16.07.2019, Fusina

03.07.2019 bis 16.07.2019, Deutschland, Berlin bis Italien, Fusina

Am 14. Tag on Tour ist endlich Zeit, auf die ersten zwei Wochen zurückzublicken und sie mit Text und Fotos „zu verarbeiten“. Wir sind inzwischen in Italien und warten auf dem Campingplatz im kleinen Örtchen Fusina mit Blick auf Venedig auf unsere Fähre nach Griechenland. Diese liegt 500 Meter Luftlinie von uns schon bereit und soll uns morgen um 12 Uhr ins südöstliche Europa bringen. Doch was haben wir bis hierher erlebt?

Gefahren sind wir reichlich. Wir haben alles andere als einen direkten Kurs auf Venedig genommen, als wir am 3. Juli einen Tag früher als geplant losgefahren sind, schon am Abend und nicht erst am nächsten Vormittag. Aber wir waren fertig, alles war verpackt und in der Wohnung erledigt, inklusive Zahnarzttermin von Arthur.

Zunächst ging es nach Nordrhein-Westfalen zum Geburtstag von Katharina auf dem Höfferhof in Much, in Arthurs alter Heimat. Auf dem Weg dorthin gab es zwei kleine „touristische Einlagen“ in Deutschland. Nach der Übernachtung bei Magdeburg haben wir am Morgen das Schiffshebewerk und die Wasserkreuzung Elbe/Mittellandkanal angeschaut, zum Mittagspicknick gab es einen kurzen Stop am Steinhuder Meer.

Am dem Höfferhof stand alles unter dem Zeichen zwei weiterer 50. Geburtstage. Wir haben kräftig mitgeholfen, den alten Kuhstall samt Büffet mitherzurichten und anschließend Haus und Hof wieder aufzuräumen. Während Arthur dann Wilfried beim Bau eines Bodens für eine Jurte geholfen hat, waren Katharina und ich „Sekt-Baden“, baden im Holzfass bei Karina im Garten samt Sekt trinken. Zuvor hatten wir noch Johannesbeeren gepflückt, die Arthur und ich dann bis Mitternacht verarbeitet haben. Nun lagern sie bei Wilfried im Gefrierer und warten drauf, dass Arthur sie nach dem nächsten Besuch nach Berlin bringt. Übernachtet haben wir die fünf Nächte jeweils irgendwo auf dem Hof, meist mitten auf der Kleegraswiese mit ganz viel Ruhe.

Vom Höfferhof in Much ging es weiter nach Schweinfurt – zur TÜV-Abnahme. Der TÜV in Schweinfurt kennt Ivecos bzw. kennt Familie Keller, die professionell Ivecos ausbauen und dann dem TÜV vorstellen. So gab es auch keine Beanstandungen und fast hätten wir erneut eine Plakette für zwei Jahre bekommen. Im letzten Moment hatten sie dann doch die 49 statt der 35 bei der Typenbezeichnung wahrgenommen. Schade!

Und dann konnte die Reise wirklich so richtig bekennen! Nun ging es „straight on“ auf die Alpen zu, wandern am alten Brennerpass und rund um die Drei Zinnen war unser geplantes Programm. Kurz bevor wir den Brenner erreichen, fängt es an zu regnen. Dazu gibt es ein Verbotsschild für über 3,5-Tonner auf der alten Straße. Also im Regen über die Mautpflichtige Autobahn – ohne weiteren Stop. So sind wir schneller als erwartet in den Dolomiten und befürchten, dass der Regen auch unser zweites Vorhaben streicht. Aber es geht gut. Nach einer Nacht auf dem Campingplatz in Misurina auf über 1.500 Meter Höhe (es gab überall Campingverbotsschilder und Zäune) fahren wir bei Sonne und Wolken mit dem Bus hoch zu den Drei Zinnen und umrunden diese in 2,5 Stunden bei gutem Wetter, sehen aber die ankommenden Wolken. Eine nette, einfache, aber sehr lohnenswerte Wanderung in schönster Bergkulisse. Das fand auch ein junges asiatisches Paar, das hier ein Fotoshooting im Abendkleid und Anzug macht!

So haben wir plötzlich mehr Zeit als gedacht und nutzen diese, endlich auch zum wilden Camping. Am Ufer der Piave nicht weit von Belluno finden wir einen Platz für das Wochenende inmitten von Bäumen und sehen Menschen nur am Sonntagmorgen, als wir beide nacheinander auf der Straße joggen. Hier lassen wir es uns gut gehen, weihen die neue Hängematte ein (jetzt wird synchron abgehangen) und essen Leckeres aus der Bordküche gemäß dem aktuellen Land, also italienisches Essen unter anderem mit dem gekauften Linsen-Bohnen-Mix (18 Stunden eingeweicht und dann 1,5 Stunden gekocht!). Arthur fängt das Buch „In 15 Tagen denken lernen“ an zu lesen – samt diverser Versuchsreihen mit unseren Gewürzdosen und unseren Messern.

