09.08.2019, Lengerica-Canyon

07.08.2019 bis 09.08.2019, Albanien, Lengerica-Canyon und Benje

Der Wohnmobilführer für Albanien empfiehlt den Lengerica-Canyon mit seinen heißen Quellen und dem nahen Dorf Benje. Es ist immer so eine Sache, wie man selbst Empfehlungen dieser Art erlebt. Hier hat sie komplett ins Schwarze getroffen! Ziemlich überraschend erleben wir ein wirkliches Highlight nicht nur dieser Tour, sondern unseres gesamten Reise-Lebens.

Kurz hinter Permet biegen wir wieder von der SH 75 ab. Es sind noch sechs Kilometer auf bester Asphaltstraße zu den heißen Quellen. Schon vom Parkplatz sehen wir, dass noch kräftiger Betrieb ist. Daher verschieben wir das Baden auf den nächsten Tag und stellen uns ans Ende des Parkplatzes hin. Ich bin erst nicht so angetan vom Stellplatz, es entwickelt sich aber. Als die meisten Besucher abgezogen sind, nehmen wir doch noch ein Bad in den Quellen. Wir spazieren über eine alte Steinbrück ohne jegliches Geländer und haben ein kleines Becken für uns. Jemand meinte noch was von „hot“ zum Wasser. Hot ist anders, aber wir sind über die Abkühlung mit dem rund 25 Grad warmen Wasser froh, das erstaunlich wenig schweflig ist. Der Tag war heiß, wir sind nur noch auf 200 Meter Höhe unterwegs und haben Hochsommer. Um uns herum schwirren mehrere Fledermäuse.

Am nächsten Morgen starten wir um 11 Uhr zu unserer Wanderung durch den Lengarica-Canyon. Zu viel Infos haben wir nicht. Gute 2,5 Kilometer kann man angeblich rein laufen, ohne wirklich nass zu werden. Es gibt auch eine Info, dass man an einer Brücke aus dem Canyon herauskommt. Wir lassen es auf uns zukommen! Unser Proviant ist in wasserfesten Rollsäcken verstaut. Wir haben Trekkingsandalen an, unsere Trekkingklamotten können nass werden, meine nicht wasserfeste Uhr bleibt im Wohnmobil – Arthurs wasserfeste Uhr leider auch!

Zu Beginn gibt es noch viele Touristen und weitere Badebecken. Schließlich kehrt der vermeintlich Letzte um und wir wandern alleine weiter und weiter und weiter…. Wir treffen erst relativ kurz vor dem Ende ein weiteres Paar, das wir überholen. Sie laufen barfuß und müssen ihren Rucksack über dem Kopf hochhaltend vor dem Wasser schützen.

Wie soll man das beschreiben, was wir in dieser Schlucht erleben? Die Schlucht ist eng, unten wie oben. Von unten wirkt es oft so, als ob man oben mit einem großen Schritt den Canyon überschreiten könnte. Die Sonne fällt nur in Teilen rein. Es gibt eine wunderbare Beleuchtung mit Licht- und Farbspielen im Wasser und an den Canyon-Wänden. Dazu gibt es pflanzliche Dekoration: Bäume in den Wänden und herunterhängende Efeu-Pflanzen. Der „Weg“ führt uns über die Sandbänke, sofern vorhanden, und durch das Flussbett mit unterschiedlicher Wasserhöhe. Zunächst bleibt es Knöchel- oder Knietief. Das Wasser ist durch Sand und Schlamm trübe. Schon bei geringer Tiefe sieht man wenig vom Grund und muss wirklich Schritt für Schritt machen, also immer die Standfestigkeit unter dem gesetzten Fuß testen. Es gibt viele kleine und große Steine. Manchmal ist es auch schlammig, bis zum Knie sinken wir ein und müssen den Fuß samt Treckingsandale wieder herausziehen. Ich habe mehrfach Sorgen, die Sandalen zu verlieren und ziehe sie mehrfach aus.

Und dann wird aus der Aktion richtiges Canyoning, wandern und schwimmen im Canyon. Das Wasser wird brusttief. Das reicht aber auch nicht für alle Strecken. Ich fange als erste an zu schwimmen, Arthur hat ja etwas mehr Länge zu bieten, muss aber auch mehrfach schwimmen. Was für ein Erlebnis mit den Blicken auf die Canyon-Wände und zum Himmel mit Sonne! Dazu sehen wir mit ziemlicher Sicherheit eine Wolfsspur auf einer Sandbank! Ziemlich frisch! Mit einem Hund läuft hier keiner mehr lang.

Es ist ein absolutes kurzweiliges Programm. Als wir bei einer kurzen Pause auf das Handy schauen (als Navi samt WLAN-Router für den späteren Rückweg mit dabei), sind über drei Stunden vergangen. Kein Wunder, dass wir bei der durchaus anstrengenden Fortbewegungsmethode Hunger hatten.

Nach gut vier Stunden sind wir am Ende und klettern ziemlich gemütlich aus dem Canyon aus und stehen auf einer Piste. Hier entsteht ein Wasserkraftwerk, von Österreichern gebaut.

Wir sind mehr als erfüllt vom Erlebten, Gesehenen und Geschafften. Den russischen Digitalkarten entnehmen wir später am Auto, dass wir 4 Kilometer und 150 Höhenmeter gemacht haben. Es waren auch hier geschätzte 35 Grad Lufttemperatur, auch wenn wir die bei der rund 25 Grad warmen Wassertemperatur nicht vernommen haben. Die Wassertemperatur schwankte übrigens, sprach für weitere heiße Quellen im Canyon. Konnte man alles gut aushalten, nur bei der kleinen Pause im Schatten wurde uns recht schnell kalt, da wir komplett nass waren.

Auf dem Rückweg haben wir großes Glück. Es hätten neun bis zehn Kilometer zu Fuß mit Steigungen hoch und runter sein können. Aber nach gut einem Kilometer kommt ein Pickup mit Mitarbeitern vom Wasserkraftwerk vorbei und nimmt uns mit. Die kurze Durchschüttelei ist doch besser als zwei Stunden Wandern in der Nachmittagssonne. Auch so sind wir gut geschafft und sitzen nur noch müde, aber happy neben GeU, schütten Getränke ins uns und mögen für die Anstrengung erstaunlich wenig essen.

Am nächsten Morgen wandern wir noch in das empfohlene Dörfchen Benje hoch. Inzwischen gibt es doch eine Piste, aber die aktive Erholung tut uns gut. Das Dorf selbst ist dank schmaler Gassen noch autofrei und gilt als eins der noch typischsten albanischen Dörfer mit einer erstaunlich großen Kirche, die leider abgeschlossen ist. Es hat einen leicht musealen Charakter, auch wenn es in Teilen noch bewohnt wird.