14.08.2019, Korca

09.08.2019 bis 14.08.2019, Albanien, Lengerica-Canyon bis Korca

Nach den intensiven Bergerlebnissen wollen wir Richtung der großen Seen im Südosten Albaniens fahren und uns einen Eindruck von Korca machen. Korca besuchen wir am Ende zweimal, erst zum ersten Kennenlernen mit kurzem Stadtrundgang. Dann kommen wir nach vier, ruhigen Tagen am großen Prespasee wieder – zum jährlichen Bierfestival.

Nun wollen wir nach Korca. Die SH 75 ist asphaltiert, aber schmal. Es gibt zum Glück wenig Verkehr. Wir schauen auf den Fluss Vjosa und sehen zahlreiche Weinreben. Die Vjoso lockt uns, wir gehen wir noch kurz baden, sie ist wirklich frisch. Um eine Badestelle zu finden, überqueren wir den Fluss auf einer relativ neuen Brücke, die gerade so breit wie GeU ist. Sie soll aber 8 Tonnen tragen. Auch ab Leskovik, ab hier fahren wir in Sichtweite der Grenze zu Griechenland nach Norden, bleibt es die SH 75. Sie ist weiterhin schmal, wenn es wohl ein neues, ausgebautes Verbindungsstück geben soll. Kurz vor Korca ist dann die Straße neugemacht, dreispurig, immer breite Spuren, Fahrbahnmarkierung und -begrenzungen. Wie ungewohnt nach nun drei Wochen!

Hier erleben wir den ersten Regen seit unserer Brennerüberquerung vor vier Wochen. GeU wird etwas sauberer. Er sieht schon sehr verstaubt nach Allradler aus, ist eher beige als gelb. Was gibt es sonst zu GeU zu schreiben? Er schaukelt uns brav die Pisten hoch und runter, will aber auch ein bisschen Aufmerksamkeit haben. Ganz kurz dachten wir einmal sogar, die Reise könnte zu Ende sein bzw. die erste Zwangspause mit Warten auf Ersatzteile steht an. GeU zeigte plötzlich keine Leistung und qualmte heftigst beim Gasgeben. Wir waren auf enger, wenig befahrener Straße nördlich von Leskovik unterwegs (mit relativ wenig Essen an Bord). Arthurs erster Verdacht war es, der Turbo könnte es hinter sich haben. Am Ende hatten sich Motorbremse und Turbo miteinander „verschluckt“ – etwas technischer hatte sich die Drosselklappe der Motorbremse nicht wieder richtig geöffnet. Eine Aktion, wie wir sie nicht brauchten, hatten wir doch beide kurz zuvor zu uns selbst gedacht, es läuft gerade richtig gut. Läuft ja auch gut. In Korca gab es zwar wieder kleine Probleme mit der Bremswirkung, dieses Mal keine Überhitzung, sondern einer „unserer Lieblingsschläuche“ für den Unterdruck im Bremskraftverstärker hatte sich „durchgewackelt“ und musste ersetzt werden.

Vor Korca besuchen wir die Ausgrabungsstätte von Kamenica, wo Gräber aus dem 13. – 7. Jahrhundert vor Christus ausgegraben wurden. Es ist schon sehr spannend, was die Wissenschaft heute bei solchen Ausgrabung alles feststellen kann, u.a. dass ein Kopf aufgeschnitten worden war und wieder zusammengewachsen war.

In Korca steht das übliche Stadtprogramm an. Kurzer Bummel durch die Stadt. Alles recht ansprechend. Viele Bäume sorgen für ein gutes Klima. Das Basarviertel ist inzwischen neu aufgebaut worden. Viele, unserer Meinung nach zu viele, Restaurants warten auf Besucher. Wir essen bei einem „Fleischhandel“, wie wir später recherchieren. Natürlich gibt es viele Fleischgerichte, aber auch leckeres Gemüse wie gebratene Wildkräuter und gebackenen Schafskäse sowie eine „healthy bowl“ mit Avocado, Salat, Reis! Das Basarviertel ist auf „Erweiterung“ gebaut. In den Nebengassen gibt es noch zahlreiche, derzeit noch leere Läden.