Bis dahin hatte es mit dem wilden Camping nicht ganz so geklappt. Bei Schweinfurt standen wir an einem Picknicktisch auf einer nur für Anwohner erlaubten Straße. Bei München nahmen wir jenen Platz bei Eching ein, den wir zu Beginn unserer ersten Balkan-Reise 2017 nach dem Reifenplatzer auf der A9 gefunden hatten – nun schon zum dritten Mal. Dann folgte der Campingplatz in den Dolomiten. Und auch nach den „wilden Nächten“ an der Piave folgten Campingplätze, erst in Venedig (eher nur ein Wohnmobilstellplatz ohne Facilities) und dann mit Blick auf Venedig.

Was gibt es zu GeU zu sagen? Er schnurrt brav vor sich hin. Der neue Motor bringt uns deutlich schneller vorwärts. 100 Stundenkilometer sind auf der Autobahn kein Problem, Hügel auch nicht mehr. Einmal wären beim Herunterfahren fast die Bremsen heiß gelaufen. Wir müssen runter wohl langsamer fahren als hoch. Hier und da gibt er Geräusche von sich. Irgendetwas im Getriebe? Wir versuchen nicht zu sehr drauf zu horchen und erzählen dem Ungetüm was vom ADAC und seinem Rückholservice. Irgendwann müssen wir da noch mal ran, aber bitte nicht auf dieser Tour. Aber ganz bastelfrei sind die Tage nicht. Bei Familie Keller wurde noch der Turboschlauch ausgetauscht. In den Dolomiten brauchte das Rollo eine kleine Reparatur und am Piaveufer wurde die hintere Tür regensicherer gemacht. Ein Schauer hatte uns drauf aufmerksam gemacht – der Teppich und das Holzregal waren feucht. Also einmal Reserverad runter, Tür ausgehängt, mit Gewalt der Scharnier verbogen und alles wieder eingebaut und dran gehängt. Außerdem räumt Arthur den Außenkeller auf und weiß nun, was für Reparaturen gemäß dem Apollo 13 Motto „Houston, we have a problem!“ bereit steht. Und dann hatte er mal wieder seinen berühmten Riecher für sein Auto. Er hatte kurz mal auf den Schalter der Dieselpumpe gedrückt, ob sie es tut. Sie tat es – mit Folgen und Arbeit für uns. Bald riechen wir Diesel und gehen dann doch dem Geruch mal nach. Der Schlauch zwischen den linken und rechten Tanks ist rott, vier Jahre nach dem Einbau. Deshalb läuft der Diesel auf dem Weg von rechts nach links irgendwo hin. Also Schlauchaustausch. Zum Glück hatte Arthur noch drei Meter gekauft. Es hätte eine üble Planscherei irgendwo auf einer Straße geben können oder auch den Verlust von 100 Litern Diesel, denn beim Fahren hätten wir davon vermutlich nichts wahrgenommen und hätten den Diesel auf die Straße befördert.

Natürlich haben wir den Abfahrtsort der Fähre auch für einen Besuch in Venedig genutzt. Vom Piaveufer ging es direkt in die Stadt, mit GeU über die einzige Straße ins Weltkulturerbe. GeU verbleibt auf dem Camperstellplatz am Parkhaus, kostet uns für 24 Stunden 43 Euro. Es ermöglicht uns einen langen Tag in Venedig, die anschließende Nacht ist ruhig. Wir haben schon schlechter gestanden.

Mit dem Boot geht es morgen um 10 Uhr fast direkt zum Markusplatz. Es folgt das klassische Venedig-Programm mit wahren Menschenmengen aus aller Welt, vor allem aus Asien. Ich bin zunächst leicht entsetzt, aber am Ende bin ich doch von der Stadt und ihren Kanälen und Brücken begeistert. Wir laufen viel, durch die touristischeren Ecken mit der Rialto-Brücke und dem Canale Grande, aber auch durch ruhigere Ecken im Osten, wo wir ein tolles, anrührendes Kunstwerk der Biennale entdecken. Unter dem Motto „Building Bridges“ gibt es riesige Hände, die ineinander greifen und Liebe, Freundschaft, Hoffnung, Vertrauen, Hilfe und Weisheit symbolisieren. Schön sind auch Skulpturen in einem Park, die alle besonders große Füße haben.

Essen tun wir natürlich auch! Zum Mittag gibt es Tramezzinis, kleine Brote mit leckerem Aufstrich, die ich aus den Brunetti-Krimis kannte, danach Eis und Nougatkonfekt, sehr lecker und sehr süß. Am Abend folgt klassisch italienisch, roher Fisch als Vorspeise, dann Gnocchis und Raviolis, dazu Aperol und Wein. Gut abgefüllt geht es ins Konzert von Mozart und Vivaldi. Müde nach vielen, vielen Kilometern zu Fuß sind wir spät am Abend wieder bei GeU.

Am nächsten Morgen sind es dann fünf Kilometer Luftlinie, über 20 auf der Straße, mit erratischer Ausschilderung. Wir kaufen noch etwas ein, prüfen bei Anek den Abfahrtstermin für die Fähre und verbringen den Rest des Tages auf dem Campingplatz mit Blick auf Venedig – und arbeiten an der Internetseite mit Fotosichtung, -auswahl und -berechnung (Arthur) sowie der Texterstellung (ich). Meine von Arthur liebevoll aufgehängte Hängematte nutze ich am Ende kaum …