03.08.2019, Berat

30.07.2019 bis 03.08.2019, Albanien, Gjirokaster bis Berat

Von Gjirokaster wollen wir ins nächste UNESCO-Weltkulturerbe, in die Stadt Berat. Wir wollen Piste fahren, sonst wären weite Umwege zu fahren. Wir sind gespannt, wie es sich auf einer Piste fahren lässt, wo die Landkarte den einzigen Hinweis „only 4×4“ hat. Die 100 Kilometer Piste sind schon „huppelig“. Erholen tun wir daher nach gut der Hälfte mit zwei Pausentagen weitgehend in „the middle of nowhere“, in den Bergen auf einer Höhe von 700 Metern. Ganz nach unserem Geschmack. Abgeschlossen wird diese Etappe dann mit einem „Verarbeitungsnachmittag“ vor den Toren von Berat. Am Ufer des Flusses Osum stehend schreiben wir Tagebuch und sortieren Fotos. Dabei schauen uns sogar die Kühe über die Schulter.

Nach der zweiten Übernachtung an der Drin fahren wir zunächst auf Asphalt auf der SH75 nach Kelcyre. Die Kelcyre-Schlucht hat recht schroffe Felswände in einem engen Talboden und türkises Wasser im Flussbett. In Kelcyre biegen wir auf die SH74 ab. Hier hat die Karte den Hinweis „only 4×4“ vermerkt. Übrigens nur einmal auf der gesamten Karte für das gesamte Land. Es bleiben noch 14 Kilometer Asphalt und dann schreibt der Fahrer folgendes:

„Schlagartig hört der Asphalt auf und die Piste schlängelt sich schnell und teils steil den Berg hinauf. Hinter uns fährt noch ein Opel Vivaro ohne Allrad mit österreichischem Kennzeichen. Der beruhigt uns, da wir ihn für einen Albaner auf Urlaub halten, der die Strecke kennt. Wie sich dann irgendwann herausstellt, ist das aber nicht so: er wusste nicht, auf was er sich einlässt, schafft es aber auch; die Strecke ist an wenigen Stellen sehr ausgewaschen und steil und felsig, dann aber immer breit genug und nicht seitlich schräg – für mich daher insgesamt psychisch einfacher zu fahren als die S11 und S12. Als wir nach vielen Kurven und viel Gerumpel auf der Höhe ankommen, stoßen wir auf eine asphaltierte Straße – sehr zu unserer Überraschung und nur für ein kurzes Stück bis nach Buz, wo viele nicht allradgetriebene Fahrzeuge zum Markttag gekommen sind (inklusive mobiler Marktstände), die vermutlich von der anderen Seite der Strecke kommen, wo die Straße also nicht mehr schlechter werden kann. Insgesamt gibt es noch zahlreiche teils sehr schlechte Pisten, die von unserer abgehen und kleine Weiler versorgen, die aber nicht mal in den russischen 1:50.000er Karten eingezeichnet sind“

Hier suchen wir uns ein schönes Plätzchen und erzeugen keinerlei Aufmerksamkeit für drei Nächte! Das liegt auch daran, dass wir nicht zu viele Menschen sehen und von ihnen gesehen werden. Pro Tag kommen eine Handvoll Autos durch, überwiegend keine Allradfahrzeuge und pro Tag ein Offroader und einmal ein deutsches Motorrad. Ein ausländisches Paar schocken wir ungewollt. Sie wollen nach Gjirokaster und haben mit Google Maps navigiert. Unsere Aussage „noch zwei Stunden auf schlechterer Piste als gerade hier“ finden sie wenig erbaulich, wollen aber keinen Fall umkehren, weil es so furchtbar war. Der arme Mietwagen. Als wir dann weiterfahren und es deutlich weniger schlimm als auf der anderen Seite ist, denken wir immer wieder an sie. Aber sie werden schon irgendwie durchgekommen sein und haben das Abenteuer ihres Lebens hinter sich.

Es kommen zwei bis drei Schäfer mit ihren Schafen, Ziegen und Kühen vorbei, alle grüßen nett. Den ersten Tag wandern wir, den nächstbesten Berg auf eine Höhe von 1.159 m hoch, mehr oder weniger querfeldein 425 m hoch und dann querfeldein halb wieder runter und den Rest auf der schon gefahrenen Straße zurück zu GeU. Wir haben tolle Ausblicke, ein tolles Rundumpanorama, sehen eine Schildkröte auf dem Weg und treffen einen Schäfer samt Herde, der sich sorgt, dass sein Hund uns beißen könnte. Der Hund hat einfach nur Angst vor uns.

Hier entdecken wir endlich Salbei. Albanien ist der weltgrößte Exporteur von Salbei, der eine bestimmte Höhe braucht, um zu wachsen. Wir pflücken einen Joghurteimer voll und beobachten am zweiten Tag den Trocknungsprozess, mal im Auto oder davor, wenn der Wind mäßig ist.

Vor allem die Ruhe haben wir in den Bergen genossen. Alle Nächte zuvor hatten wir immer Wassergeräusche um uns herum, das Meer oder Gebirgsbäche.

Die letzten 30 Kilometer bis Berat schaffen wir ohne Probleme – in zwei Stunden! Es bleibt Piste, wie erwartet. Aber wirklich nicht schlimm, wenn auch das Herunterfahren natürlich langsam und schaukelig ist. Aber es ist eine Piste mit Verkehrsschildern. Am Ortseingang gibt es Hinweise, dass man nicht schneller als 20 bzw. 30 Stundenkilometer fahren darf. Mehr geht eh nicht. Es gibt Hinweise auf Kurven, ein Hinweis auf einen Fußgängerübergang und Begrenzungspfosten. Wer hat hier unnötig Ressourcen verschwendet?

Relativ schnell kamen wir in Bereiche, wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Es gibt viele Olivenbäume und Obstbäume, unter anderem Kirschen und Pfirsiche. Die Oliven werden zur Ölgewinnung gepresst, bzw. das was nach dem Herauspressen des Öls übrig bleibt getrocknet. An diversen Stellen liegt eine braune Pampe herum und riecht nach Oliven, aber nicht zu gut. Es wird als Viehfutter genutzt.

Zum Abschluss mal was zum Wetter! Es ist warm, aber bislang nicht heiß, also um die 30 Grad. Morgens und am Abend ist der Himmel meist wolkenlos, tagsüber kommen Wolken und mitunter kräftiger Wind auf. Auf der Piste S11 wurden wir zeitweilig von unserem eigenen Staub überholt. Regen hatten wir nur einmal, am Tag nach Gjirokaster und sorgten uns, ob das unsere Pistenvorhaben in Wanken bringen könnte. War aber nicht so. In den Bergen waren es nachts angenehm kühl, tagsüber gut. Nun kurz vor Berat ist es mit gut über 30 Grad schon warm. Durchglühen ist angesagt! Der Wind sorgt schnell für einen trockenen Mund.