Von Korca geht es schnell ans Wasser. Der große Prespasee ist unser Ziel, nur 40 Kilometer entfernt. Es ist etwas kleiner als der nahe Ohridsee und auf der Liste von Europas größten See auf Platz 67 (Ohrid auf 55, der Bodensee auf Platz 39), bezogen auf die Fläche. Er ist nicht sehr tief und verliert Wasser über einen unterirdischen Abfluss zum Ohridsee. Der Wasserstand schwankt jahreszeitlich, ist aber in den letzten Jahren um zehn Meter gefallen. Eigentlich standen wir da im Wasser.

Dort finden wir wieder einen Platz, wie wir es mögen. Fast direkt am Wasser mit Blick auf Berge zu allen Seiten des Sees! Wir beschließen sofort, hier vier Nächte, also drei ruhige Tage zu verbringen. Tagsüber kommen andere Badegäste, Albaner, und lassen mitunter ihren Müll zurück. Abends sind wir dann alleine und genießen zunehmenden Mond. Statt Schafe hören wir hier das „Bimmel-Bimmel“ der Kühe, die gerne auch im See baden gehen – wir übrigens auch, auch wenn das Seeufer mit Algen voll ist. Sonst ist das Wasser schön und erfrischend.

Aber es gibt immerhin den ersten richtigen Frühstart auf dieser Tour. Wir wandern am zweiten Tag morgens von 5.15 bis 7.45 Uhr, um die Morgendämmerung und den Sonnenaufgang zu sehen und zu genießen – mit rötlichem Himmel, toll! Bis auf einige Waldarbeiter, die wir nur aufgrund ihrer lauten Motorsäge vernehmen, sind wir alleine, aber der Weg zum nächsten Pass ist vor uns gut „bevölkert“ gewesen und jetzt entsprechend „beschissen“. Wir sehen viel Tierkot und können einiges etwas zu ordnen: Fuchs, evt. Wolf, Wiesel und andere kleine Nagetiere. Vielleicht war auch Bären-Scheiße dabei. Von der Menge könnte es passen. Wir können sogar auf seine aktuelle Diät schließen: Steinobst in größeren Menge. Die Kerne sind fast als einziges unverdaut wieder herausgekommen.

Und da wir gerade so im Ruhemodus sind, noch ein paar Worte zum Abhängen. Es gelingt uns wirklich mal gut auf dieser Reise. In Albanien haben wir mehr Pausentage als Fahrtage und die Fahrtage haben nicht viele Kilometer, brauchen aber aufgrund der Pisten mitunter ihre Zeit. Trotzdem machen wir häufig auch schon zum Mittagessen „Feierabend“. Bis jetzt gab es nur drei Plätze in Albanien, wo wir nur eine Nacht standen, sonst sind es zwei, auch gerne mal drei oder vier oder sechs Nächte. Sind wir auf dem Weg zum Dauercamper?!?!?

Außerdem genießen wir aufgrund unseres Zeitkontingents umzuplanen – vom Plan, den es nur sehr grob gibt. Eigentlich wollten wir vom großen Prespasee weiter nach Mazedonen, um deutlich günstiger Sprit zu tanken und eine Wanderung zu machen, die beim letzten Mal aufgrund von Waldbränden nicht möglich war.

Aber nun lockt doch das Bierfestival in Korca mit Musik. Wir hatten es schon abgeschrieben, da es später als zunächst gedacht stattfindet. Aber wenn dort jährlich rund 100.000 Besucher kommen, dürfen wir nicht fehlen. Also doch wieder zurück in die Stadt. Danach soll es dann wirklich nach Mazedonien gehen.