26.07.2019, Borsh

16.07.2019 bis 26.07.2019, Italien, Fusina, bis Albanien, Borsh

Das Ionische Meer ist keine zehn Meter von unserem GeU entfernt. Wir stehen wie vor zwei Jahren in Borsh direkt auf dem Strand und genießen „das Nichtstun“, naja, nennen wir es mal Urlaub am Strand. Sechs Tage dient uns GeU hier als „Strandlaube“. Geplant waren drei Nächte, sechs wurden es. Es war zu schön hier. Zuvor hatten wir eine ruhige Fährfahrt mit der Asterion II von Venedig nach Igoumenitza und eine unkomplizierte Einreise nach Albanien mit ersten Besichtigungen von Butrint und der Karstquelle „Blue Eye“.

Fangen wir den detaillierten Bericht dann mal chronologisch an. Aus den 500 Metern Luftlinie vom Campingplatz bis zur Fähre machen wir zehn Kilometern. Wir fanden den Shortcut nicht mehr und sind einmal erst ins nächste Dorf und dann wieder raus gefahren. Wir waren früh gestartet, um auf dem Campingplatz noch Abwasser zu entsorgen und Frischwasser zu tanken. Daher stehen wir gute drei Stunden und warten auf das Go zum Fährebefahren. GeU ist einer von zwei Offroad-Wohnmobilen, wir unterhalten uns beim Warten und später auf der Fähre immer wieder ausführlich mit Holly und Simone, den Besitzern von Balu, einem Mercedes Kurzhauber, die auch nach Albanien wollen, allerdings kürzer als wir.

Dieses Mal haben wir eine Deluxe-Kabine zu zweit mit Kühlschrank, was anderes gab es laut ADAC nicht mehr. So weit gut, wenn es auch wieder nett gewesen wäre, einfach an Deck zu campen. Das Wetter hätte es hergegeben. So sind wir am Ende doch viel in der Kabine, genießen aber einen traumhaften Sonnenuntergang an Deck. Mit geringfügiger Verspätung geht es los und kommen wir auch an. Beim Aussteigen das übliche Chaos. Die Durchsage, dass das Schiff sofort weiterfährt, führt zum Massenandrang an den Treppen in den Schiffsbauch, nur sind die Fahrzeugdecks noch geschlossen. Wir schauen daher lieber vom Deck zu, wie das Schiff anlegt und sind immer noch rechtzeitig unten im Auto. Wir hatten unsere ursprüngliche Buchung nach Patras noch nach Igoumenitsa umgebucht, da wir dann doch so schnell wie möglich nach Albanien an den Strand wollten und nicht vorher 500 km durch Griechenland reisen wollten.

Es gibt zwar viele Gründe, in Griechenland zu bleiben, aber unser Grund lautete: Nur mit einer Übernachtung im Land erscheint das Land in der Reisestatistik. So finden wir wenige Kilometer vor der Grenze einen Platz direkt am Wasser und springen erst mal ins Mittelmeer, auch am nächsten Morgen nach ruhiger Nacht direkt noch vor dem Kaffee.

Dann geht es wirklich nach Albanien. Es sind einige Fahrzeuge vor uns, dann drängeln noch sieben Motorradfahrer vor, da sie unsere Schlange aufgrund des Schattens bevorzugen – die Motorräder stehen in der Sonne. Finden wir nur mäßig gut, aber es gibt immerhin ein Danke.

Hier in Albanien fangen wir direkt mit den Besichtigungen an. Zunächst stehen die Ausgrabungen des antiken Butrints auf dem Programm. Die Zufahrt ist an sich über Sarande, wäre aber ein Umweg. Wir nehmen die Nebenwege vom Süden und eine kleine Fähre, die uns am Seil geführt über die Lagune bringt. Neben GeU finden noch drei Autos Platz auf der Fähre, dann ist sie voll. Die Fähre und auch den Eintritt können wir zum Glück mit Euros bezahlen. Einen ATM gab es bis hierher noch nicht.

Butrint ist vor allem dadurch interessant, wer hier zu welchen Zeiten alles mal war: die Griechen, die Römer, die Venezianer und die Osmanen. Gebaut haben sie viel, abgesichert haben sie sich auch alle gut und unterschiedlich. Zu viel steht nicht mehr, zu sehr interessiert es uns im Detail auch nicht, aber der Rundgang ist nett, auch durch die Lage direkt an der Lagune. Das den Bildern nach schöne Mosaik im Baptisterium aus dem 6. Jahrhundert ist leider zum Schutz mit Sand bedeckt.

Zweite Besichtigung am ersten Tag ist die Karstquelle “Blue Eye“ an der Straße zwischen Sarande und Gjirokaster. Mitten im Wald liegt sie und fördert 10 Grad kaltes Wasser aus dem Boden. Diese Quelle namens Syri i Kalter ist eine von 18 unterirdischen Quellen der Flüsse Drin und Bistrica. Auf dem Weg dahin fließt uns ein gut befüllter Bewässerungskanal mit klarem und vermutlich kaltem Wasser entgegen.

In dem kalten Teich der Karstquelle ist das Baden verboten, auch das Springen vom aufgestellten Springbrett. Arthur überkommt es aber wie viele andere Männer und eine Frau auch und springt mutig nach vorheriger Abkühlung im Teich in die Karstquelle. Das wäre nichts für mich gewesen.

Unweit der Karstquelle suchen wir uns einen Übernachtungsplatz und genießen nun zum ersten Mal, dass man in Albanien einfach campen darf. Wir sind nicht alleine. Schafe, Ziegen und Kühe werden vorbeigetrieben. Am Fluss liegen kleine, wenige Wochen alte Schweine. Was haben sie für schöne Ringelschwänzchen! Am nächsten Morgen schließe ich Freundschaft mit zwei Hütehunden, die beide „unterberührt“ sind, das Streicheln genießen und ihre Herde ziehen lassen. Wir ziehen aber ohne sie weiter …

In Sarande, eine touristisch geprägte Stadt in schöner Bucht, erfolgt ein Versorgungsstopp für Lebensmittel, alkoholfreiem Bier (direkt vier Sixpack beim Großhändler gekauft, hatte davor schon alle sechs Flaschen im Supermarkt erstanden) und eine UMTS-Karte von Vodafone Albania (Mit etwas Trickserei bekommt Arthur den WLAN-Router von 1&1 ans Laufen und alle Geräte sind mit der Welt verbunden.). So sind wir gerüstet für den Strand in Borsh. Arthurs Idee, lieber in der Bucht des alten U-Boot-Bunkers zu stehen, lässt sich leider mangels Schranken nicht realisieren, aber Borsh gefällt uns so gut wie vor zwei Jahren. Allerdings merkt man die Hochsaison. Am gesamten mehrere Kilometer langen Strand ist mehr Betrieb, gibt auch mehr Cafés und Restaurants, auch in der nördlichsten Ecke, wo wir letztes Mal standen.

Wir parken etwas südlich vom nördlichsten Restaurant zehn Meter vom Meer und genießen es nun, von Samstag bis Freitag viel zu baden, zu lesen, zu joggen und regelmäßig den Sonnenschutz anzupassen. Die Markise bringt über Tag nicht mehr viel, aber mit Hilfe der Hängematten (mangels Baum nicht einsetzbar) kriegen wir den nötigen Schatten. Unser gelbes Luftsofa ist voll im Einsatz und bei uns beiden sehr begehrt. Zweimal „verlängern“ wir unseren Aufenthalt, bald steht eine „Vase“, also ein altes Gurkenglas, mit Blumen auf dem Tisch, unter anderem mit dem hier heftig wachsenden Oleander. Ich fange direkt mit dem Backen von Brot und Keksen an. Ersteres ist in Albanien nämlich meist weiß und daher nicht ganz unser Ding. Es tauchen mehrere Offroadfahrzeuge auch aus Deutschland auf. Mit den Landrover-Fahrern und der Iveco-Familie, die natürlich auch Familie Keller kennt, verbringen wir einen netten Abend am Lagerfeuer.

Das Wasser ist einfach herrlich, sehr klar und vor allem wirklich kühl, eigentlich zu kühl für Ende Juli. Wenn man Richtung nördliches Strandende schwimmt, wird es kühler. Arthur recherchiert ein wenig! Auch in der Adria gibt es Karstquellen unter Wasser. So eine muss hier in der Nähe sein.

Wie geschrieben schwimmen wir viel, sind beide drei Mal joggen (Arthur macht dabei tapfer eine Strecke entlang des Strandes im Spülsaum, ich nutze jeweils hin und zurück die Piste) und sind einmal zur Burg von Borsh gewandert. Das sind gute sechs Kilometer oneway in den Ort und darüber hinaus, sowie 300 Höhenmeter. An sich kein Problem, aber Schweiß treibend bei den gut über 30 Grad und viel Sonnenschein. Dafür werden wir mit einem schönen Ausblick belohnt und fragen uns, wer den angelegten Weg von der Piste zur Burg ermöglicht hat? Ein Schild mit EU-Emblem beantwortet die Frage. Sonst ist keiner auf der Burg, auch keiner, der Eintritt verlangt. Arthur nimmt sich die Freiheit, im Minarett der Moschee hochzusteigen und rauszuschauen.

Auch hier erfreuen wir uns an Tieren. In den Sümpfen gibt es Schweine, die gerne mal bei den Wohnmobilisten nach Futter betteln. Ich komme immer zu spät mit meiner „Biotonne“, aber mein „Komposthaufen“ wird regelmäßig gefunden und aufgegessen. Außerdem werden Ziegen und Schafe hier entlang getrieben und eine Ziege kommt gerne näher, direkt an GeU. Wir reichen den Bio-Eimer und sie will gleich noch die Blumen aus der Vase – können wir verhindern.

Bleibt zum Schluss die Frage, ob wir wirklich nur wegen des schönen Strandes so lange geblieben sind oder hatten wir etwa Sorge, nicht wieder wegzukommen? Wir waren über die gesamte Zeit die mit dem größten und schwersten Gefährt. Das wäre ja was gewesen, wären wir steckengeblieben! Wir hatten zwischendurch einmal einem VW-Bus Hilfe beim Schieben gegeben und unsere Sandbleche geliehen. Zur Sicherheit lässt Arthur ein wenig Druck aus den Reifen und noch mehr, als der Weg vorwärts raus von zwei Geländewagen mit Dachzelten blockiert ist. So kann er wenden und GeU nimmt den Sand und die Steine ganz locker hin!