die Musik. Die Gruppe „Serenata – Grupi Nostalgjia“ singt traditionelle Stücke und erinnert uns etwas an eine Gruppe, die wir auf Hawaii gehört haben. Olsa Papandili ist mit Geige und Stimme unterwegs, eigene Stücke und Cover-Versionen. Beides ist schön. Das Bierfestival ist sehr professionell organisiert. Das Motto des Jahres lautet „forever forward“ – was uns irgendwie an den 40. Geburtstag der DDR erinnert. Dazu gibt es muntere Sprüche, u.a. „I wish you were beer“ auf dem Plakat oder „Cheer for beer“ auf den Vodafone-Medien. Vodafone Albania ist der größte Sponsor und kräftig vertreten. Es gibt professionelle Sponsorenfilme, einheitlich gekleidete Helfer und eine Müllentsorgung für die vielen Plastikbecher. Gegen Mitternacht verziehen wir uns in GeU, der mitten in der Stadt steht und wo wir eine ungestörte, nur etwas lautere Nacht als sonst verbringen.

Am nächsten Morgen rollen wir Richtung Grenze. Vor zwei Jahren hieß es noch Mazedonien, jetzt Nordmazedonien, weil sich die Griechen durchgesetzt und die Mazedonier nachgegeben haben, weil sie in die EU wollen. An der Grenze ist nichts los! Es gibt nur eine minimale Zeitverzögerung, weil es Probleme mit der Lesbarkeit unserer Ausweise gibt. Wir werden schon nach den Pässen gefragt (sind dabei, aber gut im Auto versteckt), werden aber doch nicht benötigt.

Nun sind wir zunächst etwas planlos. Noch mal See? Der Campingplatz ist wenig einladend (wollten wir nur wegen der Waschmaschine für die Bettwäsche, aber die sich vorhandene Maschinen wird uns nicht zur Verfügung gestellt) und das Seeufer für ein weiteres Wildcampen gefällt uns auch nicht. Also rein in den Galicia-Nationalpark (Infohäuschen und Kasse sind nicht besetzt) und hoch auf den Pass zwischen dem großen Prespa- und dem Ohridsee. Vor zwei Jahren war die Wanderung vom Pass Lipova Livada auf den Gipfel Magaro wegen Waldbrand nicht möglich. Die Straße war gesperrt. Nun ist alles frei. Die Info-Tafeln, die schon zweimal, erst von der KfW, dann von der GIZ, gefördert worden, sind weitgehend verblichen. Es gibt aber ein Schild und eine Zeitvorgabe für das Erreichen des Gipfels. Aber wir ziehen mal nicht sofort los. Wir üben ja auf dieser Reise das etwas langsame Leben! Also erst mal Mittagsimbiss, dann das Bier ausschlafen, Kaffee trinken und Berge genießen, also sitzen neben GeU, wovon ich ja gerne rede und wir es nun auch ausgiebig tun.

Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer nur 10 Grad Außentemperatur an, die Spitze des Magaros ist in den Wolken. Aber wir starten trotzdem gegen 9:30 Uhr. Die Wolken waren schon weniger geworden. Aber wir haben erstmals eine Thermoskanne mit heißem Tee und wärmere Klamotten dabei. Zwei Stunden waren laut Tafel veranschlagt für die Besteigung des Magaros mit seiner Höhe von 2.255 Metern. Wir brauchen 1,5 Stunden für die nette Wanderung, die gut machbar ist, aber wegen der Höhe und Steilheit des Weges teilweise anstrengend ist. Wir haben tolle Ausblicke auf Ohrid- und Prespa-See, teils und zeitweise aber von leichter Bewölkung verhangen; das Wetter wird aber besser und die Bewölkung lässt nach. Nach dem steilen Anstieg auf die Hälfte der Höhe laufen wir eine schöne Schleife mit unterschiedlichem Auf- und Abstieg und entsprechender Abwechslung bei den Ausblicken.

Der Fahrzeit an diesem Tag ist gering. Wir fahren vier Kilometer und können vom neuen Standplatz den alten (am Pass) sehen sowie drei weitere der letzten Balkantour (zwei auf der albanischen Seite des Ohridsees sowie am Hügel, wo wir uns so schön festgefahren hatten). Wir dachten zunächst, wir würden auch den Übernachtungsplatz am Tomorr sehen, aber dazwischen liegt noch eine Bergkette, die den verdeckt. Arthur bezeichnet den Platz als „goldig“ – mit Topaussicht über den Ohridsee. Er ist einer der Topplätze nicht nur dieser Tour. Wir genießen den Sonnenuntergang über den Ohridsee beim Abendessen und den Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Allerdings ist es angesichts der Höhe von um die 1.600 Metern frisch. Da wir nicht wissen, ob man hier im Nationalpark stehen darf, ist es auch etwas frech. Aber entweder sieht uns keiner, denn darauf hatten wir geachtet, jedenfalls vom nahen Aussichtspunkt über den See sieht man uns nicht, oder es stört sich keiner. Die Mitarbeiter des Nationalparks selbst sind mit Filmaufnahmen beschäftigt. Hier beobachten wir die angeblich laut Reiseführer illegalen Gleitschirmflieger ihre Runden am Hang drehen. Sieht schon toll aus!

Die Entfernung von diesem zum nächsten Übernachtungsplatz ist auch nicht weit, wenn man die Luftlinie nimmt. Auf der Straße sind es dann schon 24 Kilometer aufgrund der Serpentinen. Auch der Campingplatz Gradiste hat keine Waschmaschine, aber wir buchen uns trotzdem ein. Denn fußläufig gibt es das Museum auf dem Wasser, eine alte Pfahlsiedlung, bis zu 6.000 Jahre alt. In dieser Bucht (Mihovgrad/Bay of Bones) gibt es zudem eine Tauchbasis, um unter anderem unter den Pfählen durchzutauchen. Das reizt Arthur! So wird erst gemeinsam die Bettwäsche per Hand im großen Waschbecken gewaschen. War gar nicht schlimm!

Dann geht Arthur tauchen. Bei extrem guter Sicht sieht er noch (bewusst liegen gelassene) archäologische Fundstücke sowie diverse Muscheln (die sich bei Annäherung schließen), Schnecken, Wasserschlangen sowie Süßwasserkrebse. Er taucht alleine mit dem Betreiber der Tauchschule, der uns später berichtet, dass er das untergegangene Dorf 1997 entdeckt und an den Ausgrabungen mitgewirkt hat. Es ist nach ihm benannt worden. Eigentlich ist er aber Unterwasserbombenbergungsspezialist der yugoslawischen/mazedonischen Armee, hat in dieser Zeit 20 t Bomben gefunden und geborgen und taucht seit 36 Jahren im Ohridsee. Seine Tauchbasis ist in der Bucht des Museums wunderschön aus Naturstein gebaut. Hier könnte man schön drin wohnen.

Ich lag zunächst lesend in der Hängematte und beobachte, wie der Campingplatz mit Autos vollgeparkt wurde. Es gibt unendlich viele Dauercamper, wo der Wohnwagen gut umbaut ist und alles eher wie Holzhütten aussieht, die Küchenzeilen und Sitzgruppen haben. Witzig! Das ist auch die Erklärung, warum es keine Waschmaschine gibt. Dazu kommen die vielen Tagesgäste für die wirklich nette Badebucht am Ohridsee, die uns bald eingeparkt haben, weil sie Schatten unter den Bäumen suchen. Egal für diesen Tag, aber am nächsten Tag, als Arthur erneut taucht, passe ich auf und stelle einen Stuhl zur Sicherheit hin, damit uns nicht die Ausfahrt vollgeparkt wird. Hat geklappt, der Stuhl wurde aber mehrfach erstaunt angeschaut.

Gemeinsam besichtigen wir das Museum. Es hat Ähnlichkeit mit dem Pfahldorf in Uhldingen, ist aber erwartungsgemäß nicht so gut bzw. fast nicht erläutert. Trotzdem gibt es einen guten Eindruck, wie die Menschen vor 3-6.000 Jahren gelebt haben. Unter anderem wurden Wolfs- und Bärenfelle als Decken genutzt. Die Hütten hatten auch Öfen drinnen.

Arthur geht ein zweites Mal tauchen, sieht Millionen von Muscheln, teilweise wie Korallen auf „Bergen“ angeordnet, und eine unerklärliche Strömung. Ich hatte derweil bereits alles zusammengepackt und wir machen einen Organisationstag. Erst noch Wassertanken am Campingplatz, dann günstigen Diesel in Ohrid tanken (nur knapp einen Euro pro Liter), Lebensmittel einkaufen, neue Ohrstecker für mich kaufen (einer ist in GeU verloren gegangen oder ich habe ihn versehentlich in den Müll geworfen und nicht wieder gefunden) und Arthurs Brille reparieren lassen, da hatte sich eine Schraube verabschiedet. Zur Belohnung gibt es zum Mittagessen Ohrid-Forelle. Auf der Terrasse direkt am See, im Schatten sitzend, ist es fast schon frisch.

Auf guter Teerstraße fahren wir zügig von Ohrid nach Bitola, die zweitgrößte Stadt in Mazedonien. Zum Tagesabschluss besichtigen wir noch Heraklia und bewundern die schönen Mosaiken aus der Römerzeit von vor eineinhalb tausend Jahren im schönen Abendlicht. Auf den Mosaiken sind diverse Tiere abgebildet, unter anderem Pfauen, Rehe, Ochsen, Löwen und ein angeleinter Hund. Leider sind die Ausgrabungen entgegen dem Reiseführer eher untererklärt, das Museum geschlossen.

Da wir am Sonntag in Ohrid keine UMTS-Karte für Mazedonien kaufen konnten, steht das für Montag früh auf dem Programm für Bitola. Konnte man das in Albanien an Kiosken oder in kleinen Läden regeln, braucht es hier einen Laden von T-Mobile oder einer anderen Gesellschaft. Und alle sind voll am Montag früh – wie die gesamte Innenstadt von Bitola. Und mitten auf der Fußgängerzone liegt ein Hund und schläft tief und fest. Die Cafés – Kaffee soll das Lieblingsgetränk der Mazedonier sein – sind voll. Müssen die nicht arbeiten? Es ergibt eine angenehme Atmosphäre. Wir ziehen uns im T-Mobile-Laden eine Wartenummer, machen eine kurze Runde durch die ganz nette Stadt und kommen genau richtig wieder für den Aufruf von Nummer 111. Die Mitarbeiterin spricht zwar kaum Englisch, aber der Kauf ist schnell abgewickelt. In GeU wird die Karten in Arthurs Rechner eingelegt, um die Zugangsdaten für den Router zu googeln, dann wird der Router eingerichtet und alle unsere Geräte können online gehen . Das ist schon komfortabler als auf unserer Afrikareise vor 14 Jahren! Nun brauchen wir nur noch einen guten Standplatz mit guter Verbindung, um unser Onlineguthaben zu nutzen. Den finden wir im Pelister-Nationalpark